Gastroparese - Wenn der Magen sich zu langsam entleert

Die Gastroparese stellt eine Störung der Magenentleerung dar. Sie wird häufig auch als Magenlähmung bezeichnet. Was so aber nicht ganz richtig ist. Sie bedeutet vor allem eine verzögerte Magenentleerung.
Oft, aber nicht immer ist die Gastroparese die Folge einer Diabeteserkrankung. Durch den Diabetes kommt es zu Schäden an den Nerven die die Bewegung der Muskeln in der Magenwand steuern. Dadurch transportiert der Magen seinen Inhalt verzögert weiter in den Zwölffingerdarm. Besonders bei schlechter Blutzuckereinstellung und langjährigem Diabetes ist das Risiko an Gastoparese zu erkranken erhöht.

Gastroparese

Die Gastroparese galt früher als Erkrankung von schlecht eingestellten Diabetikern. Aber mittlerweile weiß man, das vermutlich viele der Refluxpatienten auch an einer Gastroparese leiden, oder der Reflux sogar von einer Gastroparese ausgelöst wird. 

Inhalt:

Was genau ist eigentlich eine Gastroparese?

Bei einer Gastroparese kommt es zur Einschränkung der Eigenbewegung des Magens. Man bezeichnet das Krankheitsbild auch als Magenatonie, das bedeutet soviel wie Schlaffheit, während das Wort Parese für eine unvollständige Lähmung steht. Das heißt etwas lax formuliert, unser Magen macht schlapp, seine glatte Muskulatur arbeitet nicht wie sie sollte und auch der obere und untere Schließmuskel (unterer Ösophagussphinkter und Pylorus oder Magenpförtner) arbeiten nicht richtig.

Welche Ursachen hat die Erkrankung?

Eine häufige Ursache der Gastroparese ist eine Schädigung der Nerven. Im Falle einer Diabeteserkrankung wird eine solche Schädigung durch die erhöhten Blutzuckerwerte verursacht. Jeder dritte Diabetiker leidet unter Störungen der Nerven, und das gilt auch für das autonome Nervensystem. Dieses Nervensystem, umgangssprachlich auch Bauchhirn genannt, steuert die Tätigkeit des Magens. Ist das Nervengeflecht innerhalb der Muskulatur des Magens gestört oder sogar zerstört, beeinträchtigt das die Motilität  erheblich.
Das Nervensystem kann auch durch Autoimmunerkrankungen geschädigt werden. Schäden an den Nerven entstehen ebenfalls durch Entzündungen und hormonelle Störungen. Selten können auch Erbkrankheiten, die mit Nervenschädigungen einhergehen eine Gastroparese auslösen. Ebenfalls als Auslöser von Nervenschädigungen gilt Alkoholmissbrauch und Nikotinkonsum.
In früheren Jahren, bevor es wirklich wirksame Medikamente zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren gab, wurde bei schweren Fällen eine sogenannte Vagotomie vorgenommen. Dabei wurden die Äste des 10. Hirnnervs, des Vagusnervs, durchtrennt, um so dafür zu sorgen, das sich die Produktion von Magensäure verringert. Dieser Nerv des Bauchhirnes ist unter anderem dafür verantwortlich, das die Belegzellen im Magen das Signal zur Säureproduktion bekommen. Leider kam es aber immer wieder zur Auslösung einer Gastroparese. Schließlich können auch Muskelerkrankungen für die Auslösung der Erkrankung verantwortlich sein.

Symptome bei Gastoparese

Die Beschwerden der Erkrankung entstehen durch die gestörte und vor allem verzögerte Magenentleerung.

  • Völlegefühl nach dem Essen
  • vorzeitiges Sättigungsgefühl
  • Übelkeit und Erbrechen unverdauter Nahrung
  • Appetitmangel
  • Gewichtsverlust

Eine häufige Komplikation der Gastroparese stellt die Entzündung der Speiseröhre durch sauren Magensaft dar. Das Krankheitsbild ist als Refluxkrankheit bekannt. Bei der Gastroparese ist auch der Speiseröhrenschließmuskel, der die Speiseröhre vom Magen trennt in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch gelangen Bestandteile der Nahrung und Magensäure in die Speiseröhre.

Besonders nachts, wenn sie sich bücken oder Lasten heben stoßen die Betroffenen Mageninhalt auf. Die Magensäure und das darin enthaltene Pepsin reizen die Schleimhäute der Speiseröhre, des Kehlkopfes und manchmal auch der Lunge.

Untersuchungen bei Verdacht auf Gastroparese

Sollte eine Gastroparese vermutet werden, so wird meist zunächst eine Ösophagogastroduodenografie umgangssprachlich Magenspiegelung oder Gastroskopie durchgeführt. Dabei kann der Arzt sehen, ob es Schleimhautveränderungen in Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm gibt oder ob es Probleme mit dem oberen und unteren Schließmuskel des Magens gibt.

Um eine Gastroparese definitiv zu beweisen, wird die Magenentleerungszeit bestimmt. Dabei nimmt der Betroffene nach 8 bis 10 Stunden Nüchternheit zunächst eine normale Mahlzeit ein. Während dieser Mahlzeit schluckt er eine Kapsel mit einem röntgendichten Marker. 6 Stunden später macht man dann eine Röntgenaufnahme des Bauchraumes im Liegen. Der Arzt kann so die Transportzeit der Kapsel genau bestimmen und einschätzen, wie schnell oder langsam die Nahrung zusammen mit der Kapsel den Magen verlassen hat.

Elektrogastrographie

Bei der Elekrogastrographie(EGG) wird ähnlich wie beim EKG des Herzens die Aufzeichnung elektrischer Aktivität des Magens über aufgeklebte Hautelektroden an bestimmten Bereichen des Oberbauches durchgeführt. Die Messelektroden werden entlang der Achse des Mageneingangs platziert. Sie wird nur selten und an spezialisierten Zentren angeboten.

weitere Tests

Es gibt zwei nicht belastende Atemtests zur Messung der Magenentleerung fester und flüssiger Substanzen, der ¹³C-Oktansäure-Atemtest und ¹³C-Acetat-Atemtest.

Für diese Tests müssen die Betroffenen ein spezielles Frühstück oder eine Testlösung einnehmen und danach in bestimmten Abständen in Beutel pusten.

Der ¹³C-Oktansäure-Atemtest dient der Messung der Magenentleerung fester Substanzen. Dafür nimmt man ein mit der Säure angereichertes Testfrühstück zu sich. Die Fettsäure nimmt der Körper auf, sobald sie den Magen verlässt. Der Körper verstoffwechselt sie rasch zu ¹³C-Kohlendioxid. Mittels des Anstieges dieses speziellen Kohlendioxides in der Atemluft können dann die Ärzte darauf schließen, wie lange die Entleerung der ¹³C-Oktansäure aus dem Magen gedauert hat.

Der ¹³C-Acetat-Atemtest misst die Entleerung des Magens von Flüssigkeiten. Dabei trinken die Betroffenen eine Testlösung mit geringen Mengen an ¹³C-Acetat, einem Salz der Essigsäure. Sobald sie den Magen verlässt, wird die Substanz vom Körper aufgenommen und rasch zu ¹³C-Kohlendioxid abgeatmet, aus dessen Anstieg die Mediziner schließen können, wie lange die Entleerung des Essigsäuresalzes aus dem Magen gedauert hat.

Eine normale Magenentleerung bei Gesunden dauert etwa 4 Stunden. Nach ungefähr 2 Stunden sollte der Magen also rund die Hälfte des Speisebreis in den Zwölffingerdarm abgegeben haben.

Behandlung

Betroffene von Gastroparese müssen zu allererst einmal ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen. Die tägliche Nahrung muss auf vier bis 6 Mahlzeiten verteilt werden. Oft ist es auch sinnvoll auf sehr ausführliches und langsames Kauen zu achten oder breiig-flüssige Lebensmittel zu wählen oder solche, die mit der Gabel zerdrückt oder anderweitig zerkleinert werden können.
Besondere Bedeutung hat auch ein niedriger Fettgehalt, denn Fett verzögert die Magenentleerung.

Wenn diese Ernährungsumstellung nicht ausreicht um die Symptome der Gastroparese zu lindern, werden Medikamente eingesetzt um die Magenentleerung zu verbessern und die Übelkeit zu lindern.

Medikamente bei Gastroparese

Zum Einsatz kommen hier sogenannte Prokinetika, das sind Medikamente die die Magenentleerung beschleunigen und Antiemetika, das sind Mittel zur Behandlung von Übelkeit.

Zur Beschleunigung der Magenentleerung werden Metoclopramid und Domperidon eingesetzt. Beide Substanzen werden im Falle von Gastroparese “off Label” eingesetzt. Das heißt, sie sind für die Behandlung von Gastroparese nicht mehr zugelassen. Mangels anderer Alternativen werden sie jedoch verordnet, wenn eine Ernährungsanpassung nicht ausreichend die Beschwerden lindert. Beide Substanzen unterliegen einer Toleranzentwicklung. Das heißt, der Körper gewöhnt sich an sie und die Wirkung lässt mit der Zeit nach. Einige Ärzte empfehlen deshalb die Medikamente im zweiwöchigen Abstand abwechselnd einzunehmen um die Wirksamkeit zu verlängern. Allerdings haben beide Medikamente erhebliche und auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen wie gefährliche Herzrhythmusstörungen und eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG. Deshalb sollten beide Medikamente auch auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Erythromycin, ein Antibiotikum aus der Macrolidgruppe ist ein sogenannter Motilin-Rezeptor-Agonist. Motilin ist ein Eiweiß aus dem Magen-Darm-Trakt, das die Kontraktionen dort stimuliert. Es beschleunigt die Magenentleerung. Dafür sind sehr viel geringere Dosen nötig als bei einer antibiotischen Therapie. Allerdings wirkt Erythromycin eher im oberen Teil des Magens, während es aber die Entspannungsfähigkeit des unteren Teils des Magens vermindert. Dadurch können bei einigen Betroffenen die Symptome Völlegefühl und Übelkeit verstärkt werden. Aber auch hier ist keine Langzeittherapie wegen der antibiotischen Wirkung möglich und auch hier gibt es Gewöhnungseffekte und der Einsatz des Medikamentes ist ebenfalls “off Label”.

Antiemetika werden unabhängig von der Ursache der Übelkeit eingesetzt. Sie dienen alle der Bekämpfung von Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen. So gibt es eine ganze Palette von Substanzen, die bei Gastroparese wirken. Die konkrete Wahl des Wirkstoffes bleibt dem Arzt überlassen.

operative Möglichkeiten bei Gastroparese

Eine Gastroparese kann in seltenen Fällen auch durch Probleme mit der Nervenversorgung des sogenannten Pylorus, des Magenpförtners bedingt sein. Der Pylorus ist eine Art Ventil zwischen Magen und Zwölffingerdarm. Wenn es durch Störungen in der Nervenversorgung oder Erkrankungen der Nerven zu Krämpfen des Pylorus kommt oder ein Magengeschwür den Magenausgang einengt, kommt es ebenfalls zu den Symptomen einer Gastroparese.

 In diesen Fällen wird eine sogenannte Ballondilatation des Pylorus auf endoskopischem Weg durchgeführt. Das Ganze erfolgt mit speziellen Instrumenten bei einer Magenspiegelung. Durch die Aufdehnung des Magenpförtners lassen sich die Krämpfe seiner Muskulatur beseitigen. Allerdings können sie auch wieder auftreten. Dann muss die Prozedur wiederholt werden.

 Sollte auch dies nicht von dauerhaftem Erfolg sein, so wird manchmal eine laparoskopische Operation erwogen, bei der der Chirurg den Pylorus einschneidet, damit er offen bleibt. Bei einer solchen Operation kann es allerdings zu dem sogenannten Dumpingsyndrom kommen. Das ist eine zu schnelle Entleerung des Mageninhaltes in den Zwölffingerdarm.

Bei besonders schweren Fällen und als letzter Ausweg wird, wenn alle anderen Versuche fehlgeschlagen sind, eine sogenannte Gastrektomie in Frage kommen. Das ist die vollständige oder teilweise Entfernung des Magens. Man kann mit Einschränkungen auch ohne Magen leben.

Sollten nicht genügend Kalorien aufgenommen werden können, kann der Arzt eine Ernährungssonde über die Bauchdecke in den Magen oder den Dünndarm legen.

Magenschrittmacher

Ein neues Verfahren mit vielleicht grösserem Potential ist die sogenannte gastrische Elektrostimulation. Bei Betroffenen, die nicht oder nicht genügend auf Medikamente ansprechen kann ein Magenschrittmacher eingesetzt werden. Dieser sendet ein schwaches elektrisches Signal zur Magenmuskulatur um diese zur Kontraktion anzuregen. Dabei wird ein kleines medizinisches Gerät im Unterbauch unter die Haut implantiert. Zwei isolierte Drähte (Elektroden) werden in den Muskel der Magenwand implantiert und dann mit dem Neurostimulator (Schrittmacher) verbunden. Dieser sendet nun elektrische Impulse über die Elektroden, um so die weichen Muskeln des unteren Magens zu stimulieren. 

Nach der Implantation stellen die Mediziner über ein externes Programmiergerät den Magenschrittmacher auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten ein. Die Einstellung kann so später ohne Operation angepasst werden. Falls es zu Nebenwirkungen kommen sollte, kann der Schrittmacher vom Arzt abgeschaltet werden.

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