Speiseröhrendivertikel, kleine Ausstülpungen der Schleimhaut

Speiseröhrendivertikel

Übersicht

Speiseröhrendivertikel treten meist im mittleren oder höheren Alter auf. Sie betreffen häufig den oberen Teil der Speiseröhre. Dort nennt man sie dann  <Zenker-Divertikel<. Sie können auch in anderen Bereichen der Speiseröhre auftreten. Speiseröhrendivertikel sind Ausbuchtungen von Speiseröhrenschleimhaut durch Lücken der Speiseröhrenmuskulatur nach außen. Die Schleimhaut bildet dort eine Aussackung mit einer schmalen Verbindung zur Speiseröhre. Sie gehören zu den eher selten auftretenden Erkrankungen der Speiseröhre. Divertikel, die die gesamte Wand der Speiseröhre betreffen, häufig in der mittleren Speiseröhre nennt man Traktionsdivertikel.

Achtung: Jede Schluckstörung, länger anhaltende Schmerzen beim Schlucken oder andere Schluckbeschwerden wie das Wiederhervorwürgen von Nahrung bedürfen immer und zeitnah einer ärztlichen Abklärung!

Inhalt

Symptome bei Speiseröhrendivertikeln

Die Beschwerden beim Zenkerdivertikel entstehen langsam und schleichend. Es beginnt mit Husten bei den Mahlzeiten und manchmal ein Unwohlsein im Rachen. Das Divertikel wächst allmählich und es können schon bald kleiner Nahrungsmengen darin hängen bleiben. Schluckstörungen sind nicht selten. Typisch für das Zenker-Divertikel ist auch das man noch mehrere Stunden nach dem Essen unverdaute Nahrung aufstößt oder erbricht. Dies kann häufig nachts auftreten. Weitere Symptome sind nächtlicher Husten, Fremdkörpergefühl im Hals, lokale Schmerzen, Würgereiz, Heiserkeit und schlechter Atem.
Ältere Patienten können eine Lungenentzündung bekommen, wenn Essensreste in die Luftwege gelangen. Etwa jeder dritte Betroffene verliert Gewicht wegen der Beschwerden beim essen.
Divertikel weiter unten in der Speiseröhre verursachen meist keine Beschwerden oder sie erzeugen ein Engegefühl in der Brust, in seltenen Fällen auch Schluckbeschwerden und das Hochwürgen von Nahrung. Traktionsdivertikel machen sich durch entzündete Lymphknoten bemerkbar, die auch ihre Ursache sind.

schlechter Atem? Vielleicht ist ein Speiseröhrendivertikel schuld!

Mann mit Mundgeruch, haucht sich in die Hand

Ursachen von Speiseröhrendivertikeln

Speiseröhrendivertikel entstehen meist, weil Nahrung und Flüssigkeiten nicht schnell genug in den Magen gelangen. Meist können die Betroffenen den Schluckvorgang nicht richtig koordinieren. Dadurch steigt der Druck im Rachen. Die Wand der Speiseröhre wird nicht durchgehend von starken Muskeln gebildet und so kann sich die Schleimhaut der Speiseröhre an schwächeren Stellen nach außen stülpen. 
Divertikel im unteren und mittleren Abschnitt der Speiseröhre sind meist dadurch entstanden, das dort die Muskeln nicht gut zusammenarbeiten. Deshalb wird die Nahrung nur verzögert transportiert. Es kann auch sein, dass eine Fehlfunktion des unteren Schließmuskels der Speiseröhre vorliegt, so das die Nahrung zu lange in der Speiseröhre verweilt.
Nur sehr selten sind Divertikel angeboren.
Speiseröhrendivertikel können auch durch Entzündungen oder Tumore entstehen. Traktionsdivertikel entstehen durch Zug von Außen an der Speiseröhre. Oft sind es Lymphknoten im Bereich der Lungen, die durch Schwellungen solche Traktionen auslösen.

Diagnose

Um Divertikel nachweisen zu können muss eine Röntgenuntersuchung gemacht werden. Man nennt sie den sogenannten >Röntgen-Brei-Schluck<. Der Patient trinkt dabei unter Röntgenkontrolle einen mit Barium angereicherten Brei, um die Beschaffenheit der Speiseröhre abzubilden. In bestimmten Fällen wird auch eine Gastroskopie gemacht. Dabei wird ein biegsamer Schlauch mit einer Kamera in die Speiseröhre geschoben damit der Arzt die Speiseröhre eingehend beurteilen kann. Allerdings kann es passieren, das der Arzt dabei die Öffnung des Divertikels übersieht, wenn sie sehr klein ist.
Ein HNO-Arzt kann mit einer speziellen Lupe sehr weit oben gelegen Divertikel direkt sehen.

Behandlung von Speiseröhrendivertikeln

Das Divertikel selbst ist ungefährlich. In den meisten Fällen wird bei kleinen Divertikeln gar nicht behandelt. Bei Patienten mit starken Beschwerden und Unwohlsein kann aber eine Behandlung nötig sein.
Das größte Risiko bei dieser Erkrankung ist die Möglichkeit sich zu verschlucken. Wenn Nahrung oder Flüssigkeit in die Lungen gelangen, kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Menschen mit Divertikeln die sich oft verschlucken sollten behandelt werden.
Die Behandlung erfolgt oft mit dem Endoskop. Das ist ein Schlauch der, durch den Mund in die Speiseröhre eingeführt wird, der eine Optik und verschiedene Instrumente enthält. Dort wird dann die Unterkante der Öffnung zum Divertikel an der Speiseröhrenwand durchtrennt. Dadurch wird die Öffnung des Divertikels geweitet, es fällt in sich zusammen und die Nahrung kann sich nun nicht mehr in dem Divertikel sammeln. Manchmal muss ein Divertikel auch in einer offenen Operation abgetragen werden.
Nach solchen Eingriffen ist es in der Regel sinnvoll, einige Tage nur flüssige oder sehr weiche Nahrung auf zunehmen.
Manche Menschen bekommen leider einen Rückfall der Beschwerden, dann muss die Operation wiederholt werden.

Quellen

  • Sharma R, DeCross AJ. Zenker’s diverticulitis secondary to alendronate ingestion: a rare cause of recurrent dysphagia. Gastrointest Endosc 2011; 73:368. www.ncbi.nlm.nih.gov
  • Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Ösophagoskopie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-060. Stand 2015
  • Bragg J. Esophageal diverticula. Medscape, last updated June 18, 2014. emedicine.medscape.com
  • Schiff B, van Delft F. Zenker’s diverticulum. UpToDate, last updated Dec03, 2019.
  • Ernster JA. Zenker Diverticulum. emedicine.medscape, 2017 emedicine.medscape.com
  • Overbeek J J. Pathogenesis and methods of treatment of Zenker’s diverticulum. Ann Otol Laryngol 2003; 112: 583-93. PMID: 12903677 PubMed
Über die Autorin
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Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.

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