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Zwerchfell und Reflux

Einführung

Zwerchfell und Reflux stehen in engem Zusammenhang. Wenn bei Reflux die Rede vom Zwerchfell ist, dann geht es meist um den Zwerchfellbruch. Er ist es, den die Medizin als den Schuldigen am Reflux erkennt und oft genug rät man uns zu einer Operation. Mit der soll dann alles wieder in Ordnung kommen! Bei größeren Zwerchfellbrüchen ist das vielleicht auch so. Wie aber entsteht der Zwerchfellbruch?
Ist es wirklich nur der Zwerchfellbruch, der uns zu schaffen macht?
Oder hat der Muskel Zwerchfell noch ein paar Überraschungen für uns bereit?
Hat er gar Nachbarn, die ihm zu schaffen machen und ihn aus dem Gleichgewicht bringen?

Zwerchfell, anatomische Lage
Inhalt

Zwerchfell und Reflux - die Zusammenhänge

Nicht nur der oft ins Feld geführte Zwerchfellbruch kann zu Reflux führen, sondern auch verschiedene muskuläre Ungleichgewichte in nahegelegenen anatomischen Strukturen wie zum Beispiel die Muskeln zwischen unseren Rippen. Besonders die beiden uns aufrecht haltenden Muskeln, der Muskulus Psoas major und minor und der Muskulus quadratus lumborum überlappen sich teilweise mit den Pfeilern des Zwerchfells. Sind diese Muskeln fehlbelastet, so wirkt sich dies auch auf Zwerchfell und Beckenboden aus.

Die 5 Aufgaben des Zwerchfells in unserem Körper

Der Muskel Zwerchfell ist unser wichtigster Atemmuskel. Es ist drei bis 5 Millimeter dick und leistet in Ruhe ca.70% der zur Einatmung benötigten Arbeit.

  1. Seine Hauptaufgabe liegt in der Ausführung der Einatmung. Durch Zusammenziehen des Zwerchfells entsteht ein Unterdruck im Brustraum und Luft wird eingesogen.
  2. Die Pfeiler des Zwerchfells und auch die Muskel-Sehnenplatte stabilisieren unsere Wirbelsäule beim Heben und Tragen von Lasten.
  3. Das Zwerchfell moduliert unsere Stimme. Es steuert den Luftfluss entlang der Stimmbänder. Die Beweglichkeit des Zwerchfells ist wichtig für die Betonung der Stimme.
  4. Es hilft durch seine Auf-und Abwärtsbewegungen Flüssigkeiten wie Lymphe oder Blut im Körper zu mobilisieren.
  5. Es kommt zu einer Massagewirkung und damit Hilfe für die Verdauung, wenn sich das Zwerchfell hebt und senkt.

Die Zwerchfellhernie - der zentrale Teil des Zusammenhanges zwischen Zwerchfell und Reflux

Der Zwerchfellbruch ist ein, bei Gastroenterologen wie auch ihren Patienten, beliebtes Thema. Die meisten von uns glauben wahrscheinlich, dass es sich um einen echten Eingeweidebruch handelt. Wir denken dann an eine Ausstülpung von Organen aus einer Körperhöhle durch eine Bruchpforte nach außen oder in eine Nachbarhöhle. So ist es beispielsweise bei einem Leistenbruch. Dabei wölbt sich ein Teil des Darmes, umgeben von einem Bruchsack, dem Bauchfell, in den Leistenkanal vor.
Denken wir aber über die Entstehung von Brüchen nach, so kommt schnell die Bruchpforte ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine Lücke in der Wand einer Körperhöhle oder zwischen Muskelsträngen. Wie aber ist es nun im Falle unserer Zwerchfellhernie?

Spezialfall Zwerchfellbruch

Bei einem Zwerchfellbruch (Hiatus Ösophagus) werden Eingeweide aus dem Bauch in den Brustraum verlagert. Aber eigentlich handelt es sich nicht um einen echten Bruch, denn es gibt keinen Bruchsack. Vielmehr ist zumindest der Hiatus Ösophagus lediglich eine Erweiterung einer Durchtrittsstelle
Nun sollten wir uns fragen, wie eine solche Erweiterung entstehen kann.
Die Speiseröhre tritt durch die Hiatusschlinge durch das Zwerchfell. Hier sind also verschlungene Muskelstränge des Zwerchfells dafür verantwortlich, dass unser Magen nicht durch das Zwerchfell in den Brustraum tritt oder eben doch, zumindest in Teilen. Meist gleitet das Ende der Speiseröhre mit samt dem unteren Speiseröhrenschließmuskel (man nennt diese anatomische Struktur auch Cardia oder Mageneingang) nach oben in den Brustraum. Das oft zitierte eingeklemmte Zwerchfell ist allerdings eine glatte Fehlinterpretation unserer Anatomie, denn es handelt sich bei dem Geschehen eigentlich um eine bloße Erweiterung einer physiologischen Öffnung. Hier ist der Zusammenhang zwischen Zwerchfell und Reflux relativ offensichtlich.

Was sind die Ursachen für eine Erweiterung der Hiatusschlinge? Wie sieht er aus, der Zusammenhang zwischen Zwerchfell und Reflux?

Für die Erweiterung der Hiatusschlinge, also des Durchtritts durch das Zwerchfell für die Speiseröhre gibt es eine ganze Reihe von Ursachen.
Sowohl muskuläre Ursachen als auch Druckerhöhungen im Bauchraum und eine generelle Schwäche des Zwerchfells können die Ursache für einen Zwerchfellbruch sein. Husten, starkes Erbrechen, eine Schwangerschaft, große Anstrengung beim Stuhlgang, schweres Heben, eine Geburt, höheres Alter oder zu viele Pfunde können ebenfalls die Entstehung eines Zwerchfellbruches begünstigen.
Ein Zwerchfell mit schwach ausgebildeten Muskeln kann, ebenso wie muskuläre Ungleichgewichte und Verspannungen, zur Erweiterung der Hiatusschlinge führen und somit auch deutlich einen Zusammenhang zwischen Zwerchfell und Reflux herstellen.

Das verspannte Zwerchfell

Zu den muskulären Ursachen für eine erweiterte Hiatusschlinge zählen Verspannungen des Zwerchfelldomes aber auch der Zwerchfellwurzeln, die an der Wirbelsäule sitzen, also den Lendenteil des Zwerchfells bilden. Das Zwerchfell ist nach dem Herzen unser wichtigster Muskel. Lange Zeit wurde ihm aber kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Je nach medizinischem Fachgebiet berücksichtigte man das Zwerchfell als Durchtrittsstelle für Venen, Arterien und die Speiseröhre oder als Muskel-und Sehnenplatte, auf der das Herz festgewachsen war. Ohne Zwerchfell können wir nicht ausreichend atmen, eine Zwerchfelllähmung führt, wenn sie beidseitig auftritt, unter Umständen sogar zum Tod.
Was hat das alles aber jetzt mit Reflux zu tun?
 Wenn die muskuläre Balance im Körper gestört ist, betrifft dies auch das Zwerchfell und mit ihm die Hiatusschlinge. Lässt deren Spannung nach, so erweitert sich die Durchtrittsstelle der Speiseröhre unter Umständen erheblich. Das führt dann dazu, dass es für den oberen Teil des Magens leichter wird, an dieser Stelle durch das Zwerchfell hindurchzutreten. Geschieht dies, dann wird auch die Funktion des Speiseröhrenschließmuskels geschwächt, denn ihm fehlt nun die Unterstützung durch die Muskeln der Hiatusschlinge. So kann es dann auch leicht zur Entstehung der Refluxkrankheit kommen.

Was ist eine Verspannung?

Verspannungen kann man am besten als anhaltende Mikrokrämpfe beschreiben. Diese Krämpfe entstehen, wenn die Nerven, die den jeweiligen Muskel ansteuern, ihm also im Normalbetrieb das Signal zur Kontraktion geben, zu viele Signale senden, die zu so einer Art Dauerkontraktion führen. Somit ist die Anspannung im betroffenen Muskel kontinuierlich erhöht. Hieraus folgt eine Störung der Durchblutung des Muskelgewebes und dadurch bedingt, entsteht ein Sauerstoffmangel im betroffenen Muskel.
Die Folge sind Muskelverspannungen wie wir sie als typische verhärtete und schmerzende Muskeln im Rückenbereich, in Form einer Nackenverspannung oder als verspannte Schultern kennen. Aber genau dieser Mechanismus kann auch beim Zwerchfell greifen.

Wo liegt der Zusammenhang zischen verspanntem Zwerchfell und Reflux?

Für ein verspanntes Zwerchfell gibt es einige Ursachen. Wer acht Stunden oder länger und ohne Mittagspause am PC sitzt und sich abends aufs Sofa fallen lässt, muss ebenso mit Verspannungen rechnen wie jemand der stundenlang immer die gleichen Bewegungen ausführt. Wenn unsere Muskulatur immer nur auf monotone Weise beansprucht wird und nicht ausreichend gelockert und trainiert, sind Verspannungen die Folge. Und genau wie allen anderen Muskeln in unserem Körper geht es auch dem Zwerchfell, auch wenn an diesen Muskel meist zu Allerletzt gedacht wird.
Aber auch Stress und psychische Faktoren können auf die Anspannung unserer Muskeln Einfluss nehmen. Das Zusammenspiel von Psyche und Körper wird schon lange diskutiert. Heute wissen wir, dass es viele körperliche Beschwerden gibt, die auf seelische Probleme zurückzuführen sind. Das gilt nicht nur für den Neurodermitis-Schub oder den Migräneanfall. Auch unsere Muskeln reagieren mit erhöhter Anspannung auf negativen Stress und so auch unser Zwerchfell.

Auswirkungen eines verspannten Zwerchfells

Die Probleme, die ein verspanntes Zwerchfell auslösen kann sind sehr vielfältig. 

  1. Rückenbeschwerden wie Verspannungen und Schmerzen sind sehr häufig auch Folge eines verspannten Zwerchfells.
  2. Nackenschmerzen und Verspannungen des Schultergürtels sind besonders wenn sie sehr hartnäckig sind und immer wieder auftreten häufig ebenfalls Ergebnis eines verspannten Zwerchfells.
  3. Kopfschmerzen treten häufig auch durch Zwerchfellverspannungen auf. Außerdem kommt es immer wieder auch zu Problemen mit der Statik des Körpers, wenn das Zwerchfell verspannt ist.
  4. Oft kommt es bei Zwerchfellverspannungen auch zu Blockierungen von Rippen oder Brustwirbeln.
  5. Weiter können durch Zwerchfellverspannungen auch Beckenfehlstellungen, sogenannte Beckenverwringungen entstehen.
  6. Oft treten auch Brustenge-Gefühle und Atemprobleme auf.
  7. Da das Herz oben auf dem Zwerchfell festgewachsen ist, treten durch Verspannungen der Muskel-und Sehnenplatte Zwerchfell auch Herzrhythmusstörungen und Blutdruckprobleme auf, wenn dort Verspannungen vorliegen.
  8. Durch eingeschränkte Zwerchfellbeweglichkeit, wie sie bei Verspannungen häufig entsteht, kann es zu Verdauungsproblemen kommen. Hierbei ist besonders der so entstehende Reflux deutlich wahrnehmbar.
  9. Da durch das Zwerchfell und seine physiologischen Öffnungen auch Nerven verlaufen, namentlich der Vagusnerv, der neben der Speiseröhre durch die Hiatusschlinge tritt, kann auch dieser beeinträchtigt werden und es kann zu emotionaler Unausgeglichenheit kommen.

Zwerchfell und Reflux durch zu langes Sitzen

Was hat denn das Zwerchfell mit zu langem Sitzen zu tun, werdet ihr euch jetzt fragen. Die Antwort wird euch überraschen.
Durch das Zwerchfell ziehen die beiden Muskeln, die uns aufrecht halten. Der Muskulus quadratus lumborum und der Muskulus psoas major. Sie ziehen von der Wirbelsäule direkt hinter dem Zwerchfell ins Becken. Das aber bedeutet, dass sie auch auf die Spannung im Zwerchfell Einfluss nehmen, denn es kommt hier zu einer Überlappung. Wenn diesen Muskeln eben das widerfährt, was man eine Verspannung nennt, weil sie, wenn wir sitzen oder Autofahren, den ganzen Tag über angespannt sind, dann verspannen sie und sie verhärten und verkürzen sich, denn sie werden kaum noch gedehnt. Verhärtete und verkrampfte, eben verspannte Muskeln aber nehmen mehr Platz in Anspruch und verändern anatomische Strukturen. Wenn also diese beiden Muskeln, wie in der Abbildung zu sehen, gegen den Lendenteil des Zwerchfells Druck ausüben, dann kann das ebenfalls zu Verspannungen im Zwerchfell führen. Wird der Lendenteil des Zwerchfells aber durch Druck der anderen Muskeln beeinflusst, so kann das auch Folgen für die Hiatusschlinge haben, denn die liegt nur wenige Zentimeter entfernt und so wird dort die muskuläre Balance gestört und die gesamte anatomische Struktur verändert. Auch so kann ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) entstehen! 
Genaueres dazu erfahrt ihr hier >> Reflux durch zu häufiges Sitzen?

Zusammenhang von verkrampftem Zwerchfell und Zwerchfellbruch

Mit dem verkrampften Zwerchfell und dem Zwerchfellbruch ist es wie mit dem Huhn und dem Ei. Niemand kann so recht sagen, was zuerst da war.

Die durchaus gängige Erklärung der meisten Mediziner zu diesem Thema lautet: Wer einen Zwerchfellbruch hat, dem gleiten Teile des Magens durch die Hiatusschlinge in den Brustraum. Dort kommt es zu Platzproblemen und die veränderten Druckverhältnisse führen zu Verkrampfungen am Zwerchfell.
Wie der Zwerchfellbruch entstanden ist und warum sagen sie nicht.

Neuerdings aber gibt es auch eine andere Erklärung: Durch verhärtete und verkrampfte Muskeln in der Nähe des Zwerchfells werden die Druck- und Zugkräfte in unserem Rumpf und besonders im Zwerchfell so umverteilt, dass es zu Verkrampfungen kommt, die ihrerseits die Hiatusschlinge durchlässiger machen oder erweitern. So gelangen Anteile des Magens leichter in den Brustraum und verstärken dort durch ihre Raumforderung die Verkrampfungen im Zwerchfell.

Der Nervus phrenicus - der Nerv, der unser Zwerchfell steuert

Kaum Einer kennt ihn, aber wir hatten alle schon mal Ärger mit ihm. Der Nervus phrenicus entspringt aus dem 3., 4. und 5. Halssegment des Rückenmarkes und bei jedem 5. von uns gibt es auch noch zusätzliche Nebennerven (Nervi phrenici accessorii) aus den unteren Halssegmenten. Wenn sich der eine oder andere nun an seinen Befund vom Orthopäden erinnert, bei dem da die Rede davon war, dass mit dem 3. bis 5. Halswirbel etwas nicht in Ordnung sei, dann könnte das Unheil vielleicht hier seinen Anfang genommen haben.
Der Nervus phrenicus steuert die Bewegungen unseres Zwerchfells. Wird dieser Nerv gereizt, so kommt es zu Schluckauf (Singultus). Der Schluckauf entsteht durch das plötzliche Zusammenziehen des Zwerchfells, das wir willentlich nicht steuern können. Man vermutet als Ursache des Schluckaufs eine Reizung des Nervus phrenicus, der ja das Zwerchfell motorisch versorgt. Ursache für den lästigen aber meist harmlosen Schluckauf kann der Verzehr einer üppigen Mahlzeit, heftiges Lachen oder Aufregung sein. Auch das Seitenstechen wird von einigen Experten dem Zwerchfell zugeschrieben. Dazu gibt es aber noch keinen medizinischen Beweis. 

Der Nervus Vagus - tritt mit der Speiseröhre gemeinsam durch das Zwerchfell

Der Vagusnerv ist Teil des vegetativen Nervensystems, man nennt es auch autonomes oder viszerales Nervensystem. Autonom heißt es, weil wir es nicht bewusst steuern können und viszeral weil es die Verbindung zwischen unserem Gehirn und den inneren Organen darstellt. Neue Befunde zeigen, dass das vegetative Nervensystem und das somatische, welches für die bewusste Wahrnehmung der Umwelt durch Sehen, Hören und fühlen zuständig ist, viel enger zusammenarbeiten als früher gedacht. Nun verläuft der hintere Ast des Vagusnervs gemeinsam mit der Speiseröhre durch die Hiatusschlinge um dort die Versorgung des Magens zu gewährleisten. Was aber geschieht, wenn Teile des Magens durch diese physiologische Pforte nach oben gedrückt werden? ⇒ Auch der Vagusnerv wird gequetscht!
Was das für Folgen haben kann, erfahrt ihr hier >>Nerven und Reflux

Welche Aufgaben hat der hintere Ast des Vagusnervs, der den Magen versorgt?

Dieser Teil des Vagusnervs, der ja durch die Hiatusschlinge in den Bauchraum gelangt, innerviert die unteren zwei Drittel der Speiseröhre und seine motorischen Phasern durchziehen Magen, Milz, Leber, Nieren, Gallenblase, Harnblase, Dünndarm und große Teile des Dickdarms. Der Vagusnerv ist an der Bildung von Magensäure maßgeblich beteiligt und er reguliert auch die Eigenbewegung des Magens. Der Vagusnerv kontrolliert aber auch die Bewegungen des Darmes, er reguliert das Hungergefühl, nimmt Einfluss auf unsere Stimmung, stimuliert die Gallenblase, reguliert unseren Herzrhythmus und unsere Schweißabsonderung.
Vergegenwärtigen wir uns diese Zusammenhänge, so wird viel klarer, weshalb uns Verdauungsprobleme so sehr aus der Bahn werfen. Und nun, können wir auch Verstehen, weshalb es zu allerlei Begleitbeschwerden kommt, wenn sich unser Magen durch die Hiatusschlinge drückt.

Schwaches Zwerchfell durch zu flache Atmung?

Von den meisten Ärzten hören wir, das Zwerchfell sei unser wichtigster Atemmuskel und da wir ja dauernd atmen, sei dieser Muskel auch ausreichend trainiert. Aber stimmt das wirklich? Besonders jene von uns, die einer sitzenden Tätigkeit nachgehen unterfordern das Zwerchfell oder besser die Zwerchfellatmung oft über viele Stunden. Der Sauerstoffbedarf im Sitzen sinkt und meist wird nur flach mit der Brustatmung, die über die Anspannung der Muskeln zwischen unseren Rippen funktioniert, geatmet.

Die Speiseröhre und ihr Einfluss auf Zwerchfell und Reflux

Die Muskelkontraktionen der Speiseröhre während des Schluckaktes können den unteren Speiseröhrenschließmuskel (Ösophagussphinkter / Cardia) nach oben ziehen, denn diese Muskeln sind längs orientiert. Diese Längskontraktion ist genau oberhalb der Cardia am stärksten.
In dieser Region der Speiseröhre, also genau oberhalb des Speiseröhrenschließmuskels ist diese Zusammenziehung am stärksten.
In dieser Region befinden sich auch Nerven und ihre Aufgabe ist es, genau in dem Moment, wenn Nahrung in diesen Abschnitt gelangt, dafür zu sorgen, dass sich der letzte Teil der Speiseröhre entspannt, damit die Nahrung in den Magen gelangen kann. Funktionieren diese Nerven normal, wird die Speiseröhre nicht nach oben gezogen. Wenn aber dieser Mechanismus schlecht oder gar nicht funktioniert, kann eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch) entstehen, denn die Längskontraktion in diesem Abschnitt findet statt und fixiert den unteren Speiseröhrenschließmuskel / Cardia in der Öffnung des Zwerchfells, die wir als Hiatusschlinge kennen.  

Wenn es nun auch noch einen Verlust an Elastizität in der Speiseröhre und ihrem unteren Schließmuskel gibt, wird dieses Problem noch wahrscheinlicher.

Was könnt ihr tun, um euer Zwerchfell wieder richtig funktionieren zu lassen?

Versucht einfach dem Geschehen in eurem Körper einmal nachzuspüren. 
Durch ein gezieltes Bauchatmungstraining zum Beispiel, durch Stimulierung des Vagusnervs, Joga, autogenes Training und vor allem eine so gründliche wie kritische Selbstreflektion kann es gelingen, die Vorgänge in unserem Körper besser zu verstehen und zu beeinflussen. Auch Reflux ist kein Schicksal und sollte adäquat behandelt werden, aber auch die Suche nach seinen Ursachen und Auslösern kann ein erster Schritt zur Lösung des Problems sein. Nicht jeder Reflux lässt sich durch Ernährung beeinflussen, aber eine angemessene Ernährung bei Reflux ist meist ein Grundbaustein des Weges. Wir müssen die eigenen Schwachstellen erkennen, sie akzeptieren, als das was sie sind, nämlich ein Teil von uns. Erst dann können wir daran arbeiten, unseren persönlichen Weg zu mehr Gelassenheit und Gesundheit zu gehen, auf unseren Körper zu hören und so wird auch der Reflux eines Tages hinter uns liegen.

Fazit

Sie sind vielfältig, die Beziehungen zwischen Zwerchfell und Reflux. Auch die Speiseröhre selbst, also der Ort des Geschehens kann zum Auftreten von Reflux führen, wenn ihre Funktion gestört ist.  Wie so oft, sind die Beziehungen zwischen unseren Organen, Muskeln und Nerven nicht einfach zu verstehen. Dennoch ist es eben dieses Verständnis, dass uns einen Weg aus unserem Dilemma aufzeigen kann. 

Quellen

 

  • Calais-German, Blandine. Anatomy of Movement. Seattle: Eastland Press, 1993.
  • Schünke, Michael., Schulte, Erik, and Schumacher, Udo. Prometheus: Lernatlas der Anatomie. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag, 2007
  • Armbrust, K.: Über angeborene Hernia diaphragmatica dextra hepatis. Mschr. Kinderheilk. 100, 442 (1952).
  • https://biermann-medizin.de/stimulation-des-vagusnerven-beeinflusst-den-magen/?cn-reloaded=1
  • Eherer Aj, Netolitzky F, Högenauer C, Puschnig G, Hinterleitner TA, Scheidl S, Kraxner W, Krejs GJ, Hoffmann KM. Positive effect of abdominal breathing exercise on gastroesophageal reflux disease: a randomized, controlled study. Am J Gastroenterol 2012; 107: 372-378 (doi:10.1038/ajg.2011.420)
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22146488/
Über die Autorin
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Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.

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