
Hallo, ich bin Andy.
Ich litt viele Jahre unter klassischem Reflux und später auch unter Stillem Reflux.
Kurz gesagt
Ich bin Andrea Kuhl, genannt Andy. Ich bin Medizinjournalistin und Beraterin für Stillen Reflux und arbeite seit fast 17 Jahren zu einem einzigen Thema: Stiller Reflux, in der Fachsprache Laryngopharyngealer Reflux oder kurz LPR.
Ich schreibe über die Mechanik hinter Stillem Reflux, gebe Kurse und begleite Menschen, bei denen die übliche Antwort – Ernährung umstellen, Säureblocker nehmen – nicht gereicht hat. Über 300 Menschen habe ich bisher begleitet.
Angefangen hat das offline. Die ersten Jahre habe ich ausschließlich hier in Spanien gearbeitet: Einzelbegleitung, eine Selbsthilfegruppe, Kurse vor Ort. Magenkompass als Website gibt es seit 2019, dazu kamen später der Podcast und der Mitgliederbereich.
Ich bin keine Ärztin. Ich stelle keine Diagnosen und behandle nicht. Was ich tue: medizinische Fachliteratur lesen, sie in verständliche Sprache übersetzen und Menschen zeigen, wie sie die Zusammenhänge auf ihre eigene Situation anwenden.
Ich arbeite überwiegend mit englischsprachiger Fachliteratur, weil Stiller Reflux dort seit den neunziger Jahren als eigenständiges Krankheitsbild erforscht wird – im deutschsprachigen Raum steht bis heute meist die klassische Refluxkrankheit im Mittelpunkt.
Zu diesem Thema bin ich nicht über ein Studium gekommen, sondern über den eigenen Körper. Das ist die längere Geschichte.
Wie ich zum stillen Reflux kam
Als mich der klassische Reflux und etwas später der Stille Reflux erwischten, lebte ich ein ganz normales Leben. Ich ernährte mich weder extrem ungesund, noch trank ich übermäßig viel Alkohol oder Kaffee. Allerdings rauchte ich gut 20 Zigaretten am Tag, das Sportstudio hatte ich länger nicht von innen gesehen, und mein Hinterteil und mein Bürostuhl waren wirklich allerbeste Freunde.
Dann musste ich einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen und vergrub mich in die Arbeit. Das brachte mir massive Schulter- und Nackenprobleme ein. Über viele Monate nahm ich Entzündungshemmer, um irgendwie weitermachen zu können.
Der Arzt, der sie verschrieb, fragte mich nach Magenproblemen. Ich verneinte – ich hatte ja zu diesem Zeitpunkt keine. Dieses eine Nein führte dazu, dass ich keinerlei Mittel bekam, die den Magen geschützt hätten.
Die Entzündungshemmer schädigten meine Magenschleimhaut. Das eigentlich Fatale daran: Ich bemerkte es lange nicht. Diese Medikamente wirken gegen Schmerzen überall im Körper – also auch gegen die in meinem Magen. Erst als ich immer weniger Speisen vertrug, kaum noch Appetit hatte und Gewicht verlor, ging ich hin.
Die Diagnose: schwere Gastritis, ausgelöst durch Entzündungshemmer. Rauchen aufhören, drei Wochen Brei und weiche Speisen, täglich Omeprazol, keine Schmerzmittel mehr. Die Schulter solle sich ein Traumatologe ansehen, das könne aber dauern.
Von da an nahm ich Omeprazol – und die Entzündungshemmer. Der Traumatologe freute sich über die gute Wirkung der Physiotherapie und wusste nichts von meinem Magen. Der Hausarzt wusste nichts vom Ausmaß des Schulterproblems. Ehrlich gesagt interessierte ihn das auch nicht wirklich.
Der Punkt, an dem es kippte
Zwei Jahre lebte ich so. Dann beschloss ich, es mit einer Ernährungsumstellung zu versuchen. Ich dachte: Du hast es geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören, dann wirst du doch wohl das Essen ein bisschen umbauen können.
Das Unterfangen scheiterte zunächst daran, dass mir buchstäblich jeder etwas anderes sagte – und unterm Strich immer derselbe Satz stand: Das musst du selbst ausprobieren.
Also probierte ich. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto neugieriger wurde ich und desto deutlicher sah ich, was bei mir falsch gelaufen war. Ich aß viel zu kohlenhydratlastig. Die vielen Milchprodukte taten mir auf Dauer nicht gut. Dazu die Zigaretten aus der Vergangenheit, der Stress, die Sorgen.
Dann kam wieder eine stressige Phase, Schulterschmerzen und Sodbrennen waren zurück, ich nahm wieder Entzündungshemmer. Sechs Wochen später klappte ich auf dem Heimweg zusammen, weil eines meiner Magengeschwüre stark blutete.
Im Krankenhaus stand am Ende auf dem Zettel: zwei Magengeschwüre, ein entzündeter Zwölffingerdarm, eine heftige Speiseröhrenentzündung, ein sechs Zentimeter großer Zwerchfellbruch, Histamin-, Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit. Und per Gewebeentnahme im Dünndarm nachgewiesen: Zöliakie.
Das machte mich nachdenklich. Ich wusste vor allem eines: Ich wollte nicht bis an mein Lebensende PPI nehmen, die ohnehin immer weniger wirkten.
Zwei Jahre Lesen – und ein Umweg
Ich las mich ein. Ein halbes Jahr später ging ich wieder joggen und ernährte mich geradezu fanatisch gesund. So dachte ich jedenfalls. Tatsächlich hatte ich inzwischen so viel über Ernährung gelesen, dass ich hinter jedem Steak einen Giftanschlag vermutete und Wasser nur noch zweifach gefiltert trank. Heute nennt man das Orthorexie. Damals gab es noch kein Wort dafür.
Die Magenspiegelung zeigte außer zwei großen Narben nichts mehr. Die PPI könne ich jetzt weglassen, sagte der Arzt. Als ich kopfschüttelnd grinste, sah er mich befremdet an.
Nach und nach kam ich tatsächlich von den PPI los – vor allem durch die Erkenntnis, dass ein Rebound-Effekt nicht dasselbe ist wie eine Gastritis. Aber ich glaubte immer noch, Sodbrennen sei in erster Linie ein Ernährungsproblem. Und übersah dabei, dass ich das Eiweißproblem längst aus den Augen verloren hatte.
Dann hatte ich einen schweren Verkehrsunfall: acht Wochen Krankenhaus, mehrere Operationen, eine Infektion, reichlich Antibiotika. Ich verließ die Klinik mit einem völlig aufgewühlten Magen-Darm-Trakt und einem Dauerrezept für Pantoprazol.
Der Reflux war zurück, um zu bleiben. Das Brennen auf der Zunge und im Hals machte mich verrückt. Ich konnte keine zwei Sätze mehr sprechen, ohne mich zu räuspern. Ging ich damit zum Arzt, hörte ich jedes Mal, ich solle doch endlich meine Ernährung umstellen. Das hatte ich längst.
In dieser Zeit hörte ich zum ersten Mal von Stillem Reflux. Das war einer der größten Aha-Momente meines Lebens. Ich las weiter in der medizinischen Fachliteratur und fand immer mehr Hinweise darauf, dass es ihn nicht nur gibt, sondern dass Ärzte außerhalb Europas ihn seit Jahren behandelten.
Der Moment, der alles verändert hat
Irgendwann bekam ich Hüftprobleme. Der Arzt verschrieb Physiotherapie – aber keine von der üblichen Sorte. Es waren Übungen zur Lockerung des Zwerchfells und zur Dehnung und Kräftigung von Psoas und Quadratus lumborum.
Diese Übungen beseitigten nicht nur die Schmerzen in der linken Hüfte. Sie beseitigten auch mein nächtliches Sodbrennen. Kein einziges Mal musste ich danach noch auf der schiefen Ebene schlafen.
Ich ging sofort zu meiner Physiotherapeutin und fragte sie, warum. Dann fing ich noch einmal von vorn an zu recherchieren – und fand Zusammenhänge, die ich vorher nirgends erklärt bekommen hatte. Vor allem aber begriff ich, wie vielen Menschen mit chronischem Reflux es genauso gehen musste.
Das ist der Grund, warum es Magenkompass gibt.
Wie ich arbeite und woher meine Informationen stammen
Ich bin Journalistin, keine Ärztin. Das heißt: Mein Handwerk ist das Recherchieren, Prüfen und Übersetzen – nicht das Behandeln. Konkret arbeite ich so:
Ich lese überwiegend englischsprachige Fachliteratur. Der Grund ist inhaltlich, nicht sprachlich. Im englischsprachigen Raum, vor allem in der HNO-Heilkunde und der Laryngologie, wird Stiller Reflux seit den neunziger Jahren als eigenständiges Krankheitsbild erforscht – mit eigenen Fragestellungen, eigenen Messverfahren, eigenen Behandlungsansätzen. Wer nur die deutschsprachigen Quellen liest, findet zu vielen Fragen, die meine Leserinnen und Leser stellen, schlicht nichts.
Leitlinien lese ich, gewichte sie aber anders. Verbindliche Grundlage im deutschsprachigen Raum ist die S2k-Leitlinie"Gastroösphageale und eosinophile Ösophagitis" der Deutschen Gesellschaft für Gastoenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Wenn ich etwas anders einschätze als sie, dann sage ich das ausdrücklich.
Beschwerden außerhalb der Speiseröhre - Husten, Heiserkeit, Kehlkopfentzündung - kommen darin durchaus vor, und zwar sorgfältig eingeordnet: als mögliche Begleiterscheinungen der klassischen Refluxkrankheit, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass ein ursächlicher Zusammenhang mit den heute verfügbaren Verfahren nicht zuverlässig nachzuweisen ist.
Die Leitlinie stellt aber eine andere Frage als ich:
Sie fragt, ob sich die Refluxkrankheit auch anderswo zeigt. Ob Stiller Reflux einem anderen Mechanismus folgt - Gasreflux, Pepsin, der obere Schließmuskel - , ist nicht ihr Gegenstand. Diese Frage wird vor allem in der englischsprachigen Literatur beantwortet. Deshalg liegt dort mein Schwerpunkt.
Recherche ist nicht Datenbanksuche. Ich arbeite mit PubMed, aber eine Trefferliste ist noch keine Antwort. Studien zum Thema Reflux sind oft zu weit gefasst, um über Stillen Reflux etwas auszusagen – oder so eng zugeschnitten, dass sie nur für eine kleine Gruppe gelten. Deshalb steht bei mir neben einer Zahl immer, an wem sie erhoben wurde und was sie nicht zeigt.
Ich kennzeichne, wie sicher etwas ist. In meinen Artikeln steht dabei, ob eine Aussage durch Studien belegt, biologisch plausibel oder schlicht unbelegt ist. Diese Unterscheidung halte ich für wichtiger als jede Empfehlung, weil sie dir erlaubt, meine Aussagen selbst einzuordnen.
Ich korrigiere sichtbar. Wenn sich etwas als falsch herausstellt, ändere ich es im Artikel und schreibe dazu, was vorher dort stand.
Ich arbeite nicht allein. Für Fragen zu Atmung, Zwerchfell und Körperarbeit tausche ich mich mit Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten aus.
Leitlinie im Wortlaut: Madisch A, Koop H, Miehlke S, et al. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Z Gastroenterol. 2023;61:862–933. doi:10.1055/a-2060-1069
Was ich anbiete
In meiner Heimatstadt habe ich eine Selbsthilfegruppe gegründet. Ich gebe Kurse, in denen ich Menschen beibringe, wie auch sie ihr Sodbrennen und ihren Stillen Reflux dauerhaft loswerden können.
Online gibt es das REFLUX-TOOL-KIT, den Kurs: Stillen Reflux verstehen und mattsetzen und den Members-Circle im Mitgliederbereich von Magenkompass: ein Tool-Kit oder ein Kurs aus einzelnen Tools, wahlweise mit oder ohne Community-Anschluss – für Menschen, die sich wie ich nicht damit abfinden wollen, ein Leben lang mit Refluxproblemen herumzulaufen.
Dazu kommen der Podcast, der Youtube-Kanal, der Newsletter und die Artikel hier auf der Seite, die alle frei zugänglich sind.
Was ich nicht leisten kann
Ich beantworte keine individuellen medizinischen Fragen per E-Mail oder Telefon. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern eine Grenze, die ich einhalten muss und will: Eine Einschätzung ohne Befunde, ohne Untersuchung und ohne Kenntnis deiner Vorgeschichte wäre wertlos und im Zweifel gefährlich. Wer eine persönliche Einschätzung möchte, bucht dafür einen Termin.
Ich sage auch niemandem, er solle ein Medikament absetzen. Das ist eine Entscheidung, die in die Hand der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes gehört.
Und ich verspreche keine Heilung. Behandelbar und geheilt sind zwei verschiedene Dinge. Was ich aus eigener Erfahrung und aus der Arbeit mit über 300 Menschen sagen kann: Stiller Reflux lässt sich in sehr vielen Fällen so weit mattsetzen, dass er den Alltag nicht mehr bestimmt. Das ist kein Wunder und keine Garantie – es ist Arbeit, und sie wirkt bei den meisten.
Häufige Fragen
Bist du Ärztin?
Nein. Ich bin Medizinjournalistin und Beraterin für Stillen Reflux. Ich lese medizinische Fachliteratur, übersetze sie und zeige, wie sich die Zusammenhänge anwenden lassen. Diagnosen und Behandlungen gehören in ärztliche Hände.
Warum Stiller Reflux und nicht Reflux allgemein?
Weil Stiller Reflux anders funktioniert als klassisches Sodbrennen und in der Regelversorgung häufig übersehen wird. Die Beschwerden sitzen im Hals, nicht hinter dem Brustbein – Räuspern, Kloßgefühl, Heiserkeit, Husten. Wer damit zum Arzt geht, bekommt oft die Antwort, es sei nichts zu finden.
Woher weiß ich, dass deine Informationen stimmen?
Gar nicht – deshalb kannst du sie überprüfen. Unter jedem Artikel steht, worauf er sich stützt, und im Text steht, wie belastbar eine Aussage ist. Wo ich mir nicht sicher bin, schreibe ich das hin.
Seit wann machst du das?
Ich beschäftige mich seit fast 17 Jahren mit Stillem Reflux, zuerst als Betroffene, dann beruflich. Die ersten Jahre habe ich ausschließlich offline in Spanien gearbeitet – Einzelbegleitung, Selbsthilfegruppe, Kurse vor Ort. Magenkompass als Website gibt es seit 2019.
Zum Schluss
Reflux ist nachhaltig und ganzheitlich therapierbar.
Andrea Kuhl
