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Behandlung von Stillem Reflux

pH-Metrie Behandlung bei Stillem Reflux

Die Behandlung von Stillem Reflux ist noch immer ein wenig ein Glücksspiel.
Je nach dem, zu welchem Arzt die Betroffenen zuerst gehen, richtet sich oft die Behandlung, wenn sie denn überhaupt stattfindet.
Chronischer Husten ist jenes Krankheitsbild, dass die meisten zum Arzt führt. So haben sie also als Kassenpatient nicht die Wahl, sondern werden vom Hausarzt überwiesen an den Kollegen, den er oder sie für zuständig hält.
Es liegt dann ganz daran, wie intensiv der Arzt fragt oder wie detailliert die Betroffenen ihre Beschwerden schildern. Danach landen sie beim Hals-Nasen-Ohrenarzt oder beim Facharzt für Lungenkrankheiten, manche auch beim Allergologen. Es werden eine Menge Untersuchungen und Tests durchgeführt. Wenn der Betroffene Glück hat, und der Arzt, der ihn nun behandelt, schon einmal etwas von LPR (Laryngopharyngealer Reflux) gehört hat, bekommt er eine halbwegs effiziente Behandlung. Wenn nicht, dann landet der Patient entweder in der Psycho-Ecke, oder er wird zu einem anderen Spezialisten abgeschoben.

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Cover E-book Ernährung bei Stillem Reflux

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Kompetenzgerangel in der Behandlung von Stillem Reflux

Der Gastroenterologe fühlt sich in diesem Zusammenhang zuständig für Magen und Speiseröhre. Der Pneumologe interessiert sich nur für die Lunge. Der HNO-Arzt ist spezialisiert auf Erkrankungen von Hals, Kehlkopf, Nase und deren Nebenhöhlen und der Ohren. Der Allergologe interessiert sich hauptsächlich für die Nase und die Augen, aber auch für die Lunge und die Haut. Wenige Allergologen suchen auch nach Unverträglichkeiten oder echten Allergien im Darm. Wer also ist nun zuständig bei den vielfältigen Symptomen des Stillen Refluxes? Und wie bekommt man all die Spezialisten unter einen Hut oder besser noch, in ein Refluxzentrum? Nun, erste Versuche in dieser Richtung wurden unternommen. Dort fühlen sich die Betroffenen endlich ernstgenommen und werden teilweise auch erfolgreich behandelt. Allerdings haben nicht alle Zentren überhaupt geeignete Geräte zum Nachweis von Stillem Reflux und auch die Zunft der Chirurgen ist meist in so einem Zentrum angesiedelt und möchte unsere Probleme nur zu gerne wegoperieren.

Stiller Reflux - die Symptome
Wie entsteht der Stille Reflux und welche Symptome treten auf?

Mit welchen Untersuchungen kann man Stillen Reflux eindeutig nachweisen

Will man Stillen Reflux, also LPR eindeutig nachweisen, so sind exakte pH-Daten aus dem Rachen unverzichtbar. Es ist also ein ambulantes pH-Monitoring nötig, dass nicht nur die Speiseröhre umfasst. Ohne den Nachweis von Säure und/oder Pepsin im Rachen bleibt die Diagnose Stiller Reflux (LPR) immer eine Verdachtsdiagnose. 
Bisher wird meist ein entzündeter Kehlkopf plus das Eintreten einer Besserung der Symptome nach PPI-Gabe als, wenn auch schwacher, Nachweis des Stillen Refluxes herangezogen.

spezielle Messgeräte zum Nachweis von Stillem Reflux

RESTECH-pH-Metrie

Für den Nachweis von Stillem Reflux benötigt man ein hochauflösendes pH-Monitoring-Gerät mit Messstellen auch oberhalb der Speiseröhre.
Das RESTECH ™pH-Metrie-Gerät ist ein derartiges Diagnosesystem. Mit diesem Gerät kann Stiller Reflux direkt nachgewiesen werden.
Das ist mit herkömmlichen pH-Metrie-Geräten nicht so ohne weiteres möglich, denn bei diesen Geräten gibt es keine Messpunkte außerhalb der Speiseröhre.
Mit dem RESTECH-Diagnosesystem, das im Grunde eine verfeinerte und auf die Messung des pH-Wertes direkt hinter dem Gaumenzäpfchen spezialisierte 24- oder 48h-pH-Metrie ist, kann Stiller Reflux direkt nachgewiesen werden.
Um das Krankheitsbild zu beurteilen, ermittelt die RESTECH-Software den sogenannten Ryan-Score und bietet dem Arzt Informationen zur Säurebelastung im Rachen.

 

Pep-Test zum Nachweis von Pepsinen in den Schleimhäuten

Zum Nachweis von Pepsin in den Schleimhäuten gibt es den sogenannten Pep-Test. Doch aus unerfindlichen Gründen hat sich dieser Test in Europa nie wirklich durchgesetzt, obwohl er die Dinge um einiges einfacher machen könnte.

Wer mag, und etwas in seine Gesundheit investieren will, der kann diesen Test im Internet bestellen. Was allerdings der behandelnde Arzt dann mit dem Ergebnis anfängt, ist ungewiss.
Auch eine hochauflösende Manometrie von Kehlkopf, oberem Speiseröhrenschließmuskel und der eigentlichen Speiseröhre kann wertvolle Hinweise liefern, ob es sich um Stillen Reflux handelt.

Behandlungsmöglichkeiten von Stillem Reflux

Auch heute noch wird in Deutschland Stiller Reflux genau wie klassischer Reflux mit PPI’s (Protonenpumpeninhibitoren) wie Omeprazol, Pantoprazol, Rabeprazol oder Lansoprazol  behandelt. Es gibt Studien, die belegen, dass PPI’s in der Behandlung von Stillem Reflux nicht wirksamer als Placebos sind. Viele Betroffene erfahren unter der Behandlung mit einem PPI nur ungenügende Besserung der Symptome oder auch gar keine. In Europa wird die Refluxkrankheit und damit auch der resultierende Stille Reflux als unheilbares Krankheitsgeschehen eingestuft, das nur symptomatisch behandelt werden kann. In schweren Fällen mit deutlichen Spuren des gasförmigen Refluats auf den Schleimhäuten wird zur Operation geraten. Welche OP’s es gibt und was es neues auf diesem Gebiet gibt, erfahrt ihr in unseren Artikeln:

Neue OP-Methode bei Sodbrennen

Zwerchfellbruch-OP: wenn nur noch operieren hilft

 Für alle anderen erfolgt die Therapie mittels PPI.
Doch es gibt andere Ansätze, die sogar Heilung versprechen.

Behandlung von Stillem Reflux über die Ernährung

Um eine Umstellung der Ernährung kommt kein Reflux-Patient herum.
Und Betroffene von Stillem Reflux haben bei einer solchen Umstellung noch einiges mehr zu beachten. Als allererstes solltet ihr sämtliche Fertigprodukte aus eurem Speiseplan streichen.
Warum? Alles, was aus Büchsen oder Gläsern kommt, egal ob es sauer oder süß schmeckt, wird zur Haltbarmachung mit Säuren versetzt. Banane ist frisch und unbehandelt ein sehr gut verträgliches Lebensmittel für Betroffene von Stillem Reflux. Doch wer auf die Idee kommt, sein Baby mit einem Gläschen Bananenbrei zu füttern, erlebt eine böse Überraschung, wenn er ein Stück Lackmuspapier hineinhält. Der Brei hat einen pH-Wert von 2,3 -3,6, denn er ist zur Konservierung mit Säuren angereichert worden. Die Ausrede der Hersteller: Wenn Zitronensäure hinzugegeben wird, dann muss nicht mehr sterilisiert sondern nur noch pasteurisiert werden, dass erhält mehr Nährstoffe im Brei. Außerdem meinen sie zu wissen, dass die Zugabe von Zitronensäure einen bessere Eisenaufnahme ermöglicht. Dass Babys davon oft Sodbrennen bekommen, erwähnen sie meist nicht.

erfolgreiche Außenseiterin in der Behandlung von Stillem Reflux

Es gibt im Bereich der Behandlung von Stillem Reflux insbesondere Dr. Jamie Koufman. Diese Ärztin hat sich in den USA auf die Behandlung von Stillem Reflux in den oberen Atemwegen spezialisiert. Sie ist ausgebildete und noch immer praktizierende HNO-Ärztin und hat ein eigenes Trainingsprogramm zur Heilung von Reflux und Stillem Reflux erarbeitet.
Dr. Koufman vertritt die Meinung, dass das Auftreten vom Stillem Reflux unter anderem durch eine postvirale Vagusneuropathie hervorgerufen werden kann. Das heißt, sie glaubt, dass der Vagusnerv der Betroffenen nicht nur durch Dauerstress geschädigt ist sondern durch einen banalen Schnupfen oder eine ähnliche Erkrankung angegriffen wurde.
Ohne wenn und aber gibt ihr der Erfolg Recht, auch wenn es von Seiten der Ärzteschaft reichlich Vorbehalte gibt. Wir haben uns diesbezüglich einmal eingelesen und feststellen müssen, dass in der Arbeit von Dr. Koufman einiges Potential steckt.

Wie behandelt Dr. Koufman

Sie plädiert seit vielen Jahren für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologie, Pneumologie, Allergologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, wenn es um die Behandlung von Stillem Reflux geht.

In Studien hat sie belegt, dass insbesondere der hohe Verzehr von Softdrinks für die epidemischen Ausmaße des Auftretens von Reflux und Stillem Reflux verantwortlich sind. Jeder der unter Reflux leidet, kann bestätigen, dass Cola oder andere solche Getränke einen auf einen heftigen Sodbrennen-Trip schicken können.
In der Regel behandelt Dr. Koufman mit einer Umstellung der Ernährung. In Fällen, wo es größere Probleme gibt, setzt sie H2-Blocker (Cimetidin und Famotidin) ein, sowie Domperidon (beschleunigt die Magenentleerung) und Gabapentin (off-Label-Gebrauch zur Stimulierung der Vagus-Funktion). PPI setzt sie nur sehr kurz und in seltenen Fällen ein.
Sie empfiehlt eine 2wöchige Auswaschungsphase, in der spezielle Ernährungsregeln eingehalten werden müssen und nach Möglichkeit basisches Wasser getrunken werden sollte. So sollen die noch in den Schleimhäuten sitzenden Pepsine herausgewaschen werden oder funktionslos gemacht werden.

Die Ernährungsumstellung nach Dr.Koufman

Die Diät setzt sich aus 4 Phasen zusammen. Es beginnt mit der Einführungsphase, gefolgt von der Übergangsphase, der Stabilisierungsphase und schließlich der Dauerphase.
Während die 2 wöchige Einführungsphase der Rückbildung von Entzündungen und der Entfernung der restlichen Pepsine dient, werden während der Übergangsphase und der Stabilisierungsphase Schritt für Schritt eigentlich Reflux fördernde Lebensmittel bis zu einem gewissen Grad wieder eingeführt. Dabei werden die Patienten in Reflux gerechter Ernährung unterrichtet. Die Übergangsphase und die Stabilisierungsphase kann einige Monate dauern. Bei Patienten die PPI einnehmen, erfolgt in dieser Phase auch die PPI-Entwöhnung. Danach folgt die Dauerphase, in der die Patienten mit der Kontrolle über ihre Essgewohnheiten mit Arbeit und Entschlossenheit wieder ein ganz normales Leben führen können.

Resümee zur Behandlung von Stillem Reflux durch Dr. Koufman

Wir glauben, dass an der Behandlungsmethode von Dr. Koufman einiges dran ist. Sie gibt ihren Patienten klare Ernährungsempfehlungen für die einzelnen Phasen der Ernährungsumstellung. Sie versucht, den Auslöser oder besser die Auslöser für das Krankheitsgeschehen zu finden. So eine postvirale Vagusneuropathie kann durch eine ganz banale Erkältung oder eine Halsentzündung hervorgerufen werden. Teile des Vagusnervs verlaufen sehr dicht unter der Schleimhaut im Rachen. Damit ist eine Schädigung des Nervs wahrscheinlich. Sie macht für das geradezu epidemische Auftreten von Refluxkrankheit und Stillem Reflux übrigens die häufigere Verwendung von gesättigten Fettsäuren, den gestiegenen Verbrauch von Fructose und die erhöhte Menge an Säuren in unserer Ernährung, sowie die Verwendung von Zusatzstoffen, wie Aromen, Konservierungsmitteln, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern verantwortlich. Es sind also nicht nur die Softdrinks, die uns den Reflux bescheren.
Sie deckt auch die Mechanismen hinter dem Refluxgeschehen auf. Reflux beeinträchtigt die Speiseröhrenfunktion und das wiederum, führt zu noch mehr Reflux. Gehen Entzündung und Reflux zurück, so bessert sich auch die Speiseröhrenfunktion und der untere Schließmuskel arbeitet wieder.

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Fazit

Die Behandlung von Stillem Reflux ist ebenso komplex wie das Krankheitsbild. Leider gibt es in Deutschland noch nicht sehr viele Ärzte, die sich aus dem PPI Schubladendenken verabschiedet haben. Auch die Verschreibung von PPI scheint immer noch weit verbreitet. Doch es gibt Hoffnung. Sowohl in Refluxzentren als auch in Einzelpraxen von HNO-Ärzten werden Patienten mit Stillem Reflux adäquat behandelt und auch beraten. Die Ernährung ist in 85% der Fälle der Schlüssel zum Erfolg. Nicht nur wir glauben, das Reflux und auch Stiller Reflux heilbar, im Sinne von nachhaltig therapierbar, ist. Und die Aussicht auf ein halbwegs normales Leben ohne Dauermedikation lässt uns denn auch einmal über die Möglichkeit nachdenken, wie wir unsere Ernährung wieder auf ein normales Level bringen können. Immerhin hat die Verschreibung von PPI nicht nur im Falle des Stillen Refluxes in der neuen Leitlinie zur Behandlung von Refluxkrankheit und eosinophiler Ösophagitis ein deutliches Downgrade erfahren.

Quellen

Klinikum Bremen-Mitte: Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde

Sodbrennen und Refluxkrankheit (Gesundheitsinformation.de)

Weiß, Maria et al.: Säureblockade nützt nur bei symptomatischem Reflux (Medical Tribune)

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., Bonn

Koufman JA. The otolaryngologic manifestations of gastroesophageal reflux disease (GERD): a clinical investigation of 225 patients using ambulatory 24-hour pH monitoring and an experimental investigation of the role of acid and pepsin in the development of laryngeal injury. Laryngoscope. Apr 1991;101(4 Pt 2 Suppl 53):1-78. doi:10.1002/lary.1991.101.s53.1

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Koufman JA, Huang S., et al. Dr. Koufman’s Acid Reflux Diet: With 111 All New Recipes Including Vegan & Gluten-Free: The Never-need-to-diet-again Diet. Katalitix. 2015.

Koufman JA, Jordan S, Bauer MM. Dropping Acid: The Reflux Diet Cookbook & Cure. Reflux Cookbooks; 1st ed. 2010.

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Über die Autorin
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Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.