begleitende Behandlung bei Reflux

Reflux begleitend behandeln

In letzter Zeit tritt die begleitende Behandlung bei Reflux in den Focus des Interesses. Wir stellen hier die wichtigsten Möglichkeiten vor und erläutern Vor-und Nachteile.
Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist in der westlichen Welt weit verbreitet. Sie gilt als nicht heilbar und muss, zur Vermeidung von Komplikationen, sorgfältig therapiert und überwacht werden.
Diese Therapie beruht heute in erster Linie auf der Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (PPI: Omeprazol, Esomeprazol, Pantoprazol, Rabeprazol, Lansoprazol). Die Gabe von PPI in Dauerbehandlung kann aber zu unerwünschten Wirkungen führen und nicht alle Patienten sprechen auf die Behandlung an. Und die meist erforderliche Dauertherapie birgt Risiken. Deshalb sollten Patienten unter Dauertherapie mit PPI’s engmaschig überwacht werden und es sollte immer die geringste wirksame Dosis verabreicht werden. Außerdem scheint auch eine begleitende Behandlung durch Lebensstielveränderungen, veränderte Schlafposition, kohlenhydratarme Ernährung, Akupunktur, die Gabe von Melatonin, Leinöl oder ein Vagusnervtraining einen Versuch wert, den Reflux in den Griff zu bekommen.

Inhalt:

Wirksamkeit von Lebensstielinterventionen als begleitende Behandlung von Reflux

Der Verzicht auf Tabak, Alkohol, Schokolade und Saft aus Zitrusfrüchten ist eine häufige Empfehlung bei GERD. Aber ist das auch wirksam?
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2006 ergab, das lediglich drei Faktoren tatsächlich wirksam sind:

  • eine mögliche Reduktion von Körpergewicht
  • das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und/oder in Linksseitenlage
  • Vermeidung von Medikamenten, die den unteren Speiseröhrenschließmuskel entspannen

Schlafen mit erhöhtem Oberkörper - richtig gemacht!

Viele Betroffene denen man das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper nahe gelegt hat, lagern lediglich den Kopf und einen kleinen Teil des Oberkörpers etwas höher, indem sie Kissen benutzen. Das aber reicht nicht aus, um den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre zu verhindern. Meist führt es vor allem zu Nackenschmerzen. Als begleitende Behandlung von Reflux jedoch sind andere Lagerungstechniken nötig.
Es gibt im Handel jede Menge Keilkissen in unterschiedlichen Höhen und Längen. Aber leider halten die wenigsten, was sie versprechen. Aus Sicht der Medizin ist es aus vielerlei Gründen durchaus ratsam mit etwas erhöhtem Kopfbereich zu schlafen, aber dann bitte einfach mit auf der Kopfseite erhöhtem Lattenrost. Hierbei bleibt der Körper auf einer ebenen Fläche und trotzdem wirkt die Schwerkraft und verhindert das Aufsteigen von Mageninhalt in die Speiseröhre. Das aber erfordert eine Erhöhung der Kopfseite von mindestens 12 cm, bei hartnäckigem Sodbrennen in der Nacht auch bis zu 18 cm.
Unser Tipp: Testet das Ganze einfach erst einmal mittels zweier Ziegelsteine unter den Füßen eures Bettes auf der Kopfseite. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig und ihr solltet euch und eurem Reflux etwa eine Woche Zeit geben, sich auf die neue Situation ein zustellen. In dieser Position zu liegen heißt, sich problemlos auf die Seite drehen zu können. Da liegt das große Plus bei dieser Art der Lagerung zur Vermeidung von Reflux! Es gibt keine Probleme mit der Wirbelsäule und dem Becken. 
Schlafen auf der linken Seite allein, reicht bei hartnäckigem Reflux meist nicht aus, kann in Kombination mit schräger Lagerung aber effektiv sein. Die richtige Höhe liegt meist, aber nicht immer, zwischen 15 und 18 cm Erhöhung.

Problem Lagerungshöhe

Bei einigen Betroffenen sind Erhöhungen von bis zu 25 oder gar 28 cm im Kopfbereich des Lattenrostes des Bettes nötig. Hier sorgt die Schwerkraft für Schwierigkeiten, weil man in der Nacht leicht herunter oder zusammen rutscht. Damit ist dann die Wirkung der begleitenden Behandlung bei Reflux dahin und das Sodbrennen wieder da. Hier helfen Formschaummatratzen oder Matratzenauflagen aus diesem Material. Ausserdem macht bei so großen Erhöhungen die Standfläche der Bettfüsse unter Umständen Probleme im Bezug auf die Standsicherheit. Hier können Bett- oder Möbelerhöher Abhilfe und einen sicheren Stand verschaffen, die es vorgefertigt im Handel gibt.
Es sind auch sogenannte Refluxlattenroste, die bis zu 30 cm hochzustellen sind, erhältlich.

kohlenhydratarme Ernährung als begleitende Behandlung bei Reflux

Diese Art der Ernährung erfährt im Laufe der Jahre immer mal wieder einen Hype. Mittels einer Reduzierung der Aufnahme von Kohlenhydraten unter 20 Gramm am Tag soll meist eine Gewichtsreduktion erreicht werden. 
Im Falle von übergewichtigen Patienten mit chronischem Reflux untersuchten nun amerikanische Wissenschaftler bereits 2003 und 2006 die Probanden mittels 24-Stunden-pH-Metrie bezüglich der Säurebelastung in der unteren Speiseröhre vor Beginn dieser Diät und noch einmal 6 Tage nach Beginn. Außerdem wurden in umfangreichen standardisierten Fragebögen erfasst wann welche Beschwerden und in welcher Intensität aufgetreten waren.
Dabei zeigte sich nun, das das Ausmaß der Beschwerden sich auf die Hälfte der Ausgangswerte reduzierte und dies geschah auch mit den Werten der Säurebelastung in der unteren Speiseröhre.
Die US-Forscher ziehen hieraus den Schluss, das eine stark kohlenhydratreduzierte Ernährung bei übergewichtigen Refluxpatienten Sodbrennen und Säurebelastung der Speiseröhre signifikant reduzieren kann.
Inzwischen weiß man, das die Zufuhr von Eiweiß die Spannung des unteren Speiseröhrenschließmuskels um bis zu 50% erhöhen kann.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16871438/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12684364/
Hinweise zu einer kohlenhydratreduzierten Diät findet ihr hier: 
Der Speiseröhrenschließmuskel, wenn er zum Problem wird

Fazit

Leider liegen noch immer keine grösseren Studien zu dem Thema vor. Dennoch setzt sich die kohlenhydratarme Ernährung zunehmend als begleitende Therapie bei Reflux durch. Auch die Medizin verweist auf diese Möglichkeit. Das Ganze ist zwar noch nicht durch ausreichend Studien belegt, aber immerhin einen Versuch wert. Ob es nun gleich die maximale Reduktion der Kohlenhydratzufuhr sein muss, mag bezweifelt werden. Aber uns scheint das Konzept bei hartnäckigem Reflux doch einen Versuch wert.
Jedoch sollte hier ein wenig Maß gehalten werden und die Eiweiße sorgfältig ausgewählt. Niemandem nützt es, wenn der Reflux zwar verschwunden ist, Schlaganfall oder Herzinfarkt aber statt dessen nun das Problem sind.

Nadeln statt PPI's - Akupunktur

Akupunktur als begleitende Therapie bei Reflux ist kein ganz neuer Weg mehr, aber immer noch ist die Komplementärmedizin in den Köpfen vieler Gastroenterologen ins Reich der Sagen und Märchen verbannt. 
Wenn Patienten auf eine Tagesdosis von 20 mg eines PPI’s nicht ansprechen, wird die Dosis dann oft auf zweimal 20 mg am Tag erhöht. Doch nur bei etwa 20% der Patienten kommt es zu einer Linderung der Beschwerden. Bei allen anderen tut sich gar nichts. Das wiederum ist kein Wunder, denn die meisten dieser Patienten haben weder eine erhöhte Säureproduktion noch eine Entzündung in der Speiseröhre. Bereits 2007 verglichen amerikanische Wissenschaftler in einer kleinen Studie die Wirkung von PPI’s versus Akupunktur. Es wurden 30 Patienten mit typischen Refluxbeschwerden wie Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Schmerzen und Brennen hinter dem Brustbein untersucht. Alle hatten trotz Standardtherapie mit einem PPI (Omeprazol 20 mg/Tag) weiter deutliche Symptome. Vor Beginn der Studie wurden alle Patienten einer Endoskopie der Speiseröhre und des Magens unterzogen. Im Zufallsprinzip wurde nun die Hälfte von ihnen mit einer doppelten Dosis Omeprazol (2×20 mg/Tag) behandelt. Die andere Hälfte von ihnen erhielt weiter die Standarddosis des PPI, wurde aber einer Akupunkturtherapie durch Experten unterzogen. Diese Behandlungen erfolgten über 4 Wochen jeweils 2 Mal wöchentlich in 10 Sitzungen von 20 minütiger Dauer.

Akupunkturpunkte bei Reflux

Fazit zu Akupunktur versus PPI

Die vierwöchige Behandlung mit Akupunktur zeigte eine signifikante Abnahme des Sodbrennens am Tage und in der Nacht sowie des sauren Aufstoßens.
Die Verdoppelung der PPI-Dosis hingegen erbrachte keine signifikante Änderung im Beschwerdeverlauf.
Die Wissenschaftler schließen hieraus, das eine Behandlung mit PPI in Standarddosis plus Akupunktur wirksamer ist als eine blosse Verdoppelung der PPI-Dosis.
Alle bei der Studie verwendeten Akupunkturpunkte haben nach der Interpretation der traditionellen chinesischen Medizin eine Verbindung mit der “Regulierung” des Magens. Vielleicht könnte man das schulmedizinisch als Regulierung der Säureabsonderung und der Eigenbewegung des Magens übersetzen.
Es bleibt zu wünschen, dass nicht nur die Gastroenterologen sondern auch die Kostenträger angesichts wirkungsloser Therapien der Schulmedizin die Bereitschaft zeigen, Akupunkturbehandlungen zu übernehmen.

Melatonin gegen Reflux als begleitende Behandlung?

Das auch als Schlafhormon bekannte Melatonin scheint einiges an Potential bei der begleitenden Behandlung von Reflux zu bergen. Zunächst ging man davon aus, das dieses Hormon hauptsächlich in der Zirbeldrüse gebildet wird, aber heute weiß man, das es zu weit grösseren Mengen auch von Zellen im Verdauungstrakt gebildet wird. Es ist für die Bewegung des Darmes und die Kommunikation zwischen Darm und Leber von Bedeutung.
 Außerdem, und hier wird es interessant, liegen auch erhebliche Mengen an Melatonin in der Schleimhaut der Speiseröhre vor. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, das Melatonin die Mikrozirkulation anregt und die Bildung von Prostaglandin E2. Die Gefahr Magengeschwüre zu bekommen, steigt dann, wenn wir Entzündungshemmer einnehmen und genau diese dann die Bildung von Prostaglandinen hemmen, weil sie an der Schmerzentstehung, an Fieber und an Entzündungsreaktionen beteiligt sind.
Prostaglandin E2 hemmt die Bildung von Magensäure, steigert die Durchblutung der Magenschleimhaut und fördert die Freisetzung von Schleim und neutralisierendem Bikarbonat. Damit schützt es die Magenschleimhaut vor der Säure des Magens. Wird es durch Entzündungshemmer und Schmerzmittel reduziert wird die Magenwand angreifbarer.
Melatonin erhöht die Gastrinfreisetzung, die wiederum die Kontraktion des unteren Speiseröhrenschließmuskels steigert.

Behandlung von GERD - Patienten mit Melatonin

In einer Ende Januar 2019 online veröffentlichten Metastudie wurde die Wirkung von Melatonin bei der Behandlung von GERD untersucht. Insbesondere nächtliches Sodbrennen und die damit verbundenen Einbußen bei der Schlafqualität standen im Fokus. Man kam zu dem Schluss, das Melatonin bei der Behandlung von GERD wirksam und auch effizient bei der Behebung von Schlafstörungen sei.
In einer Einzelstudie erhielten 175 GERD-Patienten 20 mg Omeprazol täglich, 176 Patienten wurden mit einer Kombination aus Melatonin plus L-Tryptophan, Vitamin B6 und B12, Methionin, Betain und Folsäure behandelt. Nach 40 Tagen gaben alle Patienten aus der Gruppe der mit Melatonin behandelten eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden an, während es aus der Omeprazol – Gruppe nur 66% waren.

Risiken und Nebenwirkungen von Melatonin

Melatonin sollte unbedingt etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen eingenommen werden. In Deutschland ist Melatonin verschreibungspflichtig, weil die Studienlage bisher nicht klar ist und eine Unbedenklichkeit nicht zweifelsfrei erwiesen ist. Mögliche Risiken sind:

  • Alpträume
  • Müdigkeit am nächsten Tag bei zu hoher Dosis oder zu später Einnahme
  • Reizbarkeit und Nervosität sind möglich
  • Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen
  • bei längerfristiger Behandlung, so die Meinung von einigen Experten, könnte Melatonin Leber und Nieren schädigen
  • Melatonin hat unter Umständen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (Opiate, nicht steroidale Entzündungshemmer, Immunsystem dämpfende Mittel, Blutdrucksenker und Antibabypille)

wie erhöht man seine Melatoninproduktion

Wem die Einnahme von Melatonin zu riskant ist, der kann folgendes versuchen, um seinen Melatoninspiegel zu heben und damit vielleicht auch seinen Speiseröhrenschließmuskel wieder richtig arbeiten zu lassen:

10 Tipps für eine verbesserte Melatoninproduktion

  • Schlafzimmer möglichst abdunkeln, je dunkler es ist, je mehr Melatonin wird vom Körper her gestellt!
  • Immer für ausreichend Tageslicht am Morgen sorgen : Raus ins Freie gehen!
  • In der letzten Stunde vor dem Schlafengehen auf Smartphone, Laptop und Fernseher verzichten oder zumindest Darkmode oder Blaulichtfilter benutzen!
  • Ernährt euch melatoninreich: Pistazien, Cranberrys, Nüsse, Pilze, Reis, Weizen, Mais, Gerste und Hafer enthalten Melatonin!
  • Ernährt euch vielseitig: Es gibt Studien, die einen Zusammenhang zwischen viel Gemüse und einem guten Melatoninspiegel zeigen. Unklar ist dabei noch, ob das Melatonin direkt aus dem Gemüse stammt oder diese Art der Ernährung die Melatoninproduktion anregt.
  • Ein regelmäßiger Schlafrhythmus trägt zur Melatoninbildung bei!
  • Reduziert Stress so weit wie möglich: Stress senkt den Melatoninspiegel!
  • Verzichtet nachmittags und abends auf  Alkohol, Nikotin und Koffein!
  • Treibt Sport, aber nicht zu spät abends!

Fazit - Einnahme von Melatonin

Wer besonders mit nächtlichem Sodbrennen zu kämpfen hat, sollte ruhig einen Versuch  mit Melatonin wagen. Auch Betroffene mit einem geschwächten unteren Speiseröhrenschließmuskel sollten über Melatonin nachdenken. Aber auch Menschen mit der nicht erosiven Variante der gastroösophagealen Refluxkrankheit, sogenannte NERD-Patienten, bei denen oft PPI’s nicht oder ungenügend wirken, könnten von der Einnahme von Melatonin profitieren. Besonders Betroffene, die zusätzlich unter Zöliakie oder anderen entzündlichen Darmerkrankungen leiden, die die mangelhafte Absorption von Nährstoffen verursachen, könnten von Melatonin mehr profitieren als zunächst gedacht! Wenn ihr eine Einnahme von Melatonin als begleitende Behandlung von Reflux in Erwägung zieht, besprecht das genaue Vorgehen mit eurem Arzt!
Wem Melatonin zur Einnahme zu riskant ist, kann es mit L-Tryptophan 500 mg versuchen. Das ist eine Vorstufe von Melatonin und der Körper kann hierauf bei Bedarf zurück greifen. L-Tryptophan wird als Nahrungsergänzungsmittel frei verkauft.

Leinöl für die Speiseröhre?

Leinöl wird aus den Samen des gemeinen Flachses (Linum usitatissimum) hergestellt. Das meist kaltgepresste Öl gilt als reich an Omega-3-Fettsäuren. Diese Fettsäuren gelten als entzündungslindernd.
In einer indischen Studie an Ratten konnte nun die Wirksamkeit von Leinöl bei Gastritis gezeigt werden. Außerdem wurde auch festgestellt das Leinöl die Magensäureproduktion hemmt. Damit könnte Leinöl also bei einer Magenschleimhautentzündung helfen aber auch bei einer Speiseröhrenentzündung als begleitende Behandlung bei Reflux. Leinsamen und damit auch Leinöl besitzen die Eigenschaft Schleimstoffe zu bilden. Die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre wird beim Verzehr von Leinöl durch einen schleimigen Film vor der aufsteigenden Magensäure geschützt.

Anwendung und Dosierung von Leinöl

Leinöl besitzt einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und wird bei Luftkontakt schnell ranzig. Bitte bewahrt es im dunklen Kühlschrank auf und verbraucht es innerhalb von 6 Wochen. Leinöl verfestigt sich erst bei -16 bis -20°C. Deshalb ist eine Aufbewahrung in der Kühltruhe ebenfalls möglich und könnte die Haltbarkeit verlängern. Ist es ranzig geworden schmeckt es bitter und scharf und sollte nicht mehr verzehrt werden, denn sonst droht Übelkeit. 
Zur Behandlung von Reflux genügen 1 bis 3 Teelöffel am Tag völlig!
Übertreibt es nicht mit der Ölmenge. Viel hilft nicht immer viel! Leinöl wirkt leicht abführend und vergrößert das Stuhlvolumen.  Außerdem unterstützt es die Darmbewegung. So geht Stuhl häufiger und leichter ab. Zu große Mengen Leinöls führen also zu Durchfall!

Der Vagusnerv - ein Bigplayer der Verdauung

Man nennt ihn auch den umherschweifenden weil er so lang ist und so stark verzweigt, der Vagusnerv. Er ist im Moment in aller Munde. Der vordere seiner Äste steuert das obere Drittel der Speiseröhre und die meisten Rachenmuskeln, reguliert das Herz und die Bronchien. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems. Der hintere Ast des Vagusnerven innerviert die unteren zwei Drittel der Speiseröhre und die motorischen Fasern des hinteren Vagus-Astes durchziehen die inneren Organe die unter dem Zwerchfell liegen wie Magen, Leber, Milz, Nieren, Gallenblase, Harnblase, Dünndarm und den aufsteigenden und querverlaufenden Dickdarm.
Wir sehen also, für unsere Verdauung ist der Vagusnerv von zentraler Bedeutung. Was aber, wenn seine Funktion gestört ist?
Unter Stress reagiert unser Körper nach urzeitlichen Prägungen und stellt sich in sekundenschnelle auf Kampf oder Flucht ein. Dabei regelt er durch das Ausschütten von Stresshormonen die Herzfrequenz hoch und setzt gespeicherte Energie im Blut frei, um den Muskeln schnelle und kraftvolle Reaktionen zu ermöglichen. Gleichzeitig aber werden alle Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert, die in dieser akuten Notlage nicht unmittelbar benötigt werden. Dazu gehört auch die Verdauung.
Ist die Gefahr vorüber, reguliert der Parasympathikus und damit auch der Vagusnerv unsere Körperfunktionen wieder auch ein normales Niveau herunter.

Gleichgewicht von Sympathikus und Parasympathikus

Je mehr sich Parasympathikus und Sympathikus im Gleichgewicht befinden, um so ausgewogener ist auch das Verhältnis von Spannung und Entspannung.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft sind viele von uns von Dauerstress betroffen. Diese hohe Belastung hält den Körper ständig in einem Zustand hoher Alarmbereitschaft. Wenn wir jedoch ständig unter Stress stehen, wird der sympathische Nervenzweig immer aktiver und der parasympathische Teil immer weniger gefordert.

Die Folgen des Dauerstresses sind vielfältig und reichen von Bluthochdruck über Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Magen-Darm-Störungen.
Der Vagusnerv ist ein wichtiger Kommunikationskanal zwischen unserem Gehirn und unseren inneren Organen. Ist diese Kommunikation nun gestört, kann es zu einer ganzen Reihe von Einschränkungen und Erkrankungen kommen. Darunter sind auch verschiedene Verdauungsstörungen wie zum Beispiel Sodbrennen.

Wie stimuliert man den Vagusnerv als begleitende Behandlung bei Reflux?

In diesem Artikel zeigen wir euch, wie ihr selbst versuchen könnt, euren Vagusnerv zu stimulieren und euer Gleichgewicht zwischen Spannung und Anspannung wieder zu finden:

Der untere Speiseröhrenschließmuskel: Wenn er schlapp macht!

Ein schwacher unterer Speiseröhrenschließmuskel ist eine der häufigsten Ursachen von Sodbrennen und saurem Aufstossen.
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