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Roemheldsyndrom – Wenn der Magen das Herz aus dem Takt bringt

Roemheldsyndrom, anatomische Zusammenhänge

Das Roemheldsyndrom wird in der Medizin als Gastrokardiales Syndrom oder Magen-Herzsyndrom bezeichnet. Es handelt sich also hierbei vor allem um Beschwerden in der Brust und am Herzen, die ihren Auslöser im Magen-Darm-Trakt haben.
Der Arzt Ludwig von Roemheld beschrieb als erster dieses Syndrom, Anfang des letzten Jahrhunderts. Er hatte immerwieder Patienten, die über Brustenge und Brustschmerzen klagten, deren Herzen aber gesund waren. Das Roemheldsyndrom erscheint bedrohlich und ähnelt in gewisser Weise den Beschwerden, bei einer Angina pectoris. Da bricht schnell Angst und Panik aus.

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Symptome des Roemheldsyndroms

  • Das Roemheldsyndrom weist eine enorme Vielzahl von Symptomen auf.
    Die meisten davon äußern sich im Brust- und Herzbereich und treten spontan ein. 
  • brennende Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Beklemmungen in der Brust
  • Herzklopfen (Extrasystolen)
  • Herzrasen oder verlangsamter Herzschlag
  • sinkender Blutdruck
  • Kreislaufbeschwerden, Kreislaufzusammenbruch
  • Atemprobleme, Atemnot
  • Kurzatmigkeit
  • schnelle, flache Atmung

Die Symptome sind mitunter stark ausgeprägt und die Betroffenen fühlen sich schwer erkrankt und ordnen die Symptome einem Herzinfarkt zu. Es kommt zu Angst und Panik.

Das ständige Völlegefühl und der harte aufgedunsene Bauch sowie die Blähungen, die die meisten Betroffenen haben, treten in dem Moment in den Hintergrund, wo Symptome in der Brust und so auch am Herzen auftreten.

Auch kommt es beim Roemheldsyndrom zu:

  • Hitzewallungen
  • Schwindelattacken
  • Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen

Wie entstehen diese Symptome?

Meist wird von einer übermäßigen Ansammlung von Gasen gesprochen, wenn vom Roemheldsyndrom die Rede ist. Es können aber auch andere Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Hiatushernie der Grund für das Roemheldsyndrom sein. Hier rutscht der Magen durch die vergrößerte Hiatusschlinge in den Brustraum und drückt dort von unten auf das Herz bzw. den Herzbeutel.

Das durch Gase erhöhte Volumen im Magen-Darm-Bereich führt zu einem Zwerchfellhochstand. Das Zwerchfell wird also nach oben in Richtung der Brusthöhle verschoben. Es liegt unter den Lungenflügeln und das Herz ist auf ihm festgewachsen. Wird der Muskel Zwerchfell nun sozusagen wegen Platzmangel nach oben verschoben, so verkleinert sich gleichzeitig der vorhandene Raum für Lunge und Herz. Es kommt zu Atemnot, Kurzatmigkeit und einer schnellen, flachen Atmung. Das Herz kann nicht mehr richtig schlagen und es kommt zu Herzbeschwerden.

Hitzewallungen entstehen durch die plötzliche Aktivierung unseres sympathischen Nervensystems, das sozusagen für die ‚fight or flight‘-Reaktion in uns zuständig ist.

Angst und Panik werden dann durch die Herzbeschwerden ausgelöst.

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Woher kommen die Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt beim Roemheldsyndrom?

Die meisten Theorien oder Erklärungsansätze liegen im Bereich der Darmgase, die sich im Dickdarm ansammeln und die Neben- und Endprodukte der Verdauungsprozesse von Bakterien in unserem Darm sind. Dabei entstehen Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff und Methan.

Somit sind also Erkrankungen, die mit einer erhöhten Produktion von Darmgasen in Verbindung stehen ebenso die Auslöser eines Roemheldsyndroms wie Erkrankungen, die das Entweichen von Darmgasen verhindern oder auf andere Weise das Zwerchfell in Richtung Brusthöhle drängen.

In Frage kommen hier insbesondere Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz, Sorbitintoleranz, Saccharoseintoleranz, Histaminintoleranz, Weizensensitivität und Zöliakie.

Auch eine Magenschleimhautentzündung oder Magen-Darm-Grippe kann dafür verantwortlich sein, dass im Darm vermehrt Gase produziert werden und so ein Roemheldsyndrom entstehen kann.

Menschen mit einem Reizdarm oder/und Reizmagen können ein Roemheldsyndrom entwickeln. Bei beiden Erkrankungen wird ebenfalls oft eine vermehrte Ansammlung von Darmgasen beschrieben.

Und last but not least kann man sich schlicht so sehr ‚überfressen‘, dass der Magen sich nur noch nach oben ausdehnen kann und ein solches Syndrom auslöst.

Roemheldsyndrom und psychosomatische Herzbeschwerden

Das Roemheldsyndrom ist das, was man in der Medizin eine Ausschlussdiagnose nennt. Das heißt, erst wenn feststeht, dass keine organische Krankheit vorliegt, also alle Erkrankungen des Herzens, der Brust und der Lunge  ausgeschlossen werden können, kann eine solche Diagnose gestellt werden. Die meisten Betroffenen gehen mit ihren Herzbeschwerden zum Kardiologen und mit ihren Verdauungsbeschwerden zu einem Gastroenterologen.
Wenn wir uns jetzt einmal die Frage stellen, ob uns der Kardiologe schon jemals die Frage gestellt hat, ob wir Probleme mit dem Magen oder Darm haben, dann werden die meisten das verneinen. Was dann bleibt, ist die Diagnose „funktionelle Herzbeschwerden“. Oft werden auch Begriffe wie „nervöse Herzbeschwerden“, „psychosomatische Herzbeschwerden“ oder “ „psychovegetative Herzbeschwerden“ verwendet. Und da ist sie dann, die Sackgasse: „Ist eben alles die Psyche!“ Niemand nimmt Menschen mit einer solchen Diagnose noch ernst und die Betroffenen werden im Regen stehen gelassen mit ihrer Angst, Panik und Unsicherheit!

Ein anderer Ansatz zur Erklärung der Gasansammlungen im Magen

Es gibt auch die Möglichkeit des Luftschluckens. Bei jedem Bissen und jedem Schluck Speichel schlucken wir auch Luft mit hinunter in den Magen. Wieso nun soll übermäßig viel Luft in den Magen gelangen?
Bei dieser Theorie geht man davon aus, dass Menschen mit Roemheldsyndrom eine gestörte Atmung haben, weil sie ihr Zwerchfell beim Atmen nicht oder nurmehr unzureichend einsetzen. Das heißt, dass die verschluckte Luft im Magen sich mehr und mehr ansammelt, weil das Zwerchfell beim Atmen nicht benutzt wird.
Im Normalfall, also bei intakter Zwerchfellatmung, sammelt sich etwas Luft im oberen Teil des Magens an. Atmet man nun mit dem Zwerchfell, so wird bei jedem Atemzug alles, was unter dem Zwerchfell liegt nach unten gedrückt und zum Teil verformt. Die obere Magenblase wird nach unten gedrückt und dabei werden auch die kleinen Luftbläschen wieder aus dem Magen herausgedrückt. 
Wenn nun jemand nicht ausreichend mit dem Zwerchfell atmet, beginnt diese Luft sich mehr und mehr anzusammeln. Der Magen wird nach oben gedrückt, das inaktive Zwerchfell wird mit nach oben gedrückt und das Zwerchfell berührt den Herzbeutel. Es kommt zu ersten Symptomen am Herzen. Bei sehr viel Luft im Magen kann es zu massiven Herzbeschwerden kommen. 

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Was vertragen die meisten von Reflux geplagten und was nicht? Welche Getränke sind verträglich? Welche Mengen sollten verzehrt werden?

Behandlungsmöglichkeiten des Roemheldsyndroms

Hier ist Ursachenforschung das Gebot der Stunde. Ob wir uns schlicht weg überfressen hatten, ehe dieser Druck in der Herzgegend und die Schweißausbrüche entstanden, ist noch schnell zu erinnern. Bei Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten hingegen wird es schon aufwendiger. Doch gibt es auch hier Tests, die den Weg weisen können.
Besonders beim Reizdarm als Ursache des Roemheldsyndroms wird es schon schwieriger. Denn die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind erst in Ansätzen für etwa 30% der Betroffenen gefunden.

 

Medikamente beim Roemheldsyndrom

In schweren Fällen wird der Arzt die Wirkstoffe Dimeticon oder Simeticon verordnen.

Im Falle von Betroffenen, bei denen vordergründig ein Blähungsgefühl zum Auftreten des Roemheldsyndroms führt, wird meist Dimeticon verschrieben.

Solltet ihr neben Blähungen auch ein Völlegefühl vor Auftreten der Beschwerden des Roemheldsyndroms haben, so wird meist Simeticon verschrieben.

In unserem Artikel: Zwerchfell und Reflux erfahrt ihr mehr über die komplexen Zusammenhänge zwischen unserer Verdauung und dem Zwerchfell.

19 Tipps zur Vermeidung eines Roemheldsyndroms

  • Verzicht auf blähende Lebensmittel
  • wenig rohe Lebensmittel
  • kleine Mahlzeiten
  • öfter Essen als drei Mal pro Tag
  • langsam essen 
  • gut kauen
  • wenig Alkohol
  • kein Nicotin
  • besonders Abends leicht essen
  • regelmäßige Bewegung

 

Führt ein Ernährungstagebuch, damit ihr erkennen könnt, nach welchen Mahlzeiten die Beschwerden auftreten und diese Art von Nahrung künftig vermeiden könnt!

Auch das Meiden von großen Mengen Fett kann helfen, denn Fett lässt unseren unteren Speiseröhrenschließmuskel weniger gut schließen und die Nahrung länger im Magen verweilen.

Solltet ihr vermuten, dass euer Darmbiom nicht ganz auf der Höhe ist und die Gasansammlungen im Dickdarm auftreten, lohnt es, seine Darmbesiedelung mittels Prä- und Probiotika wieder auf Vordermann zu bringen.

Zu viel Alkohol vertausendfacht die Anzahl von gasbildenden Darmbakterien.

Viele schwören auf das Essen von zwei Mal täglich etwas gedünstetem Gemüse. 

Bei heftigeren Beschwerden kann eine Kartoffelsuppenkur über drei Tage helfen, den gesamten Magen-Darm-Trakt zu beruhigen.

Anis-, Fenchel- und Kümmeltee können ebenfalls die Gasansammlungen vertreiben.

Die Einnahme von gequollenen Flosamenschalen kann hier ebenfalls gute Dienste leisten.

Besonders Übungen zur Entspannung des Zwerchfells und zur Zwerchfellatmung sind hier sehr hilfreich.

 

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Fazit

Das Roemheldsyndrom stellt für Betroffene eine extreme Belastung dar, denn Beschwerden des Herzens werden stets als existenzbedrohend empfunden! 
Leider wird dieses Syndrom oft nicht als das erkannt, was es ist, nämlich ein Verdauungsproblem!
Wer also mit solchen Beschwerden zu kämpfen hat und das Ganze sowohl beim Kardiologen als auch gegebenenfalls beim Pneumologen hat abklären lassen und ohne Befund geblieben ist, der sollte seine Verdauung tatsächlich genau beobachten. Es könnte sich lohnen und die Herzprobleme sich vielleicht in „Luft“ auflösen!

Quellen

https://www.pschyrembel.de/Roemheldsyndrom/K0K22/doc/

Milovanovic, B., Filipovic, B., Mutavdzin, S., Zdravkovic, M., Gligorijevic, T., Paunovic, J., & Arsic, M. (2015). Cardiac autonomic dysfunction in patients with gastroesophageal reflux disease. World journal of gastroenterology: WJG, 21(22), 6982. Link:http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4462740/, aufgerufen am 28.05.16

Qin, C., Farber, J. P., & Foreman, R. D. (2007). Gastrocardiac afferent convergence in upper thoracic spinal neurons: a central mechanism of postprandial angina pectoris. The Journal of Pain, 8(6), 522-529. Link:http://www.jpain.org/article/S1526-5900(07)00565-2/abstract(Abstract, voller Text nur mit speziellem Zugang abrufbar), aufgerufen am 28.05.16

Piper, W. (2012). Innere Medizin. Springer-Verlag.

Berliner, D./ Schneider, N./ Welte, T./ Bauersachs, J.: Differenzialdiagnose bei Luftnot. 834 Deutsches Ärzteblatt. Jg. 113, Heft 49. Dezember 2016

Über die Autorin
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Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.

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