Stiller Reflux und verspannte Halsmuskeln

Stiller Reflux und verkrampfte Halsmuskeln

Stiller Reflux und diffuse Beschwerden im Hals

Vielleicht kennst du es: Ein unangenehmer Druck im Hals, der sich nicht durch Husten oder Räuspern vertreiben lässt. Ein ständiges Brennen im Mund und Rachen, dauernde Halsschmerzen ohne festzustellende Ursache, ein seltsamer Geschmack im Mund oder Mundgeruch.

Oft bleibt die Ursache ein Rätsel, dieses Phänomen, auch als Laryngopharyngealer Reflux (LPR) bekannt, ist eine weniger offensichtliche, spezielle Form des gastroösophagealen Refluxes, der sich ohne die typischen Symptome wie Sodbrennen bemerkbar macht. Interessanterweise können gerade muskuläre Verspannungen im Halsbereich mit diesem heimtückischen Leiden in Zusammenhang stehen. So gibt es dann tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Stillem Reflux und verspannten Halsmuskeln.


Muskelverspannungen als Trigger für Stillen Reflux?

Es klingt fast paradox, doch Verspannungen im Hals- und Nackenbereich könnten tatsächlich den Stillen Reflux begünstigen.

Der Mechanismus dahinter ist komplex:

Einerseits kann Stress, der oft Ursache für Verspannungen ist, die Produktion von Magensäure ankurbeln.
Andererseits können verspannte Muskelpartien um den Kehlkopf herum den empfindlichen Bereich reizen und ähnliche Symptome hervorrufen, wie sie bei einem Stillen Reflux auftreten. So entsteht ein Heer von Beschwerden, das schwer zu durchschauen ist.

Wie entstehen muskuläre Verspannungen?

Generell entstehen solche Verspannungen durch Stress, Überlastung und unseren modernen Lebensstil.
Stress führt zur Ausschüttung von Stress-Hormonen. Die erhöhen die Muskelspannung. Bleibt der Stresszustand auf Dauer vorhanden, so werden auch die angespannten Muskeln zum Dauerzustand - mit fatalen Folgen.

Stress und Überbelastung

Einer der Hauptgründe für muskuläre Anspannung ist Stress.

Viele Menschen ziehen bei Stress die Schultern hoch, so dass sie einen verspannten Nacken und Kopfschmerzen und/oder Schwindel davon bekommen.

Andere spannen die Kehlkopf- und Halsmuskulatur an und bekommen davon das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben oder nicht mehr richtig Schlucken zu können.

Manche beißen die Zähne zusammen, und das kann Gesichts-, Zahn- und Schläfenkopfschmerz auslösen.

Sehr viele Menschen ziehen mehr oder weniger ständig den Bauch ein, was dann die Atmung behindert, oder sie verspannen die Rückenmuskulatur, bis sie hart und fest wird, was ebenfalls die Atmung beeinträchtigt.

Es hilft, sich die eigenen Muster bewusst zu machen, sie dann absichtlich zu verstärken und dann bewusst loszulassen.

Unnatürliche Körperhaltungen

Unnatürliche Kopfhaltung (Handy, Laptop-Bildschirm, Telefon zwischen Kopf und Schulter einklemmen, um die Hände freizuhaben, …)

  • Falsche Körperhaltung am Arbeitsplatz
  • Unzureichende Ergonomie am Schlafplatz
  • Problematische Sitzposition im Auto

Oft sind es gerade diese alltäglichen Belastungen, die unsere Muskulatur in Mitleidenschaft ziehen und einen Teufelskreis aus Schmerz und weiteren Verspannungen hervorrufen.

Doch auch der gasförmige Reflux, der auf die empfindlichen Schleimhäute im Halsbereich trifft, kann dort unwillkürliche Reaktionen der Muskeln hervorrufen.

6 Übungen gegen Stillen Reflux

6 Übungen gegen Beschwerden im Hals

Möchtest du deine Beschwerden im Hals- und Brustbereich selbst lindern?
Dann schau doch einmal hier:

Stiller Reflux und verspannte Halsmuskeln - Dauerspannungen

Es gibt viele Gründe für Dauerspannungen in Muskeln und Bindegewebe.
Belastende Lebenserfahrungen, Unfälle oder Verletzungen sind oft der Grund für sich einstellende Dauerspannungen.

Aber auch der allgegenwärtige Stress und die Reizüberflutung sind Ursache solcher Daueranspannungen.
Die Muskeln kontrahieren dauerhaft, ohne dass wir es noch bemerken.

Näheres dazu erfährst du in diesem Artikel:

https://magenkompass.de/stiller-reflux-und-sensomotorische-amnesie/

Und das führt zu Bewegungs-Einschränkungen und Verspannungen. Unbewusste Gewohnheiten, wie den Kopf aufzustützen, die Beine übereinander zu schlagen führen dazu ebenso wie Bewegungsmangel und Stress.

Schmerpunkte in Kopf, Hals und Oberkörper

Symptome identifizieren und richtig deuten

Ein Brennen im Hals oder im Mund, Heiserkeit oder auch Schluckbeschwerden – diese und viele andere unscheinbare Zeichen können sowohl auf muskuläre Verspannungen als auch auf Stillen Reflux hinweisen. Es gilt, die Symptome genau zu beobachten und gegebenenfalls andere Erkrankungen von ärztlicher Seite ausschließen zu lassen.

Behandlungsansätze für nachhaltige Linderung

Die gute Nachricht ist, dass die Behandlung von Verspannungen im Halsbereich nicht nur die unmittelbaren Schmerzen lindern kann, sondern auch einem Stillen Reflux entgegenwirken mag.

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Mehr Informationen

Proaktive Maßnahmen gegen muskuläre Verspannungen bei Stillem Reflux


  • Regelmäßige Pausen einlegen und Bewegung ins Tagesprogramm integrieren.
  • Entspannungstechniken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung praktizieren.
  • Den Arbeitsplatz ergonomisch gestalten und auf die eigene Körperhaltung achten.
  • Einen optimalen Schlafplatz und die richtige Schlafhaltung wählen.
  • Optimale Bedingungen beim Sitzen im Auto schaffen.

Durch diese proaktiven Maßnahmen wird nicht nur die Muskulatur entlastet, sondern auch dem Stresslevel entgegengewirkt, was wiederum die Magensäureproduktion positiv beeinflussen kann. Besonders die Fehlhaltungen des Halses sollten zügig behoben werden.

Kann Stiller Reflux allein zu solchen dauerhaften Muskelkontraktionen führen?

Wahrscheinlich nicht. Es geht vielmehr um ein Zusammenspiel beider Ursachen und den Stillen Reflux als Initialtrigger innerhalb eines mit muskulären Überspannungen belasteten Systems, dass auch im Bereich des unteren Speiseröhrenschließmuskels greift.

Das heißt, solche Spannungen entstehen auch im Bereich des Zwerchfells durch den Quadratusmuskel und den Psoasmuskel, die uns beide eigentlich aufrecht halten sollten aber bei den meisten im Sitzen arbeitenden Menschen durch diese Haltung und hinzukommende Fehlhaltungen dauerhaft verkürzen und verkrampfen.

Näheres zu diesen Zusammenhängen erfahrt ihr hier:

https://magenkompass.de/stiller-reflux-die-ursachen/

https://magenkompass.de/das-klossgefuehl-und-der-stille-reflux/

https://magenkompass.de/zwerchfell-und-reflux/


Spezifische Therapieansätze bei Stillem Reflux

Neben der Anpassung der Ernährung spielen besonders Entspannungstechniken wie etwa Yoga oder progressive Muskelentspannung, Hanna-Somatics oder Pohl-Therapie eine entscheidende Rolle.
Doch auch das Erlernen von Atemtechniken kann große Erleichterung bringen.

Bewegung und Sport

Genau wie eine dauerhafte Überlastung der Muskulatur Dauerkontraktionen erzeugen kann, sorgt auch zu wenig Bewegung oft für Probleme:
Denn dadurch nimmt die Durchblutung ab, das Bindegewebe >>verfilzt<< und verliert seine Fähigkeit zu gleiten. Die Muskeln kommen aus der Übung, wir werden steif und die Kraft nimmt deutlich ab.

Durch Sport verbessert sich die Durchblutung. Den Effekt auf die Durchblutung durch Bewegung können wir sofort spüren: Es wird uns warm, die Atmung und der Puls steigern sich.
Auf die Dauer bilden sich neue Gefäße in unseren Muskeln! Das kann unser Körper tatsächlich.

Keine Zeit für Bewegung?

Täglich nur eine halbe Stunde weniger fernsehen oder im Internet surfen oder arbeiten, würde uns schon genug Zeit verschaffen uns zu bewegen.

So bekommen wir einen besseren Kreislauf, weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität.

Oft steckt der Perfektionismus und das Gefühl, es jedem recht machen zu müssen, hinter dieser Behauptung, keine Zeit für sich selbst zu haben.

Fazit: Ein ganzheitlicher Blick auf die Gesundheit

Es zeigt sich, dass Körper und Geist ein komplexes Ökosystem bilden, in dem alles miteinander verwoben ist. Wer unter Halsbeschwerden leidet und zugleich mit einem Stillen Reflux kämpft, sollte den Blick über den Tellerrand wagen und auch vermeintlich entfernte Auslöser wie muskuläre Verspannungen in Betracht ziehen.

Durch einen holistischen Ansatz in der Behandlung und Prävention lassen sich nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern auch die Lebensqualität nachhaltig steigern.

Fragen & Antworten zum Thema:

Stiller Reflux und Halsbeschwerden durch muskuläre Verspannungen


Wie eng ist die Verbindung zwischen muskulären Verspannungen und stillem Reflux?

Muskuläre Verspannungen können Stress verstärken und somit indirekt die Magensäureproduktion erhöhen, was den stillen Reflux begünstigt. Sie können zudem Symptome verursachen, die denen des LPR ähneln.

Außerdem kann Stiller Reflux unwillkürliche muskuläre Reflexe im Kehlkopfbereich auslösen, die die Beschwerden triggern können oder sie noch zusätzlich verstärken.

Welche Alltagsmaßnahmen können helfen, muskuläre Verspannungen und damit verbundenen Stillen Reflux zu verringern?

Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, bewusste Pausen mit Bewegungseinheiten sowie Entspannungstechniken können helfen, muskuläre Verspannungen zu lösen und somit auch positiv auf den Stillen Reflux einwirken.

Ebenso wichtig aber ist auch unsere Körperhaltung im Schlaf. Hier sollte auf eine neutrale Lage aller Körperteile geachtet werden und eine geeignete Matratze gewählt werden.

Fast noch wichtiger wäre eine aufrechte Sitzposition im Auto.

Auch Sport und körperlicher Ausgleich können Beschwerden bei Stillem Reflux durch verspannte Halsmuskeln lindern.

Quellen


https://pohltherapie.de/

Kim,Y.S., und Kim, K.S.: Neck Pain and Stress-related Risk Factors in Office Workers. the Korean Journal of Pain,30 (4) 2017, 248-255

 Sihawong,R., et al.: Predictors for chronic neck and low back pain in office workers: a 1- Year prospective cohort Study, Journal of Occupational Health, 58 (1), 2016, 16-24 Pain, 30 (4), 2017, 248-255

Jahre, H., et al..: Risk factors for non-specific neck pain in young adults. A systematic review, BMC Muskoskeletal Disorders, 21 (1), 2020, 366

Bartolome, G.; und Schröter-Morasch, H.: Schluckstörungen: Interdisziplinäre Diagnostik und Rehabilitation, München 2022

Gundermann, H.: Heiserkeit und Stimmschwäche, Stuttgart 1995

Stecco, A., und Stecco, L.: Fasziale Manipulation, Stettin 2016

Stecco,A., et. al.: Fascial Components of the Myofascial Pain Syndrome, Current Pain and Headache Reports, 22 (4), 2018, 29

Löber, C., und Grabbe, H.: Immer der Nase nach, München 2021

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Ich arbeite als Medizinjournalistin und Autorin.  

Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann ich mich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu meinem Beruf.

Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß ich, worüber ich schreibe.



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