Cortisol und Stiller Reflux

Cortisol und Stiller Reflux

Der unterschätzte Zusammenhang zwischen Cortisol und Stillem Reflux

Warum Stress deinen LPR verschlimmert – und was du dagegen tun kannst

Hast du das Gefühl, dass dein Stiller Reflux in stressigen Zeiten schlimmer wird? Dass die Beschwerden zunehmen, wenn du viel um die Ohren hast, schlecht schläfst oder emotional belastet bist? Dann bist du nicht allein – und du bildest dir das auch nicht ein.

Die Wissenschaft zeigt immer deutlicher: Chronischer Stress und das dabei ausgeschüttete Hormon Cortisol spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Verschlimmerung von Stillem Reflux (LPR). Doch wie genau wirkt Cortisol auf dein Verdauungssystem? Und was kannst du konkret dagegen tun?

In diesem Artikel erfährst du:

  • Was Cortisol in deinem Körper macht – im Guten wie im Schlechten
  • Wie chronischer Stress deine Sphinkter schwächt und den Reflux direkt befeuert
  • Warum deine Verdauung unter Dauerstress zusammenbricht
  • Wie Cortisol einen Teufelskreis aus Entzündung, Schmerz und noch mehr Stress erschafft
  • Und vor allem: Was du konkret tun kannst, um aus diesem Kreislauf auszubrechen

Das Wichtigste vorweg: Du bist dem nicht hilflos ausgeliefert. Jede Maßnahme, die dein Stresslevel senkt und deinen Cortisolrhythmus normalisiert, wirkt sich direkt auf deine Sphinkterfunktion, Verdauung und Refluxsymptome aus.

Lass uns gemeinsam verstehen, wie Cortisol wirkt – und was du dagegen tun kannst.

Was ist Cortisol eigentlich? Dein Freund und Feind zugleich

Der Lebensretter in akuten Situationen

Cortisol wird oft als "das Stresshormon" dämonisiert. Dabei ist es eigentlich ein Lebensretter. Stell dir vor, du bist morgens totmüde und musst aus dem Bett. Wer sorgt dafür, dass du überhaupt wach wirst? Cortisol. Es steigt in den frühen Morgenstunden an, mobilisiert Energie aus deinen Speichern und macht dich handlungsfähig.[1]

In akuten Stresssituationen – wenn du etwa vor einer wichtigen Präsentation stehst oder dich körperlich anstrengen musst – schüttet dein Körper zusätzlich Cortisol aus. Es mobilisiert Glukose, erhöht deinen Blutdruck, schärft deine Aufmerksamkeit. Kurzfristig ist das genial und überlebenswichtig.

Der Saboteur bei Dauerstress

Das Problem entsteht, wenn Cortisol chronisch erhöht bleibt – etwa durch:

  • Dauerstress im Job oder Privatleben
  • Chronischen Schlafmangel
  • Emotionale Dauerbelastung
  • Chronische Erkrankungen oder Schmerzen
  • Ständige Sorgen und Grübeleien

Dann kippt das System. Aus dem hilfreichen Hormon wird ein Störfaktor für deine gesamte Verdauung und deinen ganzen Körper.[2]

Stell dir Cortisol wie einen Feuerwehrmann vor: Im Notfall rettet er Leben. Aber wenn er 24/7 im Einsatz ist und mit der Axt durch dein Haus rennt, richtet er mehr Schaden an, als er verhindert.

Wie Cortisol deinen Stillen Reflux direkt verschlimmert

1. Geschwächte Schutzbarriere: Deine Sphinkter geben nach

Dein Körper hat zwei entscheidende Ventile, die verhindern sollen, dass Mageninhalt nach oben steigt:

  • Den unteren Ösophagussphinkter (UÖS) zwischen Magen und Speiseröhre
  • Den oberen Ösophagussphinkter (OÖS) zwischen Speiseröhre und Rachen

Bei Stillem Reflux funktionieren beide nicht richtig. Und chronisch erhöhtes Cortisol schwächt sie auf mehreren Ebenen gleichzeitig:[3,4]

Muskuläre Probleme: Cortisol stört die Kalziumregulation in den Muskelzellen deiner Sphinkter. Kalzium ist der Treibstoff, den Muskeln brauchen, um sich zusammenzuziehen. Wenn die Kalziumregulation gestört ist, können deine Sphinkter ihren Verschlussdruck nicht mehr konstant aufrechterhalten – sie öffnen sich häufiger und länger als sie sollten.[5]

Nervale Störungen: Die Signalübertragung zwischen deinem Vagusnerv (der die Sphinkter steuert) und der Muskulatur funktioniert unter Stress nicht mehr richtig. Die Sphinkter reagieren unkoordiniert – mal zu fest, mal zu locker, aber nie genau richtig.[6]

Gewebeschwäche: Cortisol fördert den Proteinabbau im ganzen Körper – auch in deiner Sphinktermuskulatur. Langfristig werden die Muskeln buchstäblich schwächer und dünner.[7]

Das Ergebnis: Mageninhalt kann leichter aufsteigen, selbst wenn du bei der Ernährung "alles richtig" machst.

2. Zu viel Magensäure zur falschen Zeit

Cortisol hat einen direkten Draht zu deiner Magensäureproduktion. Es stimuliert die Ausschüttung von Gastrin, einem Hormon, das die Säureproduktion ankurbelt.[8] Gleichzeitig erhöht es die Anzahl und Aktivität der säureproduzierenden Belegzellen in deinem Magen.

Das Tückische: Bei chronischem Stress gerät die normale, mahlzeitgebundene Regulation der Magensäure völlig durcheinander.

Was eigentlich passieren sollte:

  • Beim Essen steigt die Säure (um zu verdauen)
  • Zwischen den Mahlzeiten sinkt sie ab
  • Nachts ist sie niedrig

Was bei Dauerstress passiert:

  • Beim Essen zu wenig Säure (was die Verdauung stört)
  • Nachts oder zwischen Mahlzeiten zu viel Säure (was den Reflux fördert)[9]

Dein Körper hat sozusagen den Rhythmus verloren.

3. Verdauung im Schneckentempo

Kennst du das? Du isst etwas, und stundenlang liegt es dir wie ein Stein im Magen. Das ist kein Zufall.

Unter Stress wird die Verdauung generell heruntergefahren – das kennt man vom berühmten "Kampf oder Flucht"-Modus. Dein Körper denkt: "Wenn ich gerade vor einem Säbelzahntiger fliehe, kann ich nicht gleichzeitig in Ruhe verdauen."

Cortisol verlangsamt die Bewegungen deines Magens (Magenperistaltik), sodass der Speisebrei länger im Magen bleibt.[10]

Die Folge:

  • Der Magen wird voller und voller
  • Der Druck im Magen steigt
  • Irgendwann gibt der geschwächte Sphinkter nach

Hinzu kommt: Der sogenannte Migrationsmotorkomplex (MMC) – eine Art "Reinigungswelle" zwischen den Mahlzeiten – funktioniert unter Stress nicht mehr richtig.[11] Unverdaute Reste bleiben länger im Verdauungstrakt, fermentieren, produzieren Gase. Der Druck steigt weiter.

Es ist wie ein verstopftes Abflussrohr: Oben kommt mehr nach, aber unten fließt nichts ab.

4. Durchlässige Schleimhäute: Wenn die Schutzschicht versagt

Die Schleimhaut deiner Speiseröhre, deines Magens und Darms ist normalerweise durch eine schützende Schicht aus Schleim geschützt. Diese Schicht ist wie eine unsichtbare Ritterrüstung, die aggressive Säure abhält.

Cortisol hemmt die Produktion dieses Schutzes und macht die Schleimhaut durchlässiger.[12]

In der Speiseröhre bedeutet das: Schon kleine Mengen Reflux können starke Entzündungen, Schwellungen und Schmerzen verursachen. Die Schleimhaut ist einfach empfindlicher – wie sonnenverbrannte Haut, die bei jeder Berührung schmerzt.

Im Magen: Das Risiko für Gastritis (Magenschleimhautentzündung) steigt, weil Cortisol auch die Produktion von schützenden Prostaglandinen hemmt.[13] Diese Prostaglandine sind sozusagen die Bauarbeiter, die ständig kleine Schäden in der Magenschleimhaut reparieren. Wenn sie fehlen, häufen sich die Schäden.

5. Überempfindliche Nerven: Wenn normale Vorgänge zur Qual werden

Ein oft übersehener, aber extrem wichtiger Aspekt: Cortisol verändert deine Schmerzwahrnehmung im Verdauungstrakt. Die Nervenendigungen werden unter chronischem Stress überempfindlich – Mediziner nennen das "viszerale Hypersensitivität".[14]

Was bedeutet das konkret?

Selbst normale Vorgänge oder minimale Mengen Reflux, die bei einem entspannten Menschen kaum Symptome verursachen würden, lösen bei dir massive Beschwerden aus. Dein Nervensystem schlägt Alarm bei Reizen, die eigentlich harmlos sind.

Es ist, als würde die Lautstärke-Einstellung deines Körpers auf Maximum gestellt: Jedes kleine Signal wird zum ohrenbetäubenden Lärm.

Das Heimtückische: Diese verstärkten Symptome verursachen wiederum mehr Stress – und mehr Stress erhöht das Cortisol. Ein perfekter Teufelskreis.

Was Cortisol mit dem Rest deiner Verdauung macht

Die Auswirkungen von chronisch erhöhtem Cortisol beschränken sich nicht auf Magen und Speiseröhre. Dein gesamtes Verdauungssystem leidet mit.

Dünndarm: Die durchlässige Barriere

Die Zellen deiner Darmschleimhaut sind normalerweise durch feste Verbindungen miteinander verknüpft – sogenannte Tight Junctions. Stell sie dir wie winzige Reißverschlüsse vor, die dafür sorgen, dass nur das in deinen Körper gelangt, was auch dort hingehört.

Cortisol lockert diese Verbindungen. Der Reißverschluss geht auf. Das bekannte "Leaky Gut" (durchlässiger Darm) entsteht.[15]
Wie dieser Stress-Reflux-Angst-Kreislauf zu psychischen Belastungen führt und was du dagegen tun kannst, erfährst du hier:
https://magenkompass.de/stiller-reflux-und-seine-psychischen-aspekte/

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Die Folgen sind weitreichend:

  • Bakterienbestandteile, unverdaute Nahrungsproteine und Toxine gelangen in die Blutbahn
  • Dein Immunsystem wird aktiviert, systemische Entzündungen entstehen
  • Diese Entzündungsmediatoren verschlimmern wiederum die Sphinkterschwäche und die Überempfindlichkeit deiner Speiseröhre[16]
  • Wichtige Nährstoffe (Magnesium, Zink, B-Vitamine) werden schlechter aufgenommen – dabei brauchst du diese gerade jetzt für die Regeneration

Es ist, als würde dein Körper mit angezogener Handbremse fahren: Er bekommt nicht die Nährstoffe, die er braucht, ist aber gleichzeitig ständig mit Entzündungen beschäftigt.

Dickdarm: Wenn dein Mikrobiom aus dem Takt gerät

Dein Mikrobiom (die Gesamtheit deiner Darmbakterien) ist extrem stressempfindlich. Es reagiert auf Cortisol wie ein Garten auf Dürre: Die bunten Blumen (die guten Bakterien) vertrocknen, während Unkraut (problematische Keime) sich ausbreitet.

Chronisches Cortisol verändert die Zusammensetzung deiner Darmflora:[17]

  • Die Vielfalt der "guten" Bakterien nimmt ab (besonders Lactobacillen und Bifidobakterien)
  • Potenziell problematische Keime können sich leichter ausbreiten
  • Das Risiko für SIBO (bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung) steigt durch die verlangsamte Verdauung[18]
  • Eine gestörte Darmflora produziert mehr Gase, erhöht den Bauchdruck – und damit den Reflux

Leber und Bauchspeicheldrüse: Die überforderten Helfer

Cortisol belastet auch diese wichtigen Verdauungsorgane:

Die Leber kann bei chronischer Stressbelastung ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr optimal erfüllen. Der Gallefluss wird beeinträchtigt (was die Fettverdauung stört), Hormonungleichgewichte können entstehen.[19]

Die Bauchspeicheldrüse produziert unter Dauerstress weniger Verdauungsenzyme und weniger Bikarbonat (das die Magensäure neutralisiert). Die Folge: unvollständige Verdauung, Fermentation, Gasbildung – und wieder mehr Druck im Bauchraum.[20]

Der gestörte Tag-Nacht-Rhythmus: Warum LPR nachts oft schlimmer ist

Cortisol folgt normalerweise einem klaren Tagesrhythmus – einem sogenannten zirkadianen Rhythmus:

  • Morgens hoch (damit du wach wirst)
  • Tagsüber langsam abfallend
  • Abends niedrig (damit du schlafen kannst)

Bei chronischem Stress gerät dieser Rhythmus durcheinander.[21]

Wenn dein Cortisolspiegel abends nicht absinkt:

  • Der Parasympathikus (dein "Ruhe- und Verdauungsnerv") kann nicht richtig aktivieren
  • Die Verdauung bleibt auch nachts verlangsamt
  • Die Produktion von Melatonin wird gehemmt – dabei schützt Melatonin die Speiseröhrenschleimhaut![22]
  • Du liegst mit vollem Magen im Bett, und der Reflux ist vorprogrammiert

Viele Menschen mit chronischem Stress haben paradoxerweise morgens zu niedrige Cortisolspiegel (obwohl sie abends zu hoch sind). Das nennt man Cortisol-Dysregulation.

Die Folge: Du wachst erschöpft auf, deine Verdauung kommt nicht in Gang, du greifst vielleicht zu Kaffee und Zucker (was das System weiter belastet), und der Teufelskreis beginnt von vorn.

Wie dieser Stress-Reflux-Angst-Kreislauf zu psychischen Belastungen führt und was du dagegen tun kannst, erfährst du hier

https://magenkompass.de/stiller-reflux-und-seine-psychischen-aspekte/

Die Stress-Reflux-Spirale verstehen: Der Teufelskreis, der sich selbst füttert

Jetzt wird deutlich, warum Stiller Reflux so hartnäckig sein kann. Es ist kein linearer Prozess, sondern eine sich selbst verstärkende Spirale:

  1. Chronischer Stress führt zu erhöhtem Cortisol
  2. Erhöhtes Cortisol schwächt die Sphinkter, erhöht die Säure, stört die Verdauung
  3. Mehr Reflux verursacht Entzündungen, Schmerzen, Husten, Heiserkeit
  4. Diese Symptome erzeugen mehr Stress (Angst vor dem nächsten Anfall, Schlafmangel, soziale Einschränkungen, Sorge um die Gesundheit)
  5. Mehr Stress erhöht das Cortisol noch weiter
  6. Der Teufelskreis schließt sich

Die viszerale Hypersensitivität lässt dich Symptome stärker wahrnehmen, was den Stress zusätzlich erhöht. Und die systemischen Entzündungen durch Leaky Gut und Dysbiose verschlimmern alle beschriebenen Mechanismen noch weiter.

Es ist wie ein Strudel, der dich immer tiefer hineinzieht – je mehr du dich wehrst, desto stärker wird der Sog.

Aber: Wenn du den Mechanismus verstehst, kannst du ihn auch durchbrechen.

Cortisol senkt übrigens auch den Spiegel des beruhigenden Neurotransmitters GABA - und damit schließt sich ein fataler Teufelskreis. Mehr über die Rolle von GABA bei Stillem Reflux erfährst du hier:
https://magenkompass.de/gaba-und-stiller-reflux/

Was kannst du konkret tun, um deinen Cortisolspiegel zu senken?

Die gute Nachricht: Wenn du verstehst, wie Cortisol wirkt, kannst du gezielt an verschiedenen Stellschrauben drehen. Es ist kein Hexenwerk – aber es braucht Konsequenz und die Bereitschaft, tiefer in deine Lebensumstände zu schauen.

1. Stressmanagement ist Reflux-Therapie

So banal es klingt: Ohne aktives Stressmanagement wirst du deinen Stillen Reflux langfristig nicht in den Griff bekommen. Es reicht nicht, nur die Ernährung anzupassen oder Säureblocker zu nehmen.[23]

Stressmanagement ist keine "nette Ergänzung" – es ist medizinisch notwendig.

Effektive Strategien:

Atemtechniken: Tiefe, langsame Atmung senkt Cortisol nachweislich innerhalb von Minuten.

  • 4-7-8-Atmung (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen)
  • Kohärente Atmung (5-6 Atemzüge pro Minute)
  • Bauchatmung statt Brustatmung

Meditation und Achtsamkeit: Schon 10 Minuten täglich können deinen Cortisolspiegel langfristig senken. Es geht nicht darum, an nichts zu denken, sondern darum, einen anderen Umgang mit Gedanken zu lernen.

Bewegung: Aber Vorsicht – die Dosis macht das Gift! Moderates Training (Spazieren, Yoga, Schwimmen) senkt Cortisol. Zu intensives Training erhöht es. Finde deine persönliche Schwelle.

Psychotherapie: Bei chronischer Belastung, Traumata oder Angststörungen kann professionelle Unterstützung den Unterschied machen.

Zeitmanagement und Grenzen: Lerne, Nein zu sagen. Plane Pausen ein. Dein Kalender sollte nicht nur aus Verpflichtungen bestehen.

2. Den Vagusnerv aktivieren: Dein direkter Draht zur Entspannung

Der Vagusnerv ist der direkte Gegenspieler deines Stresssystems. Wenn du ihn aktivierst, senkst du nicht nur dein Cortisol, sondern verbesserst auch direkt die Sphinkterfunktion und Verdauungsleistung.[24]

Praktische Übungen:

  • Tiefe Bauchatmung: Der Klassiker, der immer wirkt
  • Summen, Singen, lautes Vorlesen: Aktiviert den Vagusnerv über die Stimmbänder
  • Kaltes Wasser im Gesicht: Aktiviert den Tauchreflex (ein evolutionär alter Mechanismus)
  • Sanfte Nackenmassagen: Der Vagusnerv verläuft am Hals
  • Soziale Verbindungen: Positive Interaktionen mit anderen Menschen aktivieren den Vagusnerv über das soziale Bindungssystem

Ein hoher Cortisolspiegel aktiviert den dorsalen Vagus:
https://magenkompass.de/stiller-reflux-und-dorsaler-vagus/

3. Schlaf optimieren: Die unterschätzte Cortisol-Bremse

Guter Schlaf ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Cortisol-Regulation.[25] Ohne ausreichenden, qualitativ hochwertigen Schlaf wird sich dein LPR nicht nachhaltig bessern. Punkt.

Konkret bedeutet das:

Feste Schlafenszeiten (auch am Wochenende) – dein Körper liebt RoutineSchlafzimmer dunkel, kühl und ruhig – optimiere deine SchlafumgebungBlaulicht abends reduzieren (Handy, Tablet, TV) – mindestens 1-2 Stunden vor dem SchlafEntspannungsritual vor dem Schlafengehen – signalisiere deinem Körper, dass jetzt Ruhezeit istLetzte Mahlzeit 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen – sonst liegt sie dir im Magen

4. Die Darmgesundheit stärken: Von unten nach oben heilen

Du musst sowohl "von oben" (Sphinkter, Säure) als auch "von unten" (Darm) arbeiten.

Probiotische Lebensmittel oder hochwertige Probiotika: Unterstützen dein Mikrobiom und können die Stressachse beeinflussen

Präbiotische Ballaststoffe: Nahrung für die guten Bakterien (z.B. in Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch)

L-Glutamin: Kann die Darmschleimhaut stärken und die Tight Junctions reparieren

Omega-3-Fettsäuren: Starke Entzündungshemmer (aus fettem Fisch, Algenöl, Leinsamen)

Fermentierte Lebensmittel: Wie Sauerkraut, Kimchi, Kefir (wenn verträglich)

5. Den Cortisol-Rhythmus wiederherstellen: Synchronisiere deine innere Uhr

Unterstütze deinen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus:

Morgens:

  • Lichtexposition (am besten Tageslicht innerhalb der ersten Stunde nach dem Aufwachen)
  • Leichte Bewegung
  • Proteinreiches Frühstück (stabilisiert den Blutzucker)

Tagsüber:

  • Regelmäßige Mahlzeiten
  • Pausen einplanen (nicht durcharbeiten!)
  • Kurze Bewegungseinheiten

Abends:

  • Licht dimmen
  • Entspannende Aktivitäten
  • Digital Detox
  • Kühle Raumtemperatur im Schlafzimmer

Adaptogene Pflanzen (z.B. Ashwagandha, Rhodiola, Heiliges Basilikum) können unterstützen – aber bitte mit Vorsicht und idealerweise nach fachlicher Beratung.[26] Sie sind kein Wundermittel, aber können den Körper dabei unterstützen, sich an Stress anzupassen.

6. Die psychische Komponente ernst nehmen: Dein Kopf spielt mit

Wenn du ständig in Alarmbereitschaft bist – etwa aus Angst vor dem nächsten Reflux-Anfall – hältst du dein Stresssystem aktiv. Die Angst vor den Symptomen wird selbst zum Stressor.

Hier kann therapeutische Unterstützung sehr wertvoll sein:

Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Hilft, dysfunktionale Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern

EMDR: Bei traumatischen Erlebnissen, die das Stresssystem chronisch aktiviert halten

Somatic Experiencing: Für die Körperarbeit und das Lösen von im Körper gespeicherten Stressmustern

Coaching: Für Lebensstil-Veränderungen und das Setzen gesunder Grenzen

Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Es ist ein Zeichen von Stärke und Selbstfürsorge.

Fazit: Cortisol als zentrales Bindeglied bei Stillem Reflux

Cortisol ist nicht der einzige Faktor bei Stillem Reflux – aber es ist ein zentrales Bindeglied zwischen Psyche, Nervensystem, Verdauung und Refluxsymptomatik. Es erklärt:

  • Warum dein LPR in stressigen Lebensphasen schlimmer wird
  • Warum er so hartnäckig sein kann
  • Warum ein rein symptomatischer Ansatz (nur Ernährung oder nur Medikamente) oft nicht ausreicht
  • Warum du alle Ebenen – Körper, Nervensystem, Psyche – gleichzeitig angehen musst

Die gute Nachricht: Du bist dem nicht hilflos ausgeliefert. Jede Maßnahme, die dein Stressniveau senkt und deinen Cortisolrhythmus normalisiert, wirkt sich positiv aus auf:

  • Deine Sphinkterfunktion
  • Deine Magensäureproduktion
  • Deine Verdauungsleistung
  • Deine Darmgesundheit
  • Deine Schmerzwahrnehmung
  • Dein gesamtes Wohlbefinden

Die Arbeit mit Cortisol und Stress ist keine schnelle Lösung – es braucht Zeit, Geduld und die Bereitschaft, tiefer in deine Lebensumstände zu schauen. Aber sie ist eine der wirkungsvollsten und nachhaltigsten Strategien gegen Stillen Reflux.

Der erste Schritt ist immer das Verstehen. Du hast diesen Artikel gelesen – das ist bereits ein großer Schritt. Jetzt geht es darum, das Wissen in die Praxis umzusetzen.

Fang klein an. Suche dir eine Sache aus – vielleicht eine Atemübung, eine Schlaf-Optimierung oder eine Vagusnerv-Aktivierung – und baue sie in deinen Alltag ein. Dann kommt die nächste. Schritt für Schritt.

Dein Körper hat eine erstaunliche Fähigkeit zur Regeneration, wenn du ihm die richtigen Bedingungen schaffst. Gib ihm diese Chance.

Das kannst du tun, um Reflux bei Stress im Alltag zu verhindern:
https://magenkompass.de/reflux-bei-stress-verhindern/

Möchtest du mehr erfahren?

Dieser Artikel kratzt nur an der Oberfläche dessen, was bei der ganzheitlichen Behandlung von Stillem Reflux wichtig ist. Wenn du tiefer einsteigen und lernen möchtest, wie du die verschiedenen Stellschrauben – von Ernährung über Körperarbeit bis hin zur Nervensystem-Regulation – gezielt für dich nutzen kannst, schau dir gerne meine weiterführenden Angebote an.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

https://magenkompass.de/reflux-toolkit-und-members-circle/

Hallo, ich bin Andy

Ich arbeite als Medizinjournalistin und Autorin.  

Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann ich mich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu meinem Beruf.

Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß ich, worüber ich schreibe.



Andy Kuhl


Literaturverzeichnis

[1] Nicolaides NC, Kyratzi E, Lamprokostopoulou A, Chrousos GP, Charmandari E. Stress, the stress system and the role of glucocorticoids. Neuroimmunomodulation. 2015;22(1-2):6-19.

[2] Charmandari E, Tsigos C, Chrousos G. Endocrinology of the stress response. Annu Rev Physiol. 2005;67:259-284.https://www.researchgate.net/publication/8023121_Endocrinology_of_the_stress_response

[3] Mittal RK, Holloway RH, Penagini R, Blackshaw LA, Dent J. Transient lower esophageal sphincter relaxation. Gastroenterology. 1995;109(2):601-610.

[4] Stein HJ, DeMeester TR. Who benefits from antireflux surgery? World J Surg. 1992;16(2):313-319.

[5] Fass R, Naliboff BD, Fass SS, et al. The effect of auditory stress on perception of intraesophageal acid in patients with gastroesophageal reflux disease. Gastroenterology. 2008;134(3):696-705.

[6] Tougas G, Spaziani R, Hollerbach S, et al. Cardiac autonomic function and oesophageal acid sensitivity in patients with non-cardiac chest pain. Gut. 2001;49(5):706-712.https://www.researchgate.net/publication/11750847_Cardiac_autonomic_function_and_oesophageal_acid_sensitivity_in_patients_with_non-cardiac_chest_pain

[7] Schakman O, Kalista S, Barbé C, Loumaye A, Thissen JP. Glucocorticoid-induced skeletal muscle atrophy. Int J Biochem Cell Biol. 2013;45(10):2163-2172.

[8] Filaretova L, Bagaeva T, Makara GB. Aggravation of nonsteroidal anti-inflammatory drug gastropathy by glucocorticoid deficiency. J Pharmacol Exp Ther. 2002;301(2):618-624.

[9] Konturek PC, Brzozowski T, Konturek SJ. Stress and the gut: pathophysiology, clinical consequences, diagnostic approach and treatment options. J Physiol Pharmacol. 2011;62(6):591-599.

[10] Stengel A, Taché Y. Corticotropin-releasing factor signaling and visceral response to stress. Exp Biol Med. 2010;235(10):1168-1178.

[11] Husebye E. The pathogenesis of gastrointestinal bacterial overgrowth. Chemotherapy. 2005;51 Suppl 1:1-22.

[12] Söderholm JD, Perdue MH. Stress and gastrointestinal tract. II. Stress and intestinal barrier function. Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2001;280(1):G7-G13.

[13] Wallace JL. Prostaglandins, NSAIDs, and gastric mucosal protection: why doesn't the stomach digest itself? Physiol Rev. 2008;88(4):1547-1565.

[14] Mayer EA, Naliboff BD, Craig AD. Neuroimaging of the brain-gut axis: from basic understanding to treatment of functional GI disorders. Gastroenterology. 2006;131(6):1925-1942.

[15] Kelly JR, Kennedy PJ, Cryan JF, Dinan TG, Clarke G, Hyland NP. Breaking down the barriers: the gut microbiome, intestinal permeability and stress-related psychiatric disorders. Front Cell Neurosci. 2015;9:392.

[16] Vicario M, Guilarte M, Alonso C, et al. Chronological assessment of mast cell-mediated gut dysfunction and mucosal inflammation in a rat model of chronic psychosocial stress. Brain Behav Immun. 2010;24(7):1166-1175.

[17] Karl JP, Hatch AM, Arcidiacono SM, et al. Effects of psychological, environmental and physical stressors on the gut microbiota. Front Microbiol. 2018;9:2013.

[18] Pimentel M, Chow EJ, Lin HC. Eradication of small intestinal bacterial overgrowth reduces symptoms of irritable bowel syndrome. Am J Gastroenterol. 2000;95(12):3503-3506.

[19] Tsigos C, Chrousos GP. Hypothalamic-pituitary-adrenal axis, neuroendocrine factors and stress. J Psychosom Res. 2002;53(4):865-871.

[20] Chey WY, Chang TM. Secretin: historical perspective and current status. Pancreas. 2014;43(2):162-182.

[21] Oster H, Challet E, Ott V, et al. The functional and clinical significance of the 24-hour rhythm of circulating glucocorticoids. Endocr Rev. 2017;38(1):3-45.

[22] Kandil TS, Mousa AA, El-Gendy AA, Abbas AM. The potential therapeutic effect of melatonin in gastro-esophageal reflux disease. BMC Gastroenterol. 2010;10:7.

[23] Naliboff BD, Mayer M, Fass R, et al. The effect of life stress on symptoms of heartburn. Psychosom Med. 2004;66(3):426-434.

[24] Breit S, Kupferberg A, Rogler G, Hasler G. Vagus nerve as modulator of the brain-gut axis in psychiatric and inflammatory disorders. Front Psychiatry. 2018;9:44.

[25] Leproult R, Copinschi G, Buxton O, Van Cauter E. Sleep loss results in an elevation of cortisol levels the next evening. Sleep. 1997;20(10):865-870.

[26] Chandrasekhar K, Kapoor J, Anishetty S. A prospective, randomized double-blind, placebo-controlled study of safety and efficacy of a high-concentration full-spectrum extract of ashwagandha root in reducing stress and anxiety in adults. Indian J Psychol Med. 2012;34(3):255-262


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