Divertikulitis - So erkennt man die Erkrankung

Die Darmwand besitzt, besonders bei älteren Menschen, Lücken. Diese Lücken sind eigentlich die Orte des Durchtritts von Blutgefäßen durch die Darmwand. Aber diese Stellen bilden auch Schwächezonen im Bindegewebe. Durch diese Lücken in der Darmwand stülpt sich nun die Darmschleimhaut und bildet ein sogenanntes Divertikel. In den so entstandenen Divertikeln sammeln sich manchmal Nahrungsreste und Darmbakterien an. Solche Divertikel sind meist harmlos, können aber zu Beschwerden führen, wenn sie sich entzünden. Das nennt man dann Divertikulitis. Eine Divertikulitis erzeugt meist starke Bauchschmerzen und Fieber und manchmal auch Blut im Stuhl. So erkennt man die Erkrankung am ehesten.

Divertikulitis

Übersicht: Divertikulitis

  • höheres Alter
  • chronische Verstopfung
  • ballaststoffarme Ernährung
  • zu viel rotes Fleisch
  • zu wenig Sport
  • Übergewicht
  • genetische Faktoren

Eine Divertikulitis entsteht, wenn sich Divertikel entzünden. Divertikel entstehen durch Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch die Darmwand nach außen. Entzünden sich also Divertikel, so kommt es zu starken Schmerzen in der linken Seite des Unterbauches und Fieber.

  • Anamnesegespräch: Vorerkrankungen und Beschwerden
  • körperliche Untersuchung
  • Messung der Körpertemperatur
  • Abtasten des Enddarmes
  • Bauchschmerzen im linken Unterbauch oder gesamten Bauchraum
  • Schmerzen bessern sich nach Stuhlabsatz und entweichen von Blähungen
  • Verstopfung, Blähungen oder Durchfall
  • schmerzhafte Walze im linken Unterbauch tastbar
Diverticulitis - Schrift auf weißem Grund
So lange Divertikel keine Beschwerden machen, sind sie harmlos und müssen nicht behandelt werden.
  • Entzündungswerte
  • Leukozyten
  • Computertomographie
  • Darmspiegelung nach Abheilen der akuten Entzündung
  • Ziel: Vermeiden von Entzündungen der Divertikel und Vermeidung der Bildung neuer Divertikel
  • ballaststoffreiche Ernährung
  • gründliches Kauen
  • Blutungen
  • Abszessbildung
  • Darmverengung oder Darmverschluss
  • Darmdurchbruch
  • Bauchfellentzündung
  • Fistelbildung

Bei akuter Entzündung zunächst Fasten, dann ballaststoffarm, fettarm und leicht essen, bis die Entzündung vollständig abgeklungen ist. 
Danach vorsichtig und allmählich auf ballaststoffreiche, betont pflanzliche Nahrung umstellen.

Was ist eine Divertikulose und was eine Divertikulitis?

Besonders bei älteren Menschen finden sich Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Divertikel) häufig. Die Darmschleimhaut wird dabei durch  vorhandene Lücken in der Darmwand heraus gedrückt. Das ist der Fall, wenn jemand unter Verstopfung leidet. Sind viele solcher Ausstülpungen der Darmschleimhaut vorhanden, hat der Betroffene eine Divertikulose. Solange diese Divertikel keine Beschwerden machen, müssen sie auch nicht behandelt werden. Wenn sich die Divertikel jedoch entzünden und Beschwerden hervorrufen, dann nennt man die Entzündung die nun entsteht Divertikulitis.
In sehr seltenen Fällen können die Divertikel auch ohne sich zu entzünden zu starken Blutungen in den Darm führen. Divertikel treten im europäischen Raum fast immer im vorletzten Abschnitt des Dickdarmes auf. Das wäre im linken Unterbauch. Man nennt diesen Abschnitt des Dickdarmes auch Sigmadarm. Und so entstand der Begriff Sigmadivertikulitis. Dabei entstehen durch die Entzündung dieser Divertikel starke Schmerzen im linken Unterbauch. Diese Schmerzen können auch den gesamten Bauchraum erfassen. 

Ursachen und Risikofaktoren

Schätzungen zur Folge haben in Mitteleuropa etwa 50 bis 60% der über 70-jährigen eine Divertikulose. Bei den unter 40-jährigen sind es hingegen nur unter 10%. Das hängt unter anderem mit dem zunehmend schwächelnden Bindegewebe im Alter zusammen, das ein Ausleiern der Darmwand begünstigt.
Ungefähr 10 bis 20% der von Divertikulose betroffenen Menschen bekommen dann auch tatsächlich Probleme.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Divertikeln zählt ein dauerhaft erhöhter Druck im Darm. Das liegt meist an einer chronischen Verstopfung. Ballaststoffe binden Wasser im Darm. Das macht den Stuhl weicher und erhöht das Stuhlvolumen. Diese Art von Stuhl erleichtert die Darmpassage. Bei ballaststoffarmer Ernährung bleibt der Stuhl länger im Darm und er hat auch deutlich weniger Volumen. Dadurch aber steigt der Druck, den die Muskulatur des Darmes aufbringen muss um den Stuhl weiter zu befördern.
Eine ballaststoffarme Ernährung kann ebenso wie zu wenig Trinken zu solch einer Verstopfung führen. Die Deutschen essen zu wenig Obst und Gemüse und auch wenig Vollkornprodukte.
Zu viel rotes Fleisch auf dem Speiseplan und zu wenig Bewegung begünstigen die Entstehung von Divertikeln ebenso wie Übergewicht und genetische Faktoren.

Warum entzünden sich Divertikel eigentlich?

Der Grund, weshalb sich bei manchen Menschen die Divertikel entzünden und bei anderen nicht, ist noch nicht gefunden. Es wird vermutet, dass mit dem Stuhl auch Bakterien in die Divertikel gelangen, die dann dort Entzündungen hervorrufen. Außerdem scheint auch die Einnahme bestimmter Medikamente, die Entzündung von Divertikeln zu begünstigen. Hier sind zu nennen der vermehrte Verbrauch von Paracetamol und nichtsteroidalen Antirheumatika (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).

Symptome einer Divertikulitis

In mehr als 80% der Fälle bereiten Divertikel keine Probleme. Wenn sie sich aber entzünden, kommt es zu diesen Symptomen:

  • Bauchschmerzen, meist im linken Unterbauch, die sich oft bei Abgang von Blähungen oder nach dem Stuhlgang bessern.
  • starke Blähungen, Verstopfung oder Durchfall
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Verhärtung im linken Unterbauch in Form einer Walze, die druckschmerzhaft ist.

Stellt ihr solche Symptome bei euch fest, geht bitte schnellstens zum Arzt, denn eine Divertikulitis kann zu schweren, manchmal lebensbedrohlichen Komplikationen führen!

Komplikationen bei Divertikulitis

  • Blutungen in den Darm
  • Abszessbildung
  • Darmverengung bis zum Darmverschluss
  • Darmdurchbruch
  • Bauchfellentzündung
  • Fisteln (Verbindungsgänge) zwischen verschiedenen Abschnitten des Darmes oder benachbarten Organen

Diagnose

Hier erfolgt wie fast immer ein Anamnesegespräch mit dem Patienten. Dabei erfragt der Arzt die Krankengeschichte und die Beschwerden des Patienten. 
Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei beurteilt der Arzt die Darmgeräusche und tastet den Bauch ab. So kann er den Schmerz besser lokalisieren und  findet eventuelle Verhärtungen im Unterbauch. Danach folgt für gewöhnlich die Messung der Körpertemperatur und in manchen Fällen eine Abtastung des Enddarmes.

Untersuchungen

Bei Divertikulitis findet der Arzt in den Ergebnissen der Blutanalyse erhöhte Zahlen an weißen Blutkörperchen und eine Erhöhung der Entzündungswerte (C-reaktives Protein). 
Der hinreichende Verdacht auf Divertikulose wird dann bei einer Darmspiegelung weiter untersucht. Allerdings eignet sich die Darmspiegelung nicht dazu, eine gerade akute Divertikulitis zu untersuchen, denn dabei kann es zu heftigen Schmerzen und auch zu einer Verletzung der entzündeten Divertikel kommen. Wenn eine weitere Diagnosesicherung nötig erscheint, wird meist eine Computertomographie durchgeführt. Auch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie können gemacht werden.

Therapie der Diverticulitis

Eine akute Divertikulitis behandelt der Arzt je nach Schweregrad. Leichte Entzündungen können von alleine abheilen und müssen nicht mit Antibiotika behandelt werden. In solchen Fällen reicht es aus, Schonkost zu geben und eventuell Schmerzmittel und krampflösende Mittel.
Betroffenen mit heftigeren Entzündungen, die erhebliche Schmerzen mit sich bringen und auch Fieber wird ein Antibiotikum verabreicht. 

In schwereren Fällen wird der Arzt eine Behandlung im Krankenhaus einleiten. Dort erhält der Patient meist eine intravenöse Antibiose. Früher wurde bereits bei der zweiten Entzündung bei Divertikulitis zu einer Entfernung des befallenen Darmabschnittes geraten. Heute aber kann man auch komplizierte Verläufe gezielt behandeln, ohne eine operative Entfernung des jeweiligen Darmabschnittes. Abszesse werden heute zum Beispiel mit einer CT-gesteuerten gezielten Drainage behandelt.

Bei sehr schweren Komplikationen wie Durchbrüchen oder Darmverschlüssen muss aber auch heute noch schnell operiert werden. Dabei entfernt der Chirurg den betroffenen Darmabschnitt. 
Auch wenn die Divertikulitis chronisch wird und es immer wieder zu Entzündungen kommt, wird meist der entsprechende Abschnitt des Darmes entfernt.

Ernährung während einer Divertikulitis

 

Wichtigste Maxime bei Divertikulose und Divertikulitis: Gründlich kauen! Nur so kann der Darm geschont werden. Während einer Divertikulitis darf keine ballaststoffreiche Nahrung verzehrt werden.

 

1. Phase:
Bei schweren Entzündungen keine Nahrung aufnehmen,
viel Wasser, Kräutertee oder fettfreie Brühe trinken.
Sollte die Erkrankung stationär behandelt werden, werden die Patienten meist parenteral, das heißt also durch Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen über das Blutgefäßsystem, ernährt.

 

2. Phase:
ballaststoff-und fettarme Kost
Für die ersten Kostaufbautage:

  • Gemüsesaft
  • ungesüßter Kräutertee (Kamille o. ä.)
  • Klare Brühe, fettarm, mit Einlage: Kartoffelwürfel, Reis, Nudeln, Zucchini
  • Zwieback und Weißbrot
  • passiertes Obst
  • fettarmer Joghurt
  • gedünstetes Gemüse, passiert: Möhren, Zucchini, Spinat, Kürbis
  • gedünstetes mageres Fleisch

 

3.Phase:
leichte und fettarme Vollkost
noch zu meiden sind in dieser Phase:

  • normal große Portionen: Es ist besser, die Nahrung auf 6 bis 8 kleinere Mahlzeiten zu verteilen
  • stark gewürzte Speisen (Senf, Chilli, Ketchup, in Salz eingelegtes, sauer eingelegtes)
  • sehr fettiges Fleisch, Wurst
  • fettiger Räucherfisch: mehr als 100g (Lachs, Hering ,Aal, Makrele)
  • hart gekochte Eier
  • fettige Milchprodukte: Sahnejoghurt, griechischer Joghurt, Schmand, Käse mit mehr als 45% F.i.T.
  • Puddingcreme, Schokolade, Sahnetorte
  • Frittiertes
  • ganz frisches Brot und grobkörniges Brot
  • Steinobst, Weintrauben, Trockenfrüchte, Nüsse, nicht ganz reifes Obst
  • blähendes Gemüse: Lauch, Zwiebeln, Schnittlauch, Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, Sauerkraut, Rotkraut

Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke

4.Phase:
Wenn die Entzündungen endgültig abgeklungen sind, solltet ihr eure Ernährung langsam und vorsichtig auf eine ballaststoffreiche, pflanzliche Kost umstellen! Nur so kann eine erneute Divertikulitis vermieden werden. 
Auch ein wenig mehr Bewegung, mehr Trinken (etwa 2 Liter), entzündungshemmende Lebensmittel mit hohem Omega-3-Gehalt wie Seefisch und Leinöl können helfen. Die Anschaffung eines Mixers oder eines Pürierstabes kann hilfreich sein, um den einen oder anderen Smoothie herzustellen.
Zur Unterstützung des Darmbioms wirken sich Probiotika wie etwa Lactobacillus casei günstig aus. Joghurt, Kefir, Buttermilch und saure Milch haben einen guten Einfluß auf das Darmbiom. Auch gut gekautes Sauerkraut kann helfen, aber immer unbedingt lange kauen!

 

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