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chronische Speiseröhrenentzündung

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Einführung

Die Erkrankung eosinophile Ösophagitis oder auch chronische Speiseröhrenentzündung ist erst seit etwa 30 Jahren bekannt. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre auch als Asthma der Speiseröhre bekannt. Dadurch kommt es zu immer wiederkehrenden Beschwerden beim Schlucken von Essen. Die Speise bleibt nach dem Schlucken kurz in der Speiseröhre hängen. In seltenen Fällen kommt es zur kompletten Verengung, so dass kein Nahrungstransport mehr möglich ist.
Wenn ihr zwar ein Brennen in der Speiseröhre verspürt, jedoch kein Brennen im Magen habt, dann lohnt es sich für euch diesen Artikel zu lesen.
Die Ursache dieser Erkrankung ist ein gestörtes Immunsystem. Ähnlich wie bei einer Allergie sind verschiedene Nahrungsmittel Auslöser der Entzündung in der Speiseröhre die besonders durch die Bildung von Eosinophilen gekennzeichnet ist. Doch die eosinophile Ösophagitis ist keine übliche Allergie, sondern eine spezielle Form von Nahrungsmittelallergie. die chronische Entzündung der Speiseröhre ist die zweithäufigste Erkrankung der Speiseröhre nach der Refluxkrankheit.

Symptome einer chronischen Speiseröhrenentzündung

Viele Betroffene mit chronischer Speiseröhrenentzündung haben schon viele Jahre Beschwerden, ehe sie die Diagnose eosinophile Ösophagitis bekommen.

  • Schluckstörungen und
  • Brustschmerzen sind quälend und führen oft zu Gewichtsverlust.
  • Besonders bei festen Speisen müssen sie häufig würgen, auch wenn sie gründlich kauen.
  • Der Speisebrei bleibt auf dem Weg in den Magen immer wieder hängen. Sobald die Speisen dann im Magen angekommen sind, sind auch die Beschwerden vorüber.
  • Betroffene essen oft sehr langsam, kauen intensiv und trinken immer wieder während des Essens.
  • Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen klagt auch über ein Brennen hinter dem Brustbein. Doch hier liegt ein entscheidender Unterschied zu Sodbrennen oder der Refluxkrankheit. Dieses Brennen steigt nicht aus dem Magen auf! Es betrifft ausschließlich die Speiseröhre.
  • Bei den meisten Betroffenen kommt es typischerweise auch immer mal wieder zu einer akuten Blockade der Speiseröhre. Ein Stück Nahrung bleibt stecken und lässt sich weder hervorwürgen noch runterschlucken. Oft geschieht dies beim Verzehr von Fleisch. Ärzte nennen es Steakhouse-Syndrom. Es ist eine sogenannte „Bolusobstruktion der Speiseröhre“.

Symptome bei Kindern

Bei Kindern zeigt sich die chronische Speiseröhrenentzündung darin, dass sie ungern essen oder die Nahrung ganz verweigern. Dadurch kann es zu Gedeih- und Wachstumsstörungen kommen. Viele aber nicht alle Kinder mit eosinophiler Speiseröhrenentzündung haben Schmerzen im Brustbereich oder im Bauch. Sie haben Durchfall, erbrechen und würgen Nahrung hoch. Manchmal kommt es auch zu Übelkeit, Aufstoßen und Husten.

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Diagnose bei chronischer Speiseröhrenentzündung

Im Mittelpunkt steht hier eine Magenspiegelung. Dabei werden mindestens sechs Biopsien aus verschiedenen Abschnitten der Speiseröhre entnommen.
Eine Diagnosesicherung durch Blutwerte ist derzeit nicht möglich. Es gibt keine Biomarker wie etwa IgE-Marker bei Allergien oder Marker eosinophiler Granulozyten, die eine entsprechende genauigkeit aufweisen.

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Wie wird behandelt?

Es gibt vier Therapieansätze. Der erste ist die Hemmung der Bildung von Magensäure durch Medikamente wie Protonenpumpeninhibitoren. Der Zweite ist die lokale Therapie mit Kortison-Präparaten und der dritte sind sogenannte Auslassdiäten.
Bei Verengungen der Speiseröhre kann im Rahmen der Magenspiegelung eine Aufweitung versucht werden.

Die Therapie erfolgt über längere Zeiträume und in Absprache mit dem Patienten. 
Im Falle der Auslassdiät wird quasi getestet, welche Nahrungsmittel die Beschwerden triggern. Allergologen führen ins Feld, dass eine Ernährung ohne Kuhmilchprotein, Weizen, Ei, Soja, Baumnüsse und Meeresfrüchte bei einer chronischen Speiseröhrenentzündung zu 75% wirksam ist.

Biologika (monoklonale Antikörper) werden derzeit in klinischen Studien getestet. Im Routineeinsatz ist jedoch noch kein solches Präparat.
Nach jeweils 6 bis 12 Wochen sollte eine signifikante Besserung eingetreten sein.

Bei chronischer Speiseröhrenentzündung ist immer dauerhafte Behandlung notwendig!

Da die chronische Speiseröhrenentzündung nicht heilbar ist (auch nicht durch striktes Einhalten einer entsprechenden Diät), dient die Therapie zur Zurückdrängung der Entzündungsreaktion, um Folgeschäden zu vermeiden. Betroffene müssen in enger Absprache mit ihrem Arzt stehen, stets auf Symptome achten und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen.
Außerdem ist es möglich eine leichte Form der chronischen Speiseröhrenentzündung oder eosinophilen Ösophagitis nicht zu bemerken. Nach etwa 6-12 Wochen nach Therapiebeginn sollte die erste Kontrolluntersuchung stattfinden.

Einsatz von lokal wirksamen Kortison-Präparaten

Diese Präparate wirken direkt auf die Schleimhaut der Speiseröhre und hemmen dort Entzündungen. Die Medikamente werden direkt auf die Schleimhaut aufgebracht und dort auch schnell abgebaut.
Über den Blutkreislauf gelangt nur wenig in die Leber. Sie sind weit besser verträglich als systemisch wirkendes Kortison in Tablettenform. Mit lokal wirksamen Kortison-Präparaten wird schon in den ersten Wochen der Therapie eine deutliche Linderung der Beschwerden erzielt.
Diese Medikamente gelten als nebenwirkungsarm. In einigen Fällen jedoch kann es zu einer leichten Pilzinfektion in der Speiseröhre kommen, die meist gut zu behandeln ist.

Wie wirksam sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI) zur Behandlung der chronischen Speiseröhrenenzündung

In klinischen Studien sprechen 30-50% der Betroffenen auf eine Behandlung mit einem PPI an. Sie sind allerdings eigentlich nicht zur Behandlung der chronischen Speiseröhrenentzündung zugelassen. Die Wirkung von PPI bei Patienten mit eosinophiler Ösophagitis beruht dabei offenbar nicht auf der Hemmung der Magensäureproduktion. Vielmehr könnte sie einem immunmodulieren Effekt der PPI in der Speiseröhrenwand zu verdanken sein.
Allerdings gibt es keine Studien, in denen die Therapie mit Placebo-Gabe verglichen wurde. Es gibt also weder Aussagen über die Wirksamkeit noch über die Therapiedauer.

Behandlung mittels Diät

Die häufigsten Nahrungsmittel die eine allergische Reaktion in der Speiseröhre auslösen sind tierische Milch und Milchprodukte, Weizen und andere glutenhaltige Getreide, Soja, Hülsenfrüchte, Eier, Nüsse und Fisch oder Meeresfrüchte. All diese Lebensmittel aus dem Speiseplan zu verdammen bedeutet eine massive Einschränkung des täglichen Speiseplanes. 

Einsatz aminosäurebasierter Nährlösungen bei der Behandlung der chronischen Speiseröhrenentzündung

Diese Art der Behandlung ist bei über 90% der Betroffenen wirksam, aber sie auch sehr belastend. Die Nährlösung hat einen unangenehmen Geschmack und muss bei häuslicher Therapie getrunken werden. Kinder und Jugendliche tolerieren den Geschmack in der Regel nicht. Bei schweren Fällen wird bei ihnen die Lösung bei einem stationären Aufenthalt durch eine Nasensonde verabreicht.
Da die Betroffenen nichts anderes dabei essen dürfen, entscheiden sich nur sehr wenige Erwachsene für diese Art der Therapie.

versuchsweise Auslassdiät bei chronischer Speiseröhrenentzündung

Bei dieser Therapieform werden zu Beginn tierische Milch und Milchprodukte, Weizen und andere glutenhaltige Getreide, Eier, Soja, Hülsenfrüchte, Nüsse und Fisch sowie Meeresfrüchte von Ernährungsplan gestrichen. Danach wird eine Endoskopie durchgeführt und die eosinophilen Plaques in der Speiseröhre sollten verschwunden sein.

Dann werden die einzelnen Nahrungsmittel mit einem Abstand von 8 Wochen vorsichtig wieder eingeführt. Jeweils 8 Wochen nach der Wiedereinführung einer Nahrungsmittelkategorie wird dann wieder eine Endoskopie mit Biopsie durchgeführt. So versucht man festzustellen, welche Nahrungsmittel die eosinophile Ösophagitis provozieren. Das Bedeutet aber bis zu 8 Magenspiegelungen mit Biopsien pro Jahr! 
In der Praxis wird so allerdings kaum vorgegangen.

Step up -Eliminations-Diät

Um die Anzahl der Magen- bzw. Speiseröhrenspiegelungen auf ein erträgliches Maß zu senken, gibt es das Step-Up-Verfahren. Hierbei werden erst einmal tierische Milch und Weizen/Gluten aus dem Speiseplan verbannt.
Sprechen die Betroffenen darauf nicht an, so kommen weitere zwei und noch einmal zwei Kategorien von Lebensmitteln hinzu. Durch dieses Schema kann die Anzahl der anstehenden Magenspiegelungen um etwa 20% gesenkt werden.
Doch auch hier gilt: Gelingt es, die auslösenden Nahrungsmittel zu identifizieren, so muss darauf für immer verzichtet werden. Hier ist dann spätestens der Gang zum Ernährungsberater angesagt.
Und das Ganze ist nicht in einer einzigen Sitzung zu bewerkstelligen.

Endoskopische Weitung zur Behandlung von chronischer Speiseröhrenentzündung

Die Weitung oder Dilatation der Speiseröhre wird, bei dort nach langjähriger Entzündung auftretenden Verengungen und Vernarbungen durchgeführt.
Diese und deren Auswirkungen können durch medikamentöse Behandlung nicht rückgängig gemacht werden.
Der Durchmesser der Speiseröhre wird hierbei durch eine mechanische Dehnungsbehandlung an den entsprechenden Stellen vergrößert. Das erfolgt durch aufblasbare Ballone im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung.

 Manchmal wird auch eine sogenannte Bougierung vorgenommen. Dabei wird ein Draht in den Magen eingelegt, über den konisch geformte Plastikstäbe vorgeschoben werden. ein solcher Eingriff dauert ungefähr 10 Minuten und wird in leichter Sedierung vorgenommen.
Die Entzündung allerdings wird bei dieser Behandlung nicht behandelt und es kann zu weiteren Engstellen in der Speiseröhre kommen.
Nach diesem Eingriff kann es zwei bis drei Tage zu Schluckschmerzen kommen.

Risiken bei unbehandelter eosinophiler Ösophagitis

Mit der Zeit entstehen durch die dauernde Entzündung in der Speiseröhre Engstellen durch Umbauvorgänge. Aber anders als bei der Refluxkrankheit gibt es weder ein erhöhtes Risiko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken noch ist die Lebenserwartung verkürzt.

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Quellen

Über die Autorin
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Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.