Refluxkrankheit

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6. Überarbeitung: 06.10.2026

Kurz gefasst

Von einer Refluxkrankheit (GERD) spricht man, wenn Mageninhalt so oft in die Speiseröhre zurückfließt, dass Beschwerden oder Schleimhautschäden entstehen. Leitsymptome sind Sodbrennen und saures Aufstoßen. Bei rund 70 Prozent der Betroffenen zeigt die Magenspiegelung keine sichtbaren Schäden. Ursache ist meist kein dauerhaft offener Verschluss, sondern eine reflexhafte Öffnung zwischen Speiseröhre und Magen, die zu oft abläuft. Behandelt wird mit Säureblockern und Allgemeinmaßnahmen – die deutsche Leitlinie warnt dabei ausdrücklich vor Übertherapie.

Einführung

Fast jeder Mensch hat gelegentlich Reflux. Nach einem üppigen Essen, nach einem Glas Wein, beim Bücken – Mageninhalt gelangt kurz in die Speiseröhre zurück, und meist merkt man es nicht einmal.

Zur Krankheit wird das erst, wenn es so oft passiert, dass Beschwerden entstehen oder das Gewebe Schaden nimmt. Dann sprechen Ärzte von der Refluxkrankheit, medizinisch gastroösophageale Refluxkrankheit, abgekürzt GERD. In Ländern mit hohem Lebensstandard betrifft sie 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung, Tendenz steigend.

Magensäure und das darin gelöste Pepsin sind nichts Schädliches – sie sind für die Verdauung notwendig. Sie gehören nur nicht in die Speiseröhre. Deren Schleimhaut hat, anders als die des Magens, kaum Schutzmechanismen dagegen.

Dieser Artikel beschreibt die klassische Refluxkrankheit mit Sodbrennen. Wenn du Beschwerden im Hals hast, aber kein Sodbrennen kennst, findest du den passenden Einstieg unter Refluxkrankheit vs. Stiller Reflux.

Wann wird aus Sodbrennen die Refluxkrankheit?

Wenn die Beschwerden die Lebensqualität beeinträchtigen oder das Gewebe geschädigt wird. Eine feste Zahl an Episoden pro Woche gibt es nicht, an der sich das festmachen ließe.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Reflux und Refluxkrankheit. Reflux ist ein Vorgang, den jeder Mensch mehrmals täglich hat. Refluxkrankheit ist der Zustand, in dem dieser Vorgang aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Welche Formen der Refluxkrankheit gibt es?

Man unterscheidet nach dem Befund bei der Spiegelung und nach der Ursache.

Nach dem Befund: NERD und ERD

Bei rund 70 Prozent der Menschen mit Refluxbeschwerden zeigt die Magenspiegelung keine sichtbaren Veränderungen der Speiseröhrenschleimhaut. Das ist die nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD). Finden sich dagegen Schleimhautschäden, spricht man von der erosiven Refluxkrankheit (ERD) oder Refluxösophagitis.

Diese Unterscheidung ist wichtiger, als sie klingt. Ein unauffälliger Befund bedeutet nicht, dass keine Erkrankung vorliegt. Er bedeutet nur, dass die Schäden nicht sichtbar sind.

Hinter NERD verbergen sich zudem ganz verschiedene Dinge. Nur etwa die Hälfte dieser Betroffenen hat bei der Messung tatsächlich zu viel sauren Reflux. Bei den anderen ist die Messung normal: Ein Teil spürt ganz normale Refluxereignisse ungewöhnlich stark (Refluxhypersensitivität), bei den meisten hängen die Beschwerden gar nicht mit Reflux zusammen (funktionelles Sodbrennen). Warum manche Menschen bei geringem Reflux stark leiden und andere umgekehrt, liegt an den Eigenschaften der Schleimhaut selbst: Wenn die GERD eine NERD ist

Evidenz: belegt (S2k-Leitlinie 2023). Das erklärt auch, warum Säureblocker bei NERD deutlich schlechter wirken als bei sichtbarer Entzündung.

Nach der Ursache: primär und sekundär

Die primäre Form ist die häufigste. Primär heißt: Es lässt sich keine einzelne, klar benennbare Ursache finden. Nachweisbar ist, dass sich der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen öffnet, ohne dass geschluckt wird – dazu weiter unten mehr.

Die sekundäre Form entsteht als Folge einer körperlichen Veränderung. Der bekannteste Fall ist die Schwangerschaft: 40 bis 85 Prozent der Schwangeren haben Refluxbeschwerden. Der wachsende Bauch lässt weniger Platz, und der erhöhte Gestagenspiegel senkt die Grundspannung des unteren Schließmuskels.

Evidenz: belegt. Der hormonelle Einfluss auf die Grundspannung ist einer der wenigen Fälle, in denen tatsächlich der Ruhetonus herabgesetzt ist.

Welche Symptome macht die Refluxkrankheit?

Das Leitsymptom ist Sodbrennen – ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein, oft mit Druckgefühl.

Typisch für die Speiseröhre:

  • Sodbrennen
  • saures Aufstoßen und Hochkommen von Mageninhalt
  • Luftaufstoßen
  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Übelkeit und Brechreiz
  • Schluckschwierigkeiten und Schmerzen beim Schlucken

Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein

Die Beschwerden verstärken sich bei Lageänderungen: beim Bücken, beim Liegen auf der rechten Seite, bei Kopf- und Handstandübungen im Yoga. Auch Bauchpresse, Sit-ups und starkes Pressen verschlimmern die Situation.

Der englische Begriff für Sodbrennen lautet „heartburn“ – wörtlich Herzbrennen. Darin steckt ein häufiges Problem: Der Druckschmerz hinter dem Brustbein wird oft dem Herzen zugeschrieben, und für Laien ist er von einer akuten Herzerkrankung kaum zu unterscheiden.

Wichtig: Druckgefühle hinter dem Brustbein und Herzbeklemmungen müssen ärztlich abgeklärt werden. Wenn solche Beschwerden zum ersten Mal auftreten, such bitte die Notaufnahme auf oder ruf den Notarzt.

Schluckbeschwerden

Der wiederholte Kontakt mit Magensäure und Pepsin reizt die Schleimhaut. Gereiztes Gewebe schwillt an, mit der Zeit können Schluckbeschwerden und Verengungen der Speiseröhre hinzukommen.

Wichtig: Schluckstörungen und Schmerzen beim Schlucken gehören laut Leitlinie zu den Alarmzeichen. Sie sollten immer zeitnah per Spiegelung abgeklärt werden.

Mundgeruch

Die dauerhaft gereizte Schleimhaut und zurückfließende Nahrungsreste bieten Bakterien gute Bedingungen. Deren Stoffwechselprodukte werden über den Atem ausgeschieden.

Evidenz: plausibel.

Aufstoßen – und was dabei wirklich passiert

Trifft Nahrung im Magen auf Säure und Verdauungsenzyme, entstehen Gase. Das ist normal. Damit dieses Gas entweichen kann, öffnet sich der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen kurz – ein Reflex, den jeder Mensch mehrmals täglich hat. Wir kennen ihn als Aufstoßen.

Bei der Refluxkrankheit kommt mit dem Gas Säure mit nach oben. Der Reflex selbst ist dabei nicht gestört. Er transportiert nur etwas mit, das nicht mitkommen sollte.

Das ist ein wichtiger Punkt: Häufiges Aufstoßen ist kein Zeichen dafür, dass mit dem Verschluss etwas nicht stimmt. Wenn das Aufstoßen selbst zum Hauptproblem wird: Ständiges Aufstoßen

Warum es nach dem Essen am schlimmsten ist

Eigentlich müsste Sodbrennen nach einer Mahlzeit schwächer ausfallen – die Säure ist durch den Speisebrei verdünnt. Tatsächlich ist es oft umgekehrt.

Die Erklärung liefert die gastrale Säuretasche: eine Schicht aus Magensäure und Pepsin, die nach dem Essen auf dem Speisebrei im oberen Magen aufliegt. Dieser kleine Säuresee liegt genau dort, wo sich der Verschluss öffnet.

Evidenz: belegt (Fletcher 2001).

Übelkeit und Brechreiz

Übelkeit am Morgen kann verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist ein Kreislauf, in den viele Betroffene geraten: Wer nachts wegen Sodbrennen zu säurebindenden Mitteln greift, neutralisiert die Säure zwar sofort – manche dieser Mittel, vor allem calciumhaltige, regen den Magen aber an, danach umso mehr Säure zu bilden. Mehr dazu bei den Antazida.

Spezialfall Gallereflux

Seltener ist der Gallereflux. Dabei gelangt Nahrungsbrei aus dem Zwölffingerdarm über den Magen bis in die Speiseröhre – angereichert mit Sekreten aus Bauchspeicheldrüse und Gallenblase.

Ursache sind meist Probleme mit dem Magenpförtner. Gelangt das Gemisch zurück in den Magen, entsteht dort eine Schleimhautentzündung. Steigt es weiter auf, kann es auch in der Speiseröhre Entzündungen und bei längerem Bestehen eine Barrett-Speiseröhre verursachen.

Kann Reflux auch ohne Sodbrennen auftreten?

Ja. Ein Teil der Betroffenen hat Beschwerden, die gar nicht nach Magen klingen:

  • belegte Stimme, chronische Heiserkeit
  • trockener Reizhusten
  • Räusperzwang, Halsschmerzen, Kloßgefühl
  • morgendliche Atemnot
  • salziger oder seifiger Geschmack, Mundgeruch
  • Schäden am Zahnschmelz

Wer diese Beschwerden hat, geht zum HNO-Arzt, zum Lungenfacharzt oder zum Zahnarzt – und wird dann überrascht zum Gastroenterologen überwiesen. Denn dort, wo die Beschwerden sitzen, sitzt nicht der Auslöser.

Diese Form heißt Stiller Reflux. Das Refluat steigt hier überwiegend gasförmig auf und erreicht Rachen, Hals und Kehlkopf, gelegentlich auch die Nasennebenhöhlen. Die Schleimhäute dort sind empfindlicher als die der Speiseröhre – bereits geringe Mengen Pepsin können Entzündungen auslösen. Wie das genau abläuft, beschreibt das Erklärmodell zum Stillen Reflux. Einen Überblick über die Beschwerden findest du unter Stiller Reflux – die Symptome.

Wie entsteht die Refluxkrankheit?

Durch eine Öffnung des Verschlusses zwischen Speiseröhre und Magen außerhalb des Schluckvorgangs.

Beim Schlucken erschlafft der untere Schließmuskel, damit die Nahrung passieren kann – das ist normal und notwendig. Bei der Refluxkrankheit öffnet er sich zusätzlich zu anderen Zeitpunkten, ausgelöst durch Dehnung im oberen Magen. Diese vorübergehende Öffnung ist bei allen Menschen ein normaler Vorgang; sie dient der Entlüftung des Magens.

Der Verschluss steht also in den meisten Fällen nicht dauerhaft offen. Er öffnet sich – nur zu oft, oder es kommt dabei zu viel mit hoch. Ausführlich zum Mechanismus und zu den beiden Komponenten des Verschlusses: Der Speiseröhrenschließmuskel

Evidenz: belegt (PMID 3396810).

Zu viel Magensäure? Meistens nicht

Die verbreitetste Vorstellung ist, dass Reflux von zu viel Magensäure kommt. Das stimmt für die meisten Betroffenen nicht. Menschen mit nachgewiesener Speiseröhrenentzündung bilden im Schnitt nicht mehr Säure als Gesunde. Das Problem ist nicht die Menge, sondern dass die Säure dorthin gelangt, wo sie nicht hingehört.

Säureblocker helfen trotzdem, weil sie das, was aufsteigt, weniger sauer machen. Am Aufsteigen selbst ändern sie nichts.

Evidenz: belegt (Hirschowitz 1991). Ausnahmen mit tatsächlich erhöhter Säureproduktion gibt es, sie sind aber selten.

Die Refluxkrankheit ist ein Zusammenspiel

Selten liegt es an einem einzelnen Faktor. Zusammen kommen meist:

  • häufigere Öffnung des Verschlusses aus Schließmuskel und Zwerchfellschenkeln
  • verminderte Speichelproduktion
  • herabgesetzte Widerstandsfähigkeit der Speiseröhrenschleimhaut
  • gestörte Selbstreinigung der Speiseröhre
  • verzögerte Magenentleerung
  • vermehrter Rückfluss von Dünndarmsaft in den Magen

Was das Risiko erhöht

Gesichert sind laut Leitlinie:

  • Übergewicht, vor allem Bauchfett
  • Rauchen
  • erbliche Veranlagung
  • ein Zwerchfellbruch
  • bestimmte Medikamente

Häufig genannt werden außerdem fettreiche Speisen, Alkohol, Kaffee, Schokolade, Zitrusfrüchte, scharfes Essen und Pfefferminze. Ein allgemeingültiger Effekt ist dafür aber nicht belegt – es gibt keine „Antireflux-Diät“, die für alle gilt. Sinnvoll ist, zu meiden, was man persönlich nicht verträgt.

Evidenz: Übergewicht, Rauchen, Veranlagung und Hiatushernie belegt; Einzel-Lebensmittel nicht allgemeingültig belegt (S2k-Leitlinie 2023).

Welche Rolle spielt der Zwerchfellbruch?

Ein Zwerchfellbruch, medizinisch Hiatushernie, ist bei Refluxpatienten häufig. Er entsteht, wenn sich die Durchtrittsstelle der Speiseröhre im Zwerchfell erweitert und Teile des Magens nach oben in den Brustraum rutschen.

Wie wirkt er? Nicht so, dass der Verschluss dadurch dauerhaft offenstünde. Der Effekt ist feiner: Die Hernie senkt die Schwelle, ab der die Magendehnung den Öffnungsreflex auslöst – und zwar umso deutlicher, je weiter Schließmuskel und Zwerchfellenge auseinanderliegen.

Ein Zwerchfellbruch bedeutet also nicht automatisch Reflux, und Reflux bedeutet nicht automatisch Zwerchfellbruch. Er ist ein Faktor unter mehreren. Ausführlich: Zwerchfellbruch und Hiatushernie

Evidenz: belegt (PMID 10734020).

Welche Rolle spielt Stress?

Lange galt die Gleichung: Stress macht zu viel Magensäure. Dieses Bild ist veraltet. Veraltet ist aber nur die Gleichung, nicht die Rolle von Stress.

Dauerstress bremst die Verdauung. Der Vagusnerv, der Ruhenerv unserer Verdauung, wird gedämpft, der Magen entleert sich langsamer und bleibt länger gedehnt – und Dehnung ist genau der Auslöser der Reflexöffnung. Dazu kommt: Wer erschöpft ist oder schlecht schläft, spürt Reflux stärker. Schlafentzug macht die Speiseröhre nachweislich empfindlicher für Säure.

In meinen Beratungen sehe ich seit fast siebzehn Jahren, wie oft Dauerstress im Hintergrund steht, ohne dass die Betroffenen ihn selbst so empfinden. Mehr dazu: Reflux bei Stress verhindern und Nerven und Reflux

Evidenz: Schlafentzug und Empfindlichkeit belegt (S2k-Leitlinie); langsamere Magenentleerung bei gedämpftem Vagus in kleinen Studien bei Reizmagen belegt; Rolle von Dauerstress im Einzelfall: Beobachtung aus Beratungen.

Weitere Faktoren

Der His-Winkel. Die Speiseröhre mündet in spitzem Winkel in den Magen. Ist dieser Winkel anatomisch vergrößert, gelangt Mageninhalt leichter nach oben.

Verengung des Magenausgangs. Kann der Mageninhalt nur verzögert in den Dünndarm abgegeben werden, staut er sich. Der Magen wird stärker gedehnt – und Dehnung ist genau der Auslöser der Reflexöffnung.

Bewegungsstörungen der Speiseröhre. Bei der systemischen Sklerodermie und bei der Achalasie ist die Selbstreinigung der Speiseröhre gestört. Was hochkommt, bleibt länger liegen. Mehr dazu: Bewegungsstörungen der Speiseröhre

Wie wird die Refluxkrankheit festgestellt?

Es gibt keine einzelne Untersuchung, die sie sicher nachweist oder ausschließt. Das hält auch die deutsche Leitlinie fest: Einen Goldstandard für die Diagnose gibt es nicht. Nicht jeder mit Sodbrennen hat eine Refluxkrankheit, und nicht jeder mit Refluxkrankheit hat Sodbrennen.

Der „Säureblocker-Test“ beweist nichts

In der Praxis wird oft so vorgegangen: Säureblocker verschreiben, und wenn es besser wird, war es Reflux. Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass das Ansprechen auf einen Säureblocker für die Diagnose keine Bedeutung hat. In Studien besserten sich auch 35 Prozent der Menschen, bei denen weder Spiegelung noch Messung eine Refluxkrankheit zeigten.

Evidenz: belegt (S2k-Leitlinie 2023, Statement 1.3).

Warum die Leitlinie trotzdem so vorgeht und was das für Menschen mit Stillem Reflux bedeutet, erkläre ich ausführlich in [Warum Stiller Reflux so behandelt wird, wie er behandelt wird – LINK FOLGT].

Welche Untersuchungen gibt es?

  • Magenspiegelung (Endoskopie): die einzige Methode, um Schleimhautschäden zu sehen und andere Erkrankungen auszuschließen
  • 24-Stunden-pH-Metrie: misst den Säuregehalt in der Speiseröhre – was sie zeigt und was nicht, steht in der pH-Metrie-Falle
  • Impedanz-pH-Metrie: erfasst zusätzlich jede Bewegung von Inhalt und deren Richtung, auch nicht-sauren und gasförmigen Reflux
  • Manometrie: misst den Druck und die Bewegungsabläufe der Speiseröhre – Pflicht vor jeder Reflux-Operation
  • Abgrenzung: Ultraschall des Oberbauchs, EKG, Röntgen, um andere Ursachen auszuschließen

Die Impedanzmessung und die Manometrie werden oft verwechselt. Die Impedanz zeigt, was sich bewegt und wohin. Die Manometrie zeigt, mit welchem Druck die Muskeln arbeiten.

Wann eine Spiegelung nötig ist

Ohne Alarmzeichen darf die Ärztin oder der Arzt laut Leitlinie zunächst ohne Spiegelung behandeln. Bei Alarmzeichen soll sofort gespiegelt werden:

  • Schluckstörungen oder Schmerzen beim Schlucken
  • Hinweise auf eine Blutung, auch ein Eisenmangel mit Blutarmut
  • ungewollter Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit
  • wiederholtes Erbrechen
  • Krebs im Verdauungstrakt in der Familie

Gespiegelt werden sollte außerdem, wenn Säureblocker nach mindestens acht Wochen nicht ausreichend helfen. Ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben laut Leitlinie Männer, ältere Menschen, Raucher, Menschen mit Bauchfett und alle, die seit Jahren vor allem nachts Beschwerden haben. Und: Wer sich Sorgen macht, darf eine Spiegelung ansprechen – die Leitlinie empfiehlt dann eine großzügige Entscheidung.

Refluxkrankheit - Entstehungsfaktoren

Wie wird die Refluxkrankheit behandelt?

Medikamente

Bei typischen Beschwerden ohne Alarmzeichen empfiehlt die Leitlinie einen Protonenpumpenhemmer (PPI) in Standarddosis, in der Regel über vier Wochen. Bei sichtbarer Entzündung der Speiseröhre wird acht Wochen behandelt. Alternativ nennt die Leitlinie bei leichteren Beschwerden auch Alginate, H2-Blocker oder Antazida.

Danach gilt bei der unkomplizierten Form – also NERD oder leichter Entzündung –, dass sich die weitere Behandlung an den Beschwerden ausrichten soll: Einnahme nach Bedarf statt Dauertherapie. Die Leitlinie schreibt dazu ausdrücklich: Eine Übertherapie soll vermieden werden. Eine Dauerbehandlung ist für die schweren Formen vorgesehen, etwa eine starke Entzündung oder eine Verengung.

In der Praxis sieht das oft anders aus. Säureblocker werden häufig ohne klare Indikation weitergeführt, ein im Krankenhaus begonnener „Magenschutz“ läuft nach der Entlassung über Jahre weiter, ohne dass jemand prüft, ob er noch nötig ist. Bei NERD wirken PPI zudem deutlich schwächer: Nach vier Wochen lag der Vorteil gegenüber einem Scheinmedikament bei NERD bei 27 Prozentpunkten, bei sichtbarer Entzündung bei 48.

Wer Säureblocker nach Wochen absetzt, hat oft vorübergehend mehr Beschwerden – selbst Gesunde. Das ist ein Absetzeffekt und kein Beweis, dass man das Mittel braucht. Deshalb nie abrupt und nie ohne ärztliche Begleitung absetzen. Was bei der Langzeiteinnahme zu bedenken ist: Die PPI-Falle

Evidenz: Empfehlungen aus der S2k-Leitlinie 2023 (2.3, 2.4, 2.9, 2.10); Absetzeffekt belegt (Reimer 2009).

Operation

Eine Operation kommt nur bei Unverträglichkeit von Säureblockern, bei unzureichender Wirkung trotz gesicherter Refluxkrankheit oder bei zusätzlichen Problemen wie einem größeren Zwerchfellbruch in Betracht. Vorher sind Spiegelung, Messung und Manometrie Pflicht.

Der Standardeingriff heißt Fundoplikatio: Der Chirurg verlagert die Speiseröhre in den Bauchraum zurück und formt aus dem oberen Magenanteil eine Manschette um den unteren Schließmuskel.

Die möglichen Nebenwirkungen sind erheblich – Schluckstörungen, Durchfall und das Gas-Bloat-Syndrom: die Unfähigkeit aufzustoßen, aus der im Tagesverlauf ein Blähbauch entsteht.

Diese Nebenwirkung ist aufschlussreich. Sie entsteht, weil der Eingriff den Reflex blockiert, über den normalerweise Gas aus dem Magen entweicht. Genau der Vorgang, den man bei Reflux gerne unterbinden möchte, ist zugleich ein Vorgang, den der Körper braucht.

Neuere Verfahren zielen darauf ab, diese Nebenwirkungen zu verringern – etwa ein Magnetring um die untere Speiseröhre. Die Langzeiterfahrungen damit sind noch begrenzt. Mehr dazu: Neue OP-Methode bei Sodbrennen

Was du selbst tun kannst

Die Standardmedizin betrachtet die Refluxkrankheit als chronisch und behandelt die Symptome. Das heißt nicht, dass sich an den Auslösern nichts ändern lässt. Die Leitlinie selbst sagt, dass alle Betroffenen über Allgemeinmaßnahmen beraten werden sollen – mit starker Empfehlung. Genannt werden:

  • Gewicht reduzieren, wenn Übergewicht besteht oder man zuletzt zugenommen hat
  • Kopfende des Bettes erhöhen bei nächtlichen Beschwerden – das ganze Kopfteil, nicht nur das Kopfkissen
  • auf späte Mahlzeiten verzichten bei nächtlichen Beschwerden
  • Zwerchfelltraining (Bauchatmung): In vier kontrollierten Studien verbesserte es Beschwerden, Messwerte und senkte den Verbrauch an Säureblockern
  • Rauchstopp
  • enge Gürtel und Kleidung meiden
  • Sport mit starker Bauchpresse eher meiden
  • meiden, was man persönlich nicht verträgt – statt pauschaler Verbotslisten

Am wirksamsten ist die Zwerchfellatmung direkt nach dem Essen, wenn der Magen gedehnt ist und der Öffnungsreflex am häufigsten ausgelöst wird. Mehr dazu: Zwerchfell und Reflux, Ernährung bei Reflux und Begleitende Behandlung bei Reflux

Evidenz: Allgemeinmaßnahmen laut S2k-Leitlinie 2023, Tabelle 6; Zwerchfelltraining dort mit Fallkontrollstudien belegt.

Hinweis: Bei länger anhaltenden Beschwerden wie Sodbrennen und saurem Aufstoßen gehört immer eine ärztliche Abklärung dazu. Nur ärztlich lässt sich feststellen, ob eine Refluxkrankheit vorliegt und wie sie in deinem Fall zu behandeln ist.

Dein nächster Schritt

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Wenn du tiefer einsteigen willst: Das Tool „Zwerchfell & Entspannung“ verbindet Atemarbeit mit der Entlastung des Nervensystems. Zum Tool Zwerchfell & Entspannung

Häufige Fragen zur Refluxkrankheit

Was ist der Unterschied zwischen Reflux und Refluxkrankheit?

Reflux ist ein normaler Vorgang, den jeder Mensch mehrmals täglich hat. Von einer Refluxkrankheit (GERD) spricht man, wenn er so häufig auftritt, dass Beschwerden wie Sodbrennen entstehen oder die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt wird. Davon zu unterscheiden ist der Stille Reflux, der vor allem Hals, Rachen und Kehlkopf betrifft.

Ist die Refluxkrankheit gefährlich?

Für die meisten Betroffenen nicht. Die leichten Formen – NERD und leichte Entzündung – führen laut deutscher Leitlinie nur selten zu ernsten Komplikationen. Ernst nehmen sollte man Alarmzeichen wie Schluckstörungen, Gewichtsverlust oder Blutungszeichen sowie jahrelange, starke nächtliche Beschwerden; dann gehört eine Spiegelung dazu. Aus einer Refluxkrankheit kann sich eine Barrett-Speiseröhre entwickeln, die regelmäßig kontrolliert wird.

Muss ich Säureblocker für immer nehmen?

Nicht unbedingt. Bei unkomplizierter Refluxkrankheit empfiehlt die deutsche Leitlinie, die Einnahme an den Beschwerden auszurichten und eine Übertherapie zu vermeiden – also eher nach Bedarf als dauerhaft. Eine Dauertherapie ist für schwere Formen vorgesehen. Säureblocker bitte nie eigenmächtig absetzen: Der Absetzeffekt kann vorübergehend mehr Beschwerden machen. Das Vorgehen gehört ins Arztgespräch.

Ist die Refluxkrankheit heilbar?

Die Standardmedizin betrachtet sie als chronisch und behandelt die Symptome. An den Auslösern lässt sich jedoch arbeiten: Gewicht, späte Mahlzeiten, Schlafposition und Zwerchfellatmung nennt sogar die Leitlinie als Allgemeinmaßnahmen, dazu kommt der Blick auf Stress und Nervensystem. Für den Stillen Reflux gilt dasselbe Prinzip: Er ist behandelbar, wenn man die Auslöser kennt.

Welche Lebensmittel lösen Reflux aus?

Eine Antireflux-Diät, die für alle gilt, gibt es nicht. Die deutsche Leitlinie hält fest, dass der Verzicht auf Kaffee, Alkohol, Schokolade, Zitrusfrüchte, scharfes oder fettes Essen nicht allgemeingültig belegt ist. Sinnvoll ist, zu meiden, was man persönlich nicht verträgt, und abends nicht zu spät zu essen. Beim Stillen Reflux spielen andere Faktoren eine größere Rolle als bei der klassischen Refluxkrankheit.

Kann Stress Reflux auslösen?

Stress verursacht nicht einfach zu viel Magensäure – diese Vorstellung ist veraltet. Dauerstress bremst aber die Verdauung: Der Magen entleert sich langsamer, bleibt länger gedehnt, und Dehnung löst die Öffnung zwischen Magen und Speiseröhre aus. Außerdem macht Schlafmangel die Speiseröhre empfindlicher. Bei klassischem und Stillem Reflux gleichermaßen lohnt sich deshalb der Blick auf das Nervensystem.

Warum helfen meine Säureblocker nicht?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Bei der nicht-erosiven Refluxkrankheit hat nur etwa die Hälfte der Betroffenen überhaupt zu viel sauren Reflux; bei den anderen liegt eine überempfindliche Speiseröhre oder eine andere Ursache vor. Auch nicht-saurer Reflux und Stiller Reflux sprechen schlecht an. Helfen Säureblocker nach acht Wochen nicht, sieht die Leitlinie eine weitere Abklärung vor.

Woran erkenne ich, ob es das Herz oder die Speiseröhre ist?

Als Laie gar nicht sicher. Druck und Brennen hinter dem Brustbein können von der Speiseröhre wie vom Herzen kommen. Wenn solche Beschwerden zum ersten Mal auftreten oder sich verändern, gehört das sofort abgeklärt – im Zweifel über die Notaufnahme oder den Notruf. Das gilt bei Refluxkrankheit wie bei Stillem Reflux.

Quellen

  • Madisch A, Koop H, Miehlke S, et al. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis der DGVS. Z Gastroenterol. 2023;61:862–933. PMID: 37494073
  • PMID 3396810 – Transiente Relaxation als Refluxmechanismus
  • PMID 10734020 – Hiatushernie und Auslösefrequenz des Öffnungsreflexes
  • Hirschowitz BI. A critical analysis, with appropriate controls, of gastric acid and pepsin secretion in clinical esophagitis. Gastroenterology. 1991;101(5):1149–1158. PMID: 1936784
  • Fletcher J, Wirz A, Young J, Vallance R, McColl KEL. Unbuffered highly acidic gastric juice exists at the gastroesophageal junction after a meal. Gastroenterology. 2001;121(4):775–783.
  • Reimer C, Søndergaard B, Hilsted L, Bytzer P. Proton-pump inhibitor therapy induces acid-related symptoms in healthy volunteers after withdrawal of therapy. Gastroenterology. 2009;137(1):80–87. PMID: 19362552
  • Schneider N.I. & Langner C.: Histologie der Refluxkrankheit und ihre Bedeutung für die Entstehung des Barrett-Ösophagus, J Gastroenterol Hepatol Erkr 12.1 (2014)
  • Gerd Herold: Innere Medizin, Herold Verlag Köln

Erklärmodell Version 1.4, Stand Oktober 2026. Inhalte davor können ältere Formulierungen enthalten.



Hallo, ich bin Andrea

Ich bin Andrea Kuhl, Medizinjournalistin und Beraterin für Stillen Reflux. Studiert habe ich Journalismus und Geologie, nicht Medizin. Seit fast 17 Jahren arbeite ich zu einem einzigen Thema: Stiller Reflux, überwiegend anhand englischsprachiger Fachliteratur, weil er dort seit den neunziger Jahren als eigenständiges Krankheitsbild erforscht wird. Von mir stammt das Buch: "Stiller Reflux-Kompass"