Reizdarmsyndrom? Und nun?

Reizdarmsyndrom-Frau mit Bauchschmerzen und Krämpfen

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist keine organische Krankheit.  Es handelt sich um eine Fehlsteuerung zwischen vegetativem Nervensystem und der Muskulatur des Darmes. Diese funktionelle Störung ist zwar ungefährlich aber sie kann sehr belastend sein. Es baut sich oft ein hoher Leidensdruck bei den Betroffenen auf. Oft gesellt sich zu einem Reizdarm auch ein Reizmagen, was die Belastung nicht kleiner macht. Unter den Magen-Darm-Erkrankungen ist >Reizdarm< die häufigste Diagnose in Deutschland. Es trifft Männer nur halb so oft wie Frauen und meist ist kein konkreter Auslöser für die Beschwerden erkennbar. Oft bleibt in Arztpraxen die Aufklärung über dieses komplexe Krankheitsgeschehen aus Zeitmangel auf der Strecke. Wir möchten informieren und Wege zu Selbsthilfe aufzeigen.

Übersicht >>>Reizdarmsyndrom

Beschwerden bei Reizdarm

Der Reizdarm (Colon irritable) ruft oft Bauchschmerzen und Durchfälle oder/und Verstopfung hervor. Es gibt allerdings auch Betroffene, bei denen der Stuhl unverändert ist. Reizdarm hat viele Gesichter. Die meisten von uns haben nur leichte Beschwerden, die sie ohne Therapie in den Griff bekommen und so mancher weiß sein Leben lang gar nicht, dass er unter dem Reizdarmsyndrom leidet.
Die Ärzte unterscheiden verschiedene Typen beim Reizdarmsyndrom. 
Allen gemeinsam sind folgende Symptome:

  • Gefühl, dass sich der Darm beim Stuhlgang nicht komplett entleert
  • Völlegefühl
  • Schleimauflagerungen auf dem Stuhl

Die Beschwerden lassen nach dem Stuhlgang merklich nach. Aber manche Reizdarmpatienten empfinden den Stuhlgang als solchen als schmerzhaft. Außerdem haben Betroffene oft das Gefühl, die Stuhlentleerung sei nicht vollständig erfolgt. Viele benutzen Abführmittel um hier Abhilfe zu schaffen. Solche Medikamente helfen aber nicht, sondern der Darm wird durch sie noch mehr gereizt und die Situation verschlimmert sich. Abführmittel sind nur in Ausnahmefällen nötig und sollten nur kurzfristig eingenommen werden. 
Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden oft an Völlegefühlen, die unabhängig davon sind, ob sie gerade eine Mahlzeit zu sich genommen haben oder nicht. Dieses Gefühl ist auch unabhängig davon, ob es sich um den Verstopfungstyp oder den Durchfalltyp handelt.

 

Verstopfungstyp:
Bei einem Reizdarmsyndrom kommt es manchmal auch zu Verstopfung. Die Betroffenen haben sehr harten Stuhl, der in seiner Form an Schafskot erinnert. Ihre Stuhlfrequenz liegt bei maximal drei Mal in der Woche, meist noch seltener.

Blähungstyp:
Beim Reizdarmsyndrom bilden sich übermäßig viele Gase im Darm, weil die Darmbewegung gestört ist. Das ist für Betroffene besonders unangenehm, weil durch die Gasbildung im Darm ein Dehnungsreiz auf die Wand des Darmes ausgeübt wird. Das Ergebnis dieses Dehnungsreizes sind dann oft krampfartige Bauchschmerzen. Im Extremfall, wenn zum Beispiel die Darmwinde nicht entweichen können, kommt es zu einem Blähbauch, der oft schmerzhaft ist.

Durchfalltyp:
Beim RDS ist der Durchfall sehr flüssig und weich. Er tritt mehr als 3 Mal pro Tag auf und es kommt oft zu plötzlich auftretendem Stuhldrang, der sich sehr schwer unterdrücken lässt. Betroffene wagen sich dann oft nicht sehr weit von der Toilette weg.

Schmerztyp:
Die Schmerzen beim Reizdarmsyndrom treten an verschiednen Stellen des Darmes auf und haben unterschiedlichen Charakter. Es besteht entweder ein stechender Dauerschmerz, der Schmerz kommt in Wellen, es treten seitenstichartige Schmerzen auf oder es ist ein eher dumpfer Schmerz mit Druckgefühl.

Die Beschwerden des Reizdarmsyndroms sind sehr allgemein. Sie können bei vielen anderen Erkrankungen des Darmes ebenfalls auftreten. Bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird, müssen alle anderen Erkrankungen ausgeschlossen werden. Das erfordert oft einen gehörigen Aufwand an Laboruntersuchungen und Gerätemedizin. Mögliche andere Ursachen für solche Symptome sind:

  • gynäkologische Erkrankungen, insbesondere der Eierstöcke
  • Darminfektionen mit Bakterien und Würmern
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie z.B. Lactoseintoleranz, Fruktoseunverträglichkeit und Unverträglichkeit von Weizen oder seinem Klebereiweiß

Achtung, bei folgenden Symptomen ist dringend ein Arztbesuch angeraten:

  • Fieber, akut, oder regelmäßig wiederkehrend
  • erheblicher und ungewollter Gewichtsverlust
  • Durchfall in der Nacht
  • Blut im Stuhl

Ursachen des Reizdarmsyndroms

Infektionen des Darmes als Ursache für die Entstehung eines Reizdarmsyndroms

Neuere Studien belegen, das ein Reizdarmsyndrom durch eine bakterielle Infektion hervor gerufen werden kann. Hauptverdächtiger in diesem Fall ist das Bakterium Campylobacter jejuni. Zumindest ist es besonders häufig an der Entstehung von Reizzuständen im Darm beteiligt. Bisher lässt sich nur jeder 10. Fall von Reizdarmsyndrom auf bakterielle Entzündungen des Darmes im Vorfeld zurück führen. Aber in den Studien wurden ausschließlich Infektionen mit Bakterien untersucht, nicht aber solche mit Würmern. So ist es möglich, dass die Dunkelziffer recht hoch ist. Insbesondere bei Kindern ist die Ansteckung mit Würmern noch immer keine Seltenheit.

Campylobacter jejuni
Das Bakterium Campylobacter jejuni ist einer der Hauptverdächtigen unter den Bakterien. Löst eine Infektion mit ihm das Reizdarmsyndrom aus?

erhöhte Aktivität der Immunzellen in der Darmschleimhaut von Betroffenen nachgewiesen

In Gewebeproben der Darmschleimhaut von Menschen mit Reizdarmsyndrom konnten Abwehrzellen des Immunsystems und deren Botenstoffe in erhöhter Menge nachgewiesen werden. Hier entstehen schnell Fragen nach dem Warum. Es gibt die Möglichkeit, das die Betroffenen an einer nicht erkannten Infektion leiden. Aber es ist auch möglich, dass es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf, als fremd erkannte Eiweiße, handelt. Ebenso ist schlicht eine Fehlsteuerung des Immunsystems möglich.  Warum es also zu dieser Reaktion des Immunsystems kommt, ist noch nicht geklärt.

gestörter Serotoninhaushalt

Beim Reizdarmsyndrom ist oft der Serotoninhaushalt im Darm gestört. Serotonin ist ein Gewebshormon und gleichzeitig auch ein Neurotransmitter. Es wird im Darm selbst hergestellt. Der Neurotransmitter beeinflusst unter anderem, wie Schmerz wahrgenommen wird. Wenn also das Nervensystem des Darmes bei Reizdarmsyndrom aktiviert wird, ist es nicht in der Lage präzise zu regulieren, wie viel Serotonin es ausschüttet. Deshalb nehmen Erkrankte ihren Darm oft stärker wahr als Gesunde und empfinden Schmerzen, wo andere nichts fühlen. 

Erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut bei Reizdarmsyndrom

Hier kommt das vielzitierte >Leaky Gut Syndrom< ins Spiel. Um diesen Begriff gab es in letzter Zeit einen regelrechten Hype. Auf den ersten Blick scheint die These vom löchrigen Darm recht plausibel. Ja, dieses Phänomen einer erhöhten Durchlässigkeit der Dünndarmwand existiert tatsächlich. Die Darmwand hat die Aufgabe, Schadstoffe und auch Erreger daran zu hindern in den Körper einzudringen. Andererseits sollen aber Nährstoffe aus der Nahrung durch sie hindurch in den Körper gelangen. Diese Nährstoffe in den Körper zu bringen ist Ziel des Verdauungsprozesses. Die Dünndarmschleimhaut besitzt Transportkanäle, die eben dafür gedacht sind. Also ist sie von Natur aus nicht vollkommen dicht. Wie und ob diese Kanäle sich öffnen, steuern verschiedene Botenstoffe. All das ist aber noch nicht ausreichend erforscht. Bei einigen Erkrankungen des Darmes, auch dem Reizdarmsyndrom haben Mediziner beobachtet, das die Darmschleimhaut durchlässiger als gewöhnlich ist. Außerdem ist bekannt, das es Medikamente gibt (NSAR: z.B. Ibuprofen, Aspirin) die die Verbindungen zwischen den Zellen der Darmschleimhaut schwächen und sie damit durchlässiger machen. Einen ähnlichen Effekt soll auch Alkoholmißbrauch haben.
Nun stellt sich hier aber die Frage: Kann man behaupten, das eine durchlässigere Darmschleimhaut die Ursache einer Erkrankung ist, nur weil sie dabei auftritt? Vielleicht ist sie ja einfach die Folge des Reizdarmsyndroms und nicht die Ursache? Und so stehen die Wissenschafter hier wieder einmal vor der klassischen Henne – Ei – Problematik.

Stress und Überforderung lösen das Reizdarmsyndrom aus und/oder verstärken es

Egal womit uns das Leben gerade konfrontiert: Kummer, Ärger, Nervosität, Angst oder Stress bei der Arbeit, all das führt nachweislich zu Veränderungen im Verdauungstrakt. Bei akutem Stress steigt die Säureproduktion im Magen, die Bewegungen des Darmes nehmen zu und das Immunsystem kommt in Wallung. Allerdings hängt diese Abfolge von vielen Dingen ab. Menschen reagieren nicht alle gleich auf Stress. Und es ist auch ein Unterschied da, ob man seinen Stress als etwas Negatives empfindet oder ob man auf allen Kesseln feuert und sich positive Gefühle einstellen, wenn man ein Problem gelöst hat.

gestörtes Darmbiom bei Reizdarmsyndrom

Eine gestörte Darmflora oder moderner ausgedrückt ein gestörtes Darmbiom kann zur Entstehung eines Reizdarmsyndroms beitragen. Wenn die gesunde und natürliche Mischung der nützlichen Bakterien und anderen Mikroorganismen in unserem Darm aus dem Gleichgewicht gerät, entstehen vermehrt Gase im Darm und die gesamte Darmfunktion wird beeinträchtigt. Solch ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Darmflora entsteht durch Antibiotikaeinnahme aber auch durch Magen-Darm-Infekte.

Bakterien des Verdauungstraktes unter der Lupe

Störungen der Eigenbewegung des Darmes

Das als “Bauchhirn” bezeichnete eigenständige Nervensystem des Darmes reguliert die Bewegungen des Darmes, wenn Nahrung hinein gelangt und die Darmwand sich dehnt. Gemeinsam mit dem Botenstoff Serotonin steuert das Darmnevensystem die Bewegungen der Darmmuskulatur.
Man vermutet nun, das bei einem Reizdarmsyndrom dieses Nervensystem der Darmmuskulatur fehlerhafte Anweisungen übermittelt. Die Muskeln ziehen sich zu schnell, im falschen Moment oder zu langsam zusammen. Auch besteht die Möglichkeit, das die Muskeln sich nicht mehr richtig entspannen können. Bei einigen Betroffenen wird der Nahrungsbrei dadurch zu schnell transportiert. Dadurch kann dem Nahrungsbrei im Dickdarm nicht genügend Wasser entzogen werden und es entsteht Durchfall. Bewegt sich die Muskulatur aber zu langsam, kommt es zur Entstehung einer Verstopfung. Auch die gefürchteten Krämpfe bei Reizdarm lassen sich so erklären. 

Diagnose des Reizdarmsyndroms

Die Diagnose Reizdarmsyndrom wird erst dann gestellt, wenn der Arzt alle anderen möglichen Ursachen für die Beschwerden definitiv ausschließen konnte. Es handelt sich als um das, was Ärzte eine Ausschlussdiagnose nennen.
Bei Verdacht auf ein Reizdarmsyndrom geht am besten zum Gastroenterologen oder einem Facharzt für innere Medizin!

Der Arzt wird euch nach Vorerkrankungen und den aktuellen Beschwerden fragen.
Sinnvoll wäre es wirklich, wenn ihr im Vorfeld des Arztbesuchs genau aufschreibt, was ihr wann gegessen und getrunken habt und welche Beschwerden aufgetreten sind. So kann der Arzt mit euch gemeinsam Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und Getränken und euren Beschwerden finden.
Es gibt auch spezielle Fragebögen für das Reizdarmsyndrom.

Hieran schließt sich meist eine körperliche Untersuchung an.
Der Arzt hört mit einem Stethoskop den Bauch ab(Auskultation). Dabei kann er die Darmgeräusche hören. Bei Reizdarmsyndrom entsteht häufig eine vermehrte Darmbewegung. 
Danach klopft er mit den Fingern leicht auf die Bauchdecke. Man kann am Klang unterscheiden ob der Darm mit Luft oder mit Stuhl gefüllt ist. Bei Blähungen hört man eine charakteristische Resonanz.
Schließlich tastet der Arzt den Bauch mit den Händen zunächst oberflächlich, dann etwas tiefer ab, um fest zu stellen ob bei der Untersuchung Schmerzen entstehen und ob bestimmte Abschnitte des Darmes verdickt sind.

Untersuchungen bei Reizdarmsyndrom

Ultraschalluntersuchungen des gesamten Bauchraumes, Laboruntersuchungen, Magenspiegelung und Darmspiegelung sowie verschiedene Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten stehen nun auf dem Programm.

Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes:
Mit dieser Untersuchung können vor allem andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Erkrankungen der Leber, der Gallenblase, der Gallengänge, der Bauchspeicheldrüse und der Nieren können mittels Ultraschall entdeckt werden. Auch ist zu sehen, ob die Darmwand verdickt ist. Das wäre ein Hinweis auf eine Entzündung. Insbesondere bei Reizdarmpatienten mit Blähungen ist diese Untersuchung bezogen auf den Darm nur sehr begrenzt aussagefähig, denn die Darmgase stören das Ultraschallbild.

Laboruntersuchungen:
Hier kommen Blutproben, Urinproben und Stuhlproben zum Einsatz. Es wird unter anderem nach Entzündungsmarkern gefahndet. Diese würden auf ein Entzündunggeschehen oder eine Infektion hinweisen und das wäre untypisch für das Reizdarmsyndrom. Mittels Stuhlproben wird nach Befall mit Würmern gefahndet.

Magen- und Darmspiegelung:
Je nach Art der Beschwerden wird eine Magen- oder/und Darmspiegelung durchgeführt. Bei dieser Untersuchung kann der Arzt die Schleimhäute von Magen und Dickdarm visuell begutachten und aus auffälligen Bereichen kleine Proben (Biopsie) entnehmen, um sie anschließend im Labor untersuchen zu lassen. Bei Reizdarmsyndrom ist die Darmschleimhaut charakteristisch verändert. Allerdings treten solche Veränderungen auch bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auf. Hierbei handelt es sich um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Untersuchung der Speiseröhre mittels Fiberoptikendoskop

Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten liegen oft sehr ähnliche Symptome vor, wie beim Reizdarmsyndrom. 
Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Milchzucker), Fruktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Fruchtzucker) aber auch eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)  lassen sich durch einfache Tests bestätigen oder eben ausschließen.

  • Um eine Zöliakie nach zuweisen, wird eine Blutprobe auf bestimmte Antikörper untersucht. Ist dieser Test positiv ausgefallen, wird eine Probe aus der Schleimhaut des Dünndarmes unter dem Mikroskop untersucht.
  • Der H²-Atemtest dient dazu, eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz nachzuweisen.
  • Manche Ärzte lassen auch einen sogenannten Lactulose-Mannitol-Test machen. Dieser Test soll Hinweise darauf geben, ob der Darm des Patienten durchlässiger als normal ist.

Behandlungsstrategien beim Reizdarmsyndrom

Es gibt keinen allgemeingültigen Therapieansatz für Reizdarmpatienten. Es können nur die Beschwerden therapiert werden. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Und so unterschiedlich wie die Patienten sind auch die Beschwerdebilder.
Reizdarmpatienten sollten sich genau beobachten. Es ist hier sehr sinnvoll eine Art Tagebuch zu führen über auftretende Beschwerden, die Ernährung und Einflussfaktoren wie Stress und psychische Belastungen. So könnt ihr auf schnellstem Wege der Experte für eure Erkrankung werden. 

Therapie von Durchfall

Beim Reizdarmsyndrom kann man den Durchfall mit verschiedenen Medikamenten und auch mit Hausmitteln behandeln.
Wasserlösliche Ballaststoffe wie Johannisbrotkernmehl, das Pektin des Apfels oder Flohsamen können den Durchfall stoppen. Wichtig ist hier besonders, das die Flüssigkeitszufuhr gesteigert wird, damit der Körper nicht austrocknet. Bei sehr starkem Durchfall oder bei Kindern mit Durchfall und einem Reizdarm sollte auf Elektrolytlösungen zurück gegriffen werden.
Gerbstoffe aus sehr lange gezogenem schwarzen Tee und Eichenrindentee, die man auch in Kapselform in der Apotheke kaufen kann, bremsen die Darmbewegung und wirken Entzündungsprozessen im Darm entgegen.
Das Medikament Loperamid ist in der Lage die Darmmuskulatur, die bei Reizdarm meist übererregt ist, ruhig zu stellen. Dadurch verweilt der Stuhl länger im Darm und es kann mehr Wasser entzogen werden. Das stoppt den Durchfall. Loperamid darf nur kurzzeitig und streng nach Angabe des Arztes eingenommen werden, denn es ist ein wenn auch entfernter Verwandter des Opiums. Das Medikament würde sonst zu massiven Verstopfungen führen.
Sog. Gallensäurenbildner wie Cholestyramin heften sich an die Gallensäuren in unserem Darm und sorgen so dafür, das sie ihre durchfallfördernde Wirkung verlieren. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn die Gallensäuren in unserem Darm spielen eine wesentliche Rolle für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Bei Langzeitgebrauch drohen Mangelzustände.

Therapie von Verstopfungen bei Reizdarm

Beim Reizdarmsyndrom ist körperliche Bewegung und viel Trinken (zwei bis drei Liter am Tag sollten es schon sein) sehr wichtig. Auch die ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen ist wichtig. Es hat sich die Einnahme von Flohsamenschalen bewährt. 
Wenn all das nicht hilft kann Macrogol eingesetzt werden. Das ist ein Wasser ziehender Stoff, der verhindert, das dem Stuhl durch zu lange Verweildauer im Darm zu viel Wasser entzogen wird und er so zu hart wird.
Auch kann man Abführmittel aus der Apotheke anwenden, wenn man mit anderen Mitteln keinen Erfolg hatte. Die Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat sind hier besonders geeignet. Meist werden sie als Zäpfchen oder Miniklistier eingesetzt. Ihre Anwendung sollte aber nur kurzzeitig erfolgen.

Krämpfe und Schmerzen

Oft geht die Verstopfung mit Krämpfen und Schmerzen einher. Hier helfen meist pflanzliche Medikamente. Besonders bewährt haben sich Pfefferminzöl und Kümmelöl in Kapselform eingenommen. Dadurch gelangen sie unbeschadet dorthin, wo sie gebraucht werden, in den Darm. Natürlich helfen auch Teezubereitungen aus Anis und Fenchel.
Bringen pflanzliche Mittel nicht genügend Erleichterung hat sich der Wirkstoff Butylscopolamin bewährt. Man verwendet ihn oft zusammen mit Paracetamol. Auch Trospiumchlorid und Mebeverin werden als krampflösende Mittel bei Reizdarmsyndrom angewandt. Diese Medikamente dürft ihr aber nicht dauerhaft einsetzen. Die genannten pflanzlichen Mittel dagegen gelten auch bei Daueranwendung bei richtiger Dosierung als unbedenklich.

Aktuelle Forschungen von Universitäten in Leipzig und München zeigten unabhängig von einander, das Mischungen aus Myrrhe, Kamillenblütenblättern und Kaffeekohle (Myrrhinil-Intest-Tabletten) Krämpfe des Darmes deutlich und nachhaltig lindern kann, besonders bei Reizdarm.

Mittel gegen Blähungen bei Reizdarm

Bei einem Reizdarmsyndrom bildet sich durch die gestörte Darmbewegung und veränderte Verwertung der Nahrung oft viele Gase. Diese gehen aber bei dieser Erkrankung nicht spontan ab und können neben enormem aufgebläht sein auch Schmerzen und Krämpfe verursachen. Auch hier können Kapseln oder Tees mit Kümmel oder Pfefferminze, Fenchel und Anis helfen. Sie wirken nicht nur akut sondern können auch langfristig zur Vorbeugung eingesetzt werden. Auch der Einsatz von Verdauungsenzymen (z.B: Cotazym, Enzymed, Kreon, Ozym, Panpur u.a.)hilft manchen Betroffenen.
Reichen diese Mittel nicht aus, so kann auf entschäumende Mittel wie Simethicon und Dimethicon zurück gegriffen werden.

alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Reizdarmsyndrom

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die ihr als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen könnt. Sie sollen das gestörte Darmbiom wieder ins Gleichgewicht bringen. Es ist noch nicht abschließend geklärt ob diese Mittel wirken und wenn ja, welche zum Einsatz kommen sollten. 
Allerdings verdichten sich Hinweise darauf, dass solche Mittel mit Bifidobakterium bifidum tatsächlich helfen könnten. 
Möglicherweise wirken solche Nahrungsergänzungsmittel besonders gut bei Menschen, die sich das Reizdarmsyndrom durch eine vorher gehende Magen-Darm-Infektion zu gezogen haben.

Auch die Homöopathie hält einige Präparate bereit, die eine lindernde und vorbeugende Wirkung haben sollen.

  • Alpenveilchen (Cyclamen)
  • Zitwerblüte (Cina artemisia)
  • Cericum oxalicum
  • Bismutoxidnitrat (Bismutum subnitricum)

Lasst euch am besten in der Apotheke dazu beraten.

Auch das Schüssler Salz Kalium sulfuricum soll helfen.

Hilfe und Linderung durch Entspannung bei Reizdarmsyndrom

Ihr solltet beobachten, ob psychische oder körperliche Belastungssituationen eure Reizdarmsymptome auslösen oder verschlimmern. Versucht es einfach einmal mit Tagebuch schreiben. Damit könnt ihr solche Zusammenhänge viel leichter erkennen.
Eine Freundin , die einen, ein wenig abwegigen Humor hat, sagte mir einmal folgendes: “Da du gerade fragst, wie es mir so geht. Also mein Reizdarm ist vor 2 Monaten endgültig ausgezogen. Er hieß übrigens mit Vornamen Manfred. Seit drei, vier Wochen geht es mir deutlich besser. Danke für den Tipp mit dem Tagebuch!”
Wie der Arzt also sagt: >>Vermeiden sie die bekannten Stressoren!<<
Aber so ‘einfach’ ist es nicht immer.
>>Lernen Sie mit Stress besser umzugehen und ihn aktiv ab zubauen.<< Das ist auch ein überaus beliebter Satz der Ärzteschaft.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Yoga tatsächlich hilft. Auch autogenes Training und progressive Muskelentspannung sollen gute Ergebnisse bringen. Und eines hilft auch: Seid einfach ein bisschen lockerer und verlangt nicht immer totale Perfektion von euch! 

Psychotherapie bei Reizdarm?

Reizdarm und Depressionen oder/und Angststörungen bilden häufig eine verhängnisvolle Trias. Manchmal verstärken sie sich auch gegenseitig. Werden die psychischen Symptome mit Antidepressiva behandelt, bessern sich oft auch die Reizdarmsymptome. Antidepressiva beeinflussen die Darmmuskulatur und wirken schmerzlindernd, weil sie Einfluss auf bestimmte Neurotransmitter haben.

Ernährung bei Reizdarm

Eine allgemein gültige Empfehlung zur Ernährung bei Reizdarm gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Denn bei Durchfall gelten ganz andere Regeln als bei Verstopfung. Jeder reagiert ganz individuell auf verschiedene Nahrungsmittel.
Besonders umstritten sind Ballaststoffe. Nicht jeder reagiert gut auf sie. Bei Verstopfung sollten sie aber probiert werden. Und in flüssiger Form sollen sie auch bei Durchfall und Blähungen helfen.

Ein paar allgemein gültige Tipps gibt es aber dennoch:

  1. Nehmt euch Zeit für die Mahlzeiten. Esst in einer angenehmen Umgebung und lasst das Handy dabei in der Tasche.
  2. Esst wenn irgend möglich immer zur selben Zeit.
  3. Trinkt ausreichend, möglichst Wasser ohne Kohlensäure.
  4. Esst langsam und bewusst.
  5. Versucht nicht unnötig viel Luft herunter zu schlucken
  6. Verteilt die Nahrungsaufnahme auf mindestens 5 Mahlzeiten.
  7. Esst kleine Portionen.
  8. Esst besonders abends nicht zu üppig.
  9. Hiermit haben sehr viele Reizdarmpatienten Probleme: Fettes Essen, Hülsenfrüchte, Kaffee, Alkohol, Nikotin, Milchprodukte, Weißmehl, Fertigprodukte und Zuckeraustauschstoffe

Low FODMAP-Diät bei Reizdarmsyndrom

Bei der Low Fodmap-Ernährung handelt es sich um ein neues Konzept, das noch nicht endgültig belegt ist. Es scheint, als sei wieder einmal ein Hype entstanden und dieses Ernährungskonzept wird nun zum neuen Zauberwort für Magen-Darm-Patienten. Hinter dieser recht eingängigen Abkürzung  stecken die etwas sperrigen Namen einiger Nährstoffe, die die Medizin für diverse Verdauungsprobleme verantwortlich macht: >>fermentierende Oliosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide and Polyole<<.
Es sind alle samt Kohlenhydrate und Zuckeralkohole. Bei gesunden Menschen werden all diese Stoffe im Dünndarm restlos abgebaut. Aber bei Menschen mit Darmerkrankungen werden sie nicht vollständig aufgespalten und gelangen so in den Dickdarm. Da angekommen ziehen sie entweder Wasser in den Darm und es kommt zu Durchfällen oder sie werden dort von Bakterien unter Bildung von Gasen abgebaut. Die Folge sind Blähungen und Völlegefühl.

Das Fruchtzuckerproblem

Die Lebensmittelindustrie setzt ihren Erzeugnissen in den letzten Jahren zunehmend Fruchtzucker (Fruktose) zu oder es wird modifizierter Zuckerrübensirup verwendet. Fruchtzucker ist anscheinend einfach billiger als Zucker aus Zuckerrüben (normaler Haushaltszucker). 
In den letzten Jahren belegten mehrere Studien, das sich eine Ernährungsumstellung auf Nahrungsmittel mit niedrigen Fodmap-Gehalten positiv auf die Beschwerden bei Reizdarm auswirken kann.
Wenn ihr eine solche Ernährung versuchen wollt, sprecht aber vorher mit eurem Arzt, denn vielleicht benötigt ihr eine medikamentöse Basistherapie.

Es funktioniert so:
Es werden alle Nahrungsmittel mit hohem Fodmap-Gehalt vom Speiseplan genommen. Lassen die Beschwerden tatsächlich nach, so kann langsam und schrittweise nach etwa 6 bis 8 Wochen damit begonnen werden, einzelne Nahrungsmittel wieder auf den Tisch zu bringen. Etwa eines pro Woche. Treten dabei keine Beschwerden auf, kann die Menge erhöht werden. Geht auch das nicht mit weiteren Beschwerden einher, kann der Patient das nächste Nahrungsmittel ausprobieren.

viele Foodmaps:
Äpfel, Kirschen, Mangos, Birnen, Aprikosen, Pflaumen, Pfirsiche, Wassermelonen, Blumenkohl, Brokkoli, Hülsenfrüchte, Pilze, Knoblauch, Zuckerschoten, Zwiebeln, Buttermilch, Ricotta, Frischkäse, Milch, Kekse, Kuchen, Nudeln, Brot, Honig und synthetische Süßungsmittel (Xylit, Maltit, Sorbit, Mannit, Isomalt)

wenige Fodmaps:
Honigmelonen, Kiwis, Weintrauben, Zitrusfrüchte, Bananen, Grapefruit, Himbeeren, Kürbisse, Karotten, Kopsalat, Mais, Paprika, Gurken, Sellerie, Tomaten, Zucchini, reifer Käse, Briekäse, Feta , glutenfreie Getreideprodukte, Traubenzucker, Saccharose (Haushaltszucker)

Weiterführende Hilfe bietet: Deutsche Reizdarmselbsthilfe e.V. 

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