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Barrett-Speiseröhre

Barrett-Speiseröhre

Die Barrett-Speiseröhre ist das, mit sehr viel Angst belegte, Synonym der Entstehung von Schleimhautveränderungen in der Speiseröhre durch langjährig verstärkten Reflux. Doch was genau ist denn nun eine Barrett-Speiseröhre und wie häufig entsteht daraus tatsächlich Krebs?
Immer wieder werden Stimmen laut, die behaupten, dass mit der Barrett-Angst hauptsächlich Kasse gemacht werden soll und die Statistiken ein wenig verdreht wurden. 
Ich bin der Sache einmal nachgegangen und habe Erstaunliches gefunden!

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Was ist ein Barrett-Ösophagus?

Viele Menschen, die ihren Reflux schon länger, oft viele Jahre mit sich herumschleppen, fürchten ihn, den Barrett-Ösophagus oder die Barrett-Speiseröhre. Benannt wurde die Barrett-Speiseröhre nach ihrem Erstbeschreiber , dem britischen Chirurgen Norman Barrett, 1903 – 1979. Doch was ist das eigentlich?

Was führt zur Entstehung einer Barrett-Speiseröhre?

Langjähriger Reflux oder besser die Refluxkrankheit durch verschiedene Auslöser bedingt, ist die Ursache der Bildung einer Barrett-Speiseröhre. 
Es handelt sich um eine Schutzreaktion des Körpers.
Dabei überwächst säureresistente Magenschleimhaut die zarte und empfindliche Speiseröhrenschleimhaut im unteren Bereich. 
Wie oben in der Abbildung zu sehen, überwuchert hier Magenschleimhaut, die außerhalb des Magens anzutreffen ist, den untersten Teil der Speiseröhre, um so die oberste Schleimhautschicht der Speiseröhrenauskleidung zu schützen.
In letzter Zeit kommt beim Thema Barrett-Speiseröhre auch immer wieder der sogenannte Gallereflux ins Spiel. dabei handelt es sich um das zurückfließen von nicht saurem Mageninhalt in die Speiseröhre.

Barrett-Speiseröhre
Samir धर्म, Copyrighted free use, via Wikimedia Commons, Barrett-Ösophagus

Was heißt das für Betroffene?

Zunächst einmal heißt es, dass sie dringend ihren Reflux in den Griff bekommen sollten!
Bei den meisten Barrett-Betroffenen liegen vor der Entstehung eines Barrett-Ösophagus bereits chronische Entzündungen der Speiseröhre vor, die eventuell schon zu Verengungen im unteren Teil Speiseröhre geführt haben. Das kann zur Entstehung von Schluckstörungen führen.

Risikofaktoren, die zur Entstehung einer Barrett-Speiseröhre führen können

Es gibt einige Risikofaktoren, die zur Entstehung eines Barrett-Ösophagus beitragen können:

  • langjährige und inadäquat behandelte Refluxkrankheit
  • männliches Geschlecht
  • Alter +50
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Vorkommen von Speiseröhrenkrebs in der Familie
  • kaukasischer Hauttyp (weißer Hauttyp)

Behandlung der Barrett-Speiseröhre

Ist keine Krebsvorstufe (Dysplasie) nachgewiesen, so sollte im Abstand von 3-5 Jahren eine Speiseröhrenspiegelung zur Kontrolle erfolgen. Der Befall des Magens mit Helicobacter pylori scheint übrigens das Risiko einen Barrett-Ösophagus zu bekommen, zu senken. Denn bei Anwesenheit des Bakteriums ist weniger Magensäure vorhanden.
Die Beschreibung des Barrett-Befundes auf Arztbriefen erfolgt nach den sogenannten Prag-Kriterien: Die länge der Veränderungen wird in Zentimeter mit der Bezeichnung C vermerkt und die zusätzlichen Ausläufer werden mit der Bezeichnung M in Zentimeter vermerkt. Gemessen wird vom Übergang zwischen Magen und Speiseröhre.
In Deutschland muss zur Diagnosesicherung bei Barrett-Ösophagus mittels Probenahme bei einer Endoskopie der Nachweis von sogenannten Becherzellen erfolgen. Becherzellen kommen in der Lunge und auch im Darm vor. Es sind schleimbildende Zellen, die ganz sicher nicht in die Speiseröhre gehören.
Die Kriterien, wann eine Barett-Speiseröhre vorliegt oder eben nicht, variieren von land zu Land sowohl in Europa als auch weltweit ziemlich stark.

Behandlung bei nachgewiesener Krebsvorstufe

Hier zielt die Behandlung darauf ab, das veränderte Gewebe schonend zu entfernen, ehe es bösartig wird.
In den vergangenen Jahren hat sich in Europa bei einem Barrett-Ösophagus besonders die Radiofrequenzablation durchgesetzt. Dabei wird mit einem Katheter die veränderte Schleimhaut der Barrett-Speiseröhre oberflächlich mit Strom verödet, so dass die ursprünglich vorhandene Speiseröhrenschleimhaut wieder nachwachsen kann. Diese Methode ist sehr schonend und wird ambulant oder mit einem sehr kurzen stationären Aufenthalt im Rahmen einer Magenspiegelung durchgeführt.

Die Schleimhaut muss durch einen erfahrenen Spezialisten begutachtet werden, der ein möglichst mit hoher Bildqualität ausgestattetes Endoskop benutzt. Existieren verdächtige Areale, die eventuell bereits zur Krebsfrühformen geworden sind, so werden sie zuerst durch eine endoskopische Schleimhautentfernung (endoskopische Mukosaresektion, EMR) entfernt. Die Erfolgsquote liegt hier bei 90%

Weitere Behandlungsmöglichkeiten der Barrett-Speiseröhre sind die Argonplasmakoagulation und die Kryotherapie.
Bei der Behandlung der Barrett-Speiseröhre kommen immer Protonenpumpeninhibitoren zum Einsatz, es sei denn, der Patient entscheidet sich für eine Operation seines  Zwerchfellbruchs.

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Wie entstand die Krebsangst bei Betroffenen der Barrett-Speiseröhre?

Fest steht, dass viele, jedoch nicht alle, Betroffenen von Speiseröhrenkrebs (Adeno-Karzinom) einen Barrett-Ösophagus haben. Deshalb gilt seit der Jahrhundertwende eine Barrett-Speiseröhre als wichtigster Risikofaktor zur Entstehung von Speiseröhrenkrebs. Und es wird allen Betroffenen empfohlen, sich regelmäßig,  zunächst nach einem und später nach jeweils zwei oder drei Jahren zur Speiseröhrenspiegelung einzufinden.
Doch wie nicht nur ich feststellen musste, haben diese Zahlen wenig mit medizinischer Notwendigkeit zutun. Jedoch haben sie offenbar viel mit den ökonomischen Wunschvorstellungen sowohl ambulanter Untersucher als auch stationärer Dienstleister, sprich Krankenhäuser zu tun.

Barrett-Angst: Wie man eine Statistik manipulieren kann

Wie fast immer lässt sich ein Paradigmenwechsel in der Medizin auf eine einzelne Studie zurückführen. Meist ist es eine Studie, die von sehr renommierten Universitäten und ihren Forscherkollektiven gemacht wurde. So war es auch im Falle der Barrett-Speiseröhre.
Ein Forscherkollektiv aus drei Gastroenterologen aus Stanford/USA erarbeitete im Jahr 2002 die erstaunliche Erkenntnis, dass bei einem Viertel aller über 50 Jährigen eine Barrett-Speiseröhre vorläge.
Doch wie kamen die Forscher zu dieser Aussage? Um zu solchen Zahlen zu gelangen, muss man zunächst den Anteil der Erkrankung, in diesem Falle des Barrett-Ösophagus, an der Gesamtbevölkerung ermitteln. Und das taten die Forscher aus Stanford dann wie folgt:

Sie untersuchten einfach Menschen, die weder unter Reflux litten, noch das Krankenhaus wegen Magen-Darm-Problemen betraten, sondern wegen ganz anderer Beschwerden dort erschienen, mittels eines Gastroskops. Ob sie deren Einwilligung hatten, an ihnen zu forschen, ist nicht bekannt. Damit ermittelten sie diesen offenbar  viel zu hohen Wert einer Häufigkeit der Barrett-Speiseröhre. Das das alles andere als seriös und schon gar nicht von wissenschaftlicher Relevanz war, ließen sie unter den Tisch fallen.

Man kann sich vorstellen, dass diese ‚Erkenntnis‘ aus dem August des Jahres 2002 für die Gastroenterologen und auch für die Pharmaindustrie eine reine Freude war.

Statistik vs. Realität: Wie häufig ist Speiseröhrenkrebs tatsächlich?

Das statistische Bundesamt in Wiesbaden sagt, der Anteil der über 50 Jährigen in Deutschland lag im Jahre 2010 bei 40,6%. Das ergäbe eine konkrete Zahl von 33.188.721. Rechnet man nun 150 € pro Nachuntersuchung, so kommt die reputierliche Summe von 1,2 Milliarden € für die Dienstleister zusammen! 

Hinzu kommen dann noch die jüngeren Betroffenen! Das Ergebnis: Diese Krebsart wird von sogenannten Experten schnell zu einer der häufigsten in Deutschland erklärt! Sie behaupten, dass die Erkrankungsrate an Speiseröhrenkrebs bei 0,5% läge, das wären 40.000 Menschen pro Jahr.

Doch was sagt das deutsche Tumorregister dazu?
Es sagt, dass Speiseröhrenkrebs zu den sehr seltenen Krebsarten in Deutschland und weltweit gehört. So sterben in Deutschland im Jahr rund 4.800 Menschen an Tumoren der Speiseröhre. Das sind 0,006% der Gesamtbevölkerung.
Zum Vergleich: Es sterben insgesamt an allen Krebsarten pro Jahr mehr als 200.000 Menschen in der Gesamtbevölkerung.

Die Barrett-Speiseröhre wird nur sehr selten zu einem Speiseröhrenkrebs

Alle, die in der Gastroenterologie arbeiten wissen, die klinische Wirklichkeit sieht ganz anders aus, als die in der wackeligen Studie ermittelte Häufigkeit.
Doch nur selten hört man kritische Stimmen zu diesem Thema.

Eine dänische Studie aus dem Jahre 2011 jedoch wagte als erste, diese Zahlen anzuzweifeln. Dänische Gastroenterologen der Universität Aarhus haben 11.000 Menschen mit Barrett-Ösophagus über im Mittel 5,2 Jahre beobachtet. Dabei fanden sie heraus, dass die tatsächlichen Fallzahlen von Speiseröhrenkrebs, der aus einer Barrett-Speiseröhre entsteht, mindestens vier Mal niedriger sind als die des derzeitigen Erklärungsmodells.

Bei einem Erkrankungsrisiko von 0,12% pro Jahr anstatt 0,5% wie bisher angenommen, ist es zumindest fraglich, ob die bis heute ständig angesetzten Nachuntersuchungen ohne potentiell bösartige Zellveränderungen angebracht sind.

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Fazit

Angst und in diesem Falle Krebsangst ist längst ein Wirtschaftsfaktor geworden. Es ist geradezu erschreckend, wie seit Jahren gelogen und getrickst wird! Und das alles auf Kosten der Betroffenen! Sie sind es, die sich ohnehin schon mit ihrer Refluxkrankheit herumschlagen müssen und nun werden auch noch künstlich herbeigeredete Ängste geschürt, um Kasse zu machen! 

Die Rubensteinstudie von 2010 bekräftigt noch einmal, das das Risiko für Frauen mit Refluxkrankheit Speiseröhrenkrebs zu bekommen genauso niedrig ist, wie es das Risiko für Männer ist, an Brustkrebs zu erkranken!

Selbst für Männer steigt das Risiko erst in einem Alter über 70 merklich an.
Seit mehr als 11 Jahren werden diese Studien mehrheitlich ignoriert und statt dessen, die Stanford-Studie kritiklos übernommen! Das Betroffene in überflüssiger Krebsangst leben wird ebenso ignoriert, wie andere qualitativ bessere Studien!  Den Betroffenen bleibt nur, sich zu informieren und gegen unsinnige Untersuchungen zu protestieren!

Quellen:

  • Rubenstein JH, Scheiman JM, Sadeghi S, Whiteman D, Inadomi JM: Esophageal Adenocarcinoma Incidence in Individuals With Gastroesophageal Reflux: Synthesis and Estimates From Population Studies. Am J Gastroenterol. 2010 Dec 7 (Kurzfassung).
  • Norton A: No need for esophageal cancer screen despite heartburn. Thomson Reuters, New York City, 15.12.2010 (Text).
  • United European Gastroenterology Week (UEGW). Stockholm/Schweden, 22.-26.10.2011 (uegw11.uegf.org).
  • Kadri SR, Lao-Sirieix P, O’Donovan M, Debiram I, Das M, Blazeby JM, Emery J, Boussioutas A, Morris H, Walter FM, Pharoah P, Hardwick RH, Fitzgerald RC: Acceptability and accuracy of a non-endoscopic screening test for Barrett’s oesophagus in primary care: cohort study. BMJ. 2010 Sep 10;341:c4372 (Kurzfassung).
  • Triadifilopoulos G: Cytosponge for Barrett’s esophagus screening: when smart science matches simplicity. Gastroenterology. 2011 Aug;141(2):766-8; discussion 768 (Kurzfassung).
  • Gerson Lb, Shelter k,Triadopoulos G: Prevalence of Barrett’s esophagus in asymptomatic individuals. Gastroenterology.2002 August; 123 (2):461-7 
  • Kaatsch P, Spix c,Katalinik A, Hentschel S, Baras N, Barnes B, Bertz J, dahm S, Haberland J. Kraywinkel K, Laudi A, Wolf U: Krebs in Deutschland 2007/2008 (8.Ausgabe) Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID), Berlin, 2012.
  • Hvid-Jensen F, Pedersen l, Drewes AM, Sørensen HT, Funch-Jensen P: Incidence of adenocarcinoma among patients with Barrett’s esophagus. N Engl J Med. 2011 Oktober 13;365(15):1375-83
Über die Autorin
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Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.

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