Stiller Reflux – die Ursachen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Stiller Reflux hat fast nie nur eine Ursache. Meist greifen Muskulatur, Nervensystem, Verdauung und Darm ineinander.

  • In der Regel ist nicht der Verschluss am Mageneingang defekt. Er öffnet sich reflexhaft – entscheidend ist, wie oft das ausgelöst wird, wie weit das Aufsteigende nach oben kommt und wie empfindlich das Gewebe reagiert.

  • Zwerchfell, Nacken, Psoas und Becken verändern die Bedingungen, unter denen dieser Reflex ausgelöst wird. Verspannungen sind deshalb ein echter Ansatzpunkt.

  • Dauerstress bremst über den Vagusnerv die Verdauung und macht das Gewebe empfindlicher. Er ist der Verstärker hinter fast allen anderen Faktoren.

  • Welche Ursachen bei dir das größte Gewicht haben, ist individuell. Stiller Reflux ist kein einheitliches Krankheitsbild.

Was verursacht die Anhäufung von an Stillem Reflux Erkrankten?

Die Ursachen von Stillem Reflux liegen noch weitgehend im Reich der nicht vorhandenen interdisziplinären Zusammenarbeit. Gerade bei Stillem Reflux sollten verschiedene Fachrichtungen zusammenarbeiten, doch das geschieht nur sehr selten. Am Ende bleiben meist zwei Lösungsvorschläge: PPI in Dauerschleife oder eine Operation. Dazu Ernährungsempfehlungen à la „Essen Sie nichts Saures“ und der Hinweis, man müsse eben ein bisschen an sich arbeiten. Nur wo und wie, bleibt für gewöhnlich im Dunkeln.

Deshalb habe ich die möglichen Ursachen von Stillem Reflux hier zusammengetragen. Vielleicht findest du so einen Ansatz, deinem Problem auf den Grund zu gehen.

Das Ursachenkarussell bei Stillem Reflux

„Sie finden die Ursache Ihres Stillen Refluxes nicht? Na, das ist doch ganz einfach! Ihr unterer und oberer Speiseröhrenschließmuskel, also diese Ventile, die den Magen dicht halten, die funktionieren bei Ihnen eben nicht mehr richtig!“

„Aber warum funktionieren die denn nicht mehr?“

„Das kann viele Ursachen haben. Vielleicht haben Sie schlechtes Bindegewebe, oder es ist Ihr Übergewicht. Nun ist das eben so. Damit müssen Sie jetzt leben!“

So oder ähnlich klingen die Antworten auf die Frage nach der Ursache. Nur: Das Bild von den kaputten Ventilen stimmt für die meisten Betroffenen nicht. Ventile gibt es dort gar nicht, sondern Muskeln, die über Reflexe gesteuert werden. Und Reflexe lassen sich beeinflussen. Dazu gleich mehr.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Fehlanzeige

Das Schlimme an solchen Antworten: Sie suggerieren vor allem eines – das ist jetzt der Zustand, mit dem ich den Rest meiner Tage zubringen muss. Das nimmt Betroffenen von vornherein jede Perspektive. Und es blendet aus, dass andere Fachbereiche vielleicht weiterhelfen könnten.

Nein, man kann nicht alles über die Ernährung lösen, auch wenn sie ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Herangehens ist.

Es gibt keine belastbaren Studien zu den Ursachen von Stillem Reflux?

Stimmt, es gibt nur wenige. Doch warum ist das so? Weil kaum jemand welche macht. Nur wenige Ärztinnen und Ärzte, einige Physiotherapeuten, Osteopathen und Logopäden verfolgen auf diesem Gebiet einen ganzheitlichen Ansatz. Der Blick über den eigenen Tellerrand fällt schwer.

Entsprechend landen nur wenige Betroffene in der Physiotherapie, der Logopädie oder der Atemtherapie. Wenn es gut läuft, gibt es eine Überweisung von der HNO-Praxis zur Gastroenterologie oder umgekehrt. Und mit der Feststellung, dass man nun eben Stillen Reflux hat, wird man allein gelassen.

Deshalb gilt für vieles in diesem Artikel: Ich kennzeichne, was belegt ist, was plausibel ist und was ich aus meinen Beratungen kenne.

Erst einmal: Was bei Stillem Reflux eigentlich passiert

Um Ursachen zu verstehen, muss man wissen, wo sie ansetzen. Kurz gefasst:

  • Der Verschluss am Mageneingang öffnet sich reflexhaft. Wird der Magen gedehnt, öffnet er sich kurz und lässt Luft entweichen – bei jedem Menschen, mehrmals täglich. Wie oft das passiert, unterscheidet sich zwischen Betroffenen und Gesunden kaum (belegt). Bei dir selbst schwankt es aber: Unter bestimmten Bedingungen wird der Reflex häufiger ausgelöst als sonst.

  • Der Verschluss hat zwei Teile: den unteren Schließmuskel, den du nicht willentlich anspannen kannst, und die Zwerchfellschenkel, die ihn umgreifen (belegt). Beim Reflex werden beide gleichzeitig entspannt.

  • Oben öffnet sich der obere Schließmuskel, um die Luft hinauszulassen. Das ist der Rülps-Reflex. Der obere Schließmuskel versagt dabei nicht, er tut genau das, wofür er da ist (belegt). Bei Stillem Reflux kommt mit der Luft Mageninhalt mit, oft als Schaum (belegt in einer Untersuchung mit 200 Betroffenen).

  • Rachen und Kehlkopf reagieren empfindlich. Schon geringe Mengen reichen, und ein Gewebe, das einmal gereizt ist, reagiert immer stärker (belegt).

Ursachen wirken also an vier Stellen: Sie lösen den Reflex häufiger aus, sie verschlechtern die Bedingungen am Verschluss, sie bringen das Aufsteigende weiter nach oben oder sie machen das Gewebe empfindlicher. Ausführlich erkläre ich das im Magenkompass-Erklärmodell.

Die Hauptverdächtigen bei der Ursachenforschung 

Für den klassischen Reflux werden in der Literatur sage und schreibe 29 mögliche Ursachen genannt. Beim Stillen Reflux lassen sich die wichtigsten Verdächtigen in einige Gruppen ordnen:

  • das Zwerchfell und die Muskeln, die mit ihm verbunden sind: Nacken, Quadratus, Psoas, Becken
  • Haltung, verspannte Halsmuskeln und der Kiefer
  • der Zwerchfellbruch
  • der Vagusnerv und Dauerstress
  • eine gebremste Verdauung
  • der Darm, vor allem eine Dünndarmfehlbesiedlung
  • Begleitfaktoren wie Schilddrüse und Magnesiummangel

Muskeln: Zwerchfell, Nacken, Psoas und Co.

Was das Zwerchfell mit dem Verschluss zu tun hat

Die Zwerchfellschenkel entspringen an der Lendenwirbelsäule und ziehen von dort nach oben. Ihre Fasern bilden die Hiatusschlinge, also die Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell tritt (belegt). Genau deshalb spielen auch Muskeln eine Rolle, die auf den ersten Blick weit weg sind: Was an der Lendenwirbelsäule und am Becken zieht, zieht auch am Zwerchfell.

Ein wichtiger Punkt, der oft falsch erzählt wird: Ein trainiertes Zwerchfell verhindert die reflexhafte Öffnung nicht. Was ein gut arbeitendes Zwerchfell kann, ist etwas anderes. Es hält den Verschluss zwischen den Öffnungen stabil, vor allem beim Heben, Bücken, Pressen und Husten (belegt). Es hilft, Aufgestiegenes schneller wieder nach unten zu befördern (belegt). Und ein ruhiger, gut durchbewegter Bauchraum verbessert die Bedingungen, unter denen der Reflex ausgelöst wird (plausibel). Ein verspanntes, schlecht arbeitendes Zwerchfell kann all das nicht.

Mehr dazu in Zwerchfell und Reflux.

Nackenverspannungen als Ursache für Stillen Reflux?

Das Zwerchfell wird über den Nervus phrenicus gesteuert. Dieser Nerv entspringt aus der Halswirbelsäule und verläuft zwischen den Scalenusmuskeln, die auch Treppenmuskeln genannt werden. Bei Nackenverspannungen sind oft genau diese Muskeln verspannt. Das kann den Nervus phrenicus beeinträchtigen, die Atmung stören und Verspannungen des Zwerchfells nach sich ziehen, teils auch mit Spannungen hinter dem Brustbein und in der Brustwirbelsäule (plausibel).

Die Kette, die ich in meinen Beratungen immer wieder sehe:

einseitige Dauerbelastung, unergonomische Sitzhaltung und Stress → verspannte Scalenusmuskeln → gereizter Nervus phrenicus → verspanntes Zwerchfell → schlechtere Bedingungen am Verschluss → Reflux und Stiller Reflux (Beobachtung aus Beratungen, plausibel)

Mehr zum Nervus phrenicus erfährst du hier: Nerven und Reflux

Seitenleiste Stiller Reflux- die ursachen

Sitzen wir alle, bis wir refluxen?

Nein, jetzt ist sie nicht total abgedreht! Ich weiß, wie sich das anhört, aber lass es mich erklären. Es geht um den Quadratusmuskel und den Psoasmuskel.

Der Quadratusmuskel (Musculus quadratus lumborum) ist einer der tiefliegenden Muskeln der hinteren Bauchwand. Er neigt den Rumpf zur Seite, senkt die zwölfte Rippe und stabilisiert die unteren Rippen beim Atmen. Damit bildet er den Gegenzug zum Zwerchfell. Er ist an den meisten Arten von Rückenschmerzen beteiligt. Sitzen wir viele Stunden und beugen uns oft nach vorn, verspannt er sich – und damit verändern sich die Zugkräfte am Zwerchfell (plausibel).

Der Psoasmuskel bildet gemeinsam mit dem Darmbeinmuskel unseren Hüftbeuger. Er sorgt dafür, dass wir stabil gehen und stehen können. Manche nennen ihn auch den Seelenmuskel: Unter Stress steigt die Spannung in der Körpermitte, genau dort, wo der Psoas sitzt. Er setzt an der Lendenwirbelsäule an, also dort, wo auch die Zwerchfellschenkel entspringen. Verspannt er sich dauerhaft, zieht er an derselben Stelle (plausibel).

Näheres erfährst du in diesem Artikel: Reflux durch zu häufiges Sitzen

Beckenverwringung als Auslöser für Stillen Reflux

Eine Beckenverwringung oder ein Beckenschiefstand macht sich äußerlich oft nur durch eine leichte Beinlängendifferenz bemerkbar. Sie entsteht häufig aus einem einseitig verspannten Psoas und verändert die Statik im ganzen Rumpf, auch am Zwerchfell. Über Muskel- und Faszienketten kann sie bis in den Kiefer- und Halsbereich wirken und dort Spannungen verstärken (Beobachtung aus Beratungen, plausibel).

Mehr darüber: Was eine Beckenverwringung mit Stillem Reflux zu tun haben kann

Ist Stiller Reflux haltungsbedingt?

Wieso soll meine Körperhaltung etwas mit meinem Stillen Reflux zu tun haben? Es gibt das Phänomen der sensomotorischen Amnesie. Grob vereinfacht: Unser Körper „vergisst“, wie unsere natürliche Haltung ist, weil wir so oft in einer anderen verharren, dass das Gehirn sie als normal abspeichert. Wir merken gar nicht mehr, dass wir den Kopf nach vorn schieben oder die Schultern hochziehen – und damit dauerhaft Spannung auf Nacken, Scalenusmuskeln und Zwerchfell bringen.

Am Ende ist es, als sei unser Skelett in einer dauerverspannten Muskulatur eingesperrt, und wir bemerken es nicht einmal mehr. Näheres dazu: Stiller Reflux und sensomotorische Amnesie

Verspannte Halsmuskeln und das Kloßgefühl

Stress ist eine der häufigsten Ursachen von Verspannungen. Falsche Haltung am Arbeitsplatz, eine schlechte Schlafposition oder eine verkrampfte Sitzposition im Auto kommen dazu und lösen einen Teufelskreis aus Schmerz und weiterer Verspannung aus. Trifft dann noch Aufgestiegenes auf die empfindliche Schleimhaut im Kehlkopf, reagieren die Muskeln dort zusätzlich.

Beim Kloßgefühl ist der obere Schließmuskel übrigens nicht zu schwach, sondern zu stark angespannt (belegt). Das passt genau zu diesem Bild. Ob der Stille Reflux die muskulären Probleme auslöst oder auf bestehende Verspannungen trifft und sie verschlimmert, ist im Einzelfall schwer zu sagen – meist verstärkt sich beides gegenseitig.

Mehr dazu: Stiller Reflux und verspannte Halsmuskeln und Das Kloßgefühl und der Stille Reflux

Kieferfehlstellung (CMD)

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), also eine Fehlfunktion im Kiefer, kann zu muskulären Dauerspannungen bis in den Kehlkopfbereich führen. Ob und wie sie Stillen Reflux begünstigt, ist kaum untersucht. In meinen Beratungen taucht sie aber auffällig oft gemeinsam mit Stillem Reflux auf (Beobachtung aus Beratungen).

Hier liest du mehr darüber: Kieferfehlstellung und Stiller Reflux

Alles zu den muskulären Ursachen findest du im Überblick: Stiller Reflux und Muskeln: Zwerchfell, Hals und Kiefer im Fokus

Der Zwerchfellbruch: wichtig, aber anders als erzählt

Ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) ist häufig und nimmt mit dem Alter zu. Dabei rutscht ein Teil des Magens zeitweise durch die Hiatusschlinge nach oben. Lange galt er als Hauptursache von Reflux. Das ist zu einfach – aber er ist auch nicht egal.

Je weiter Mageneingang und Zwerchfell auseinanderliegen, desto häufiger wird der Reflex nach einer Magendehnung ausgelöst (belegt). Der Bruch wirkt also, nur eben über den Reflex und nicht, weil er ein Loch reißt. Gleichzeitig hängt sein gemessener Befund stark von den Untersuchungsbedingungen ab, etwa von der Narkose bei der Magenspiegelung (plausibel).

Mehr dazu: Zwerchfellbruch (Hiatushernie) und Der Zwerchfellbruch ist schuld am Stillen Reflux?

Nervensystem: Vagusnerv und Dauerstress

Was der Vagusnerv steuert

Der Vagusnerv verläuft vom Hirnstamm über Rachen und Kehlkopf entlang der Speiseröhre bis zum Magen und weiter in den Bauchraum. Er wirkt auf nahezu alle unbewusst ablaufenden Körperfunktionen: Herzfrequenz, Verdauung, Atmung, Magensäurebildung, Gallenfluss, Bauchspeicheldrüse, Speichelfluss. Er ist für Erholung, Verdauung und Selbstreparatur zuständig – und er steuert auch die Muskulatur von Rachen und Kehlkopf.

Auch die reflexhafte Öffnung des Verschlusses am Mageneingang läuft über den Vagusnerv (belegt). Deshalb spielt er an so vielen Stellen gleichzeitig eine Rolle.

Wenn die Gefahr nie vorübergeht

Unser Körper reagiert unter Stress nach urzeitlichen Prägungen. Stresshormone treiben die Herzfrequenz hoch und setzen Energie frei, damit die Muskeln schnell reagieren können. Gleichzeitig wird alles heruntergefahren, was nicht unmittelbar lebensnotwendig ist – auch die Verdauung. Ist die Gefahr vorüber, regelt der Vagusnerv die Verdauung wieder hoch.

Doch was passiert, wenn die Gefahr nie wirklich vorübergeht – oder dein Nervensystem sie nach Jahren im Dauerstress nicht mehr loslässt? Dann läuft die Verdauung dauerhaft auf Sparflamme. Anfangs haben viele eher zu viel Magensäure, nach jahrelangem Dauerstress kann die Verdauung so stark gebremst sein, dass eher zu wenig gebildet wird (Beobachtung aus Beratungen, plausibel). Wir atmen flach, Galle und Bauchspeichel fließen spärlicher, wir sind infektanfälliger, erschöpft und rutschen schlimmstenfalls in einen Burn-out.

Warum „kein Stress mehr“ nicht automatisch bedeutet, dass dein Körper herunterfährt, erfährst du in Nee, Stress habe ich ja keinen!. Was Stresshormone und Botenstoffe dabei auslösen, liest du in diesen Artikeln:

Wie du deinen Vagustonus mit der Smartwatch beobachten kannst, zeige ich hier: Deine Smartwatch weiß es längst

Vagustonus, Acetylcholin und Entzündung

1921 entdeckte der Physiologe Otto Loewi, dass der Vagusnerv über einen Botenstoff die Herzfrequenz senkt. Heute wissen wir: Es ist Acetylcholin, so etwas wie das körpereigene Beruhigungsmittel. Langsames, bewusstes Ausatmen regt den Vagusnerv an – deshalb schwören manche auf Atemübungen, Meditation oder Yoga am Morgen.

Ein guter Vagustonus zeigt sich daran, dass der Puls beim Einatmen leicht steigt und beim Ausatmen leicht sinkt. Ein hoher Vagustonus geht mit körperlichem und seelischem Wohlbefinden einher, ein niedriger mit Entzündungen, gedrückter Stimmung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (belegt als Zusammenhang aus Beobachtungsstudien).

Der Vagusnerv bremst über den sogenannten Entzündungsreflex auch das Immunsystem (belegt im Experiment). Läuft er dauerhaft auf Sparflamme, entsteht ein Kreislauf, in dem der niedrige Vagustonus eine mögliche Ursache von Stillem Reflux ist und zugleich viele andere körperliche und seelische Beschwerden begünstigt. Näheres dazu: Vagusnerv, Stiller Reflux und zu wenig Magensäure

Dein Nervensystem hat gelernt zu warnen

Es gibt eine Gruppe von Betroffenen, bei denen die Messungen fast nichts zeigen – und die trotzdem starke Beschwerden haben. Bei ihnen ist das Gewebe und die Verarbeitung im Nervensystem so empfindlich geworden, dass schon kleinste Reize Beschwerden auslösen (belegt). Das ist keine Einbildung und keine Psycho-Schublade, sondern Neurophysiologie. Dein Nervensystem hat gelernt zu warnen – und Lernen ist umkehrbar. Mehr dazu in Stiller Reflux und seine psychischen Aspekte.

Gebremste Verdauung als Ursache von Stillem Reflux

Ist unsere Verdauung ständig heruntergeregelt, weil stressbedingt der Sympathikus das Sagen hat, arbeitet der Magen wie mit angezogener Handbremse. Der Speisebrei bleibt länger im Magen, und der Magen muss sich mehr anstrengen, ihn zu durchmischen. Bei manchen sinkt dabei auch die Säurebildung – wie oft, hat noch niemand gemessen, denn verglichen hat das bisher keine Studie.

Bleibt der Magen länger gefüllt und gedehnt, kann der Reflex häufiger ausgelöst werden (plausibel). Was dann aufsteigt, trifft im Rachen auf eine Schleimhaut, die schon auf schwach sauren Mageninhalt reagiert. Neben der Säure verstärkt dort vor allem das Verdauungsenzym Pepsin die Reizung (belegt). Wie genau es bis in den Rachen gelangt, ist allerdings noch nicht geklärt.

Näheres zur gebremsten Verdauung: Zu wenig Magensäure ist (k)ein Problem?

Darm: Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) und Blähungen

Stiller Reflux ist auch immer ein Zeichen einer aus dem Gleichgewicht geratenen Verdauung. Besteht zusätzlich eine Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO), entstehen vermehrt Gase und Blähungen. Ein aufgeblähter, gespannter Bauch und mehr Luft im Verdauungstrakt können die Bedingungen verschlechtern, unter denen der Reflex ausgelöst wird (plausibel). Dazu kommt die Entzündung, die eine gestörte Darmflora mit sich bringen kann.

Mehr hierzu: Stiller Reflux und SIBO

Begleitfaktoren: Schilddrüse und Magnesium

Schilddrüsenunterfunktion und Stiller Reflux

Eine Unterfunktion der Schilddrüse verlangsamt den Stoffwechsel und damit auch die Verdauung. Vor allem bei Hashimoto kommt hinzu, dass gehäuft auch eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut auftritt, die die Säurebildung drosseln kann. Beides kann zu einer gebremsten Verdauung beitragen und so Reflux begünstigen. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat und unter Reflux leidet, sollte das bei der Ärztin oder dem Arzt ansprechen.

Mehr zu dieser Problematik: Schilddrüse und Sodbrennen

Magnesium-Mangel und Stiller Reflux

Ein Magnesium-Mangel kann Sodbrennen und Stillen Reflux begleiten. Gut belegt ist das bei langer Einnahme von PPI: Sie können den Magnesiumspiegel im Blut senken, darauf weisen auch die Beipackzettel hin. Ob Dauerstress und eine dauerhaft heruntergefahrene Verdauung ebenfalls dazu beitragen, ist bisher kaum untersucht. Wer PPI über längere Zeit nimmt, kann den Magnesiumwert bei der Ärztin oder dem Arzt bestimmen lassen.

Über diese Zusammenhänge informierst du dich am besten hier: Magnesium-Mangel und Sodbrennen

Was ist, wenn keiner der üblichen Faktoren da ist?

Es gibt Betroffene, die machen alles richtig, und doch haben sie ihn, den Stillen Reflux. Was da abläuft und wie es einzuordnen ist, erfährst du hier: Stiller Reflux ohne erkennbare Ursache

Wie du deinen Ursachen auf die Spur kommst

An erster Stelle steht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Nicht als Schuldfrage, sondern um zu sehen, wo dein Körper gerade keine guten Voraussetzungen hat:

  • Sitze ich sehr viel, und bewege ich mich ausreichend?

  • Bin ich ständig unter Druck, und habe ich Zeit für mich?

  • Lege ich genügend Pausen ein, und wie schlafe ich?

  • Atme ich eher flach? Bin ich innerlich angespannt?

  • Habe ich Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen in Nacken, Kiefer, Rücken oder Hüfte?

  • Habe ich Blähungen oder andere Darmbeschwerden?

  • Trage ich lange ungelöste Probleme mit mir herum?

  • Wer kann mir helfen, solche Fragen objektiv zu beantworten?

Welche Faktoren bei dir das größte Gewicht haben, ist individuell. Deshalb hilft der einen die Ernährungsumstellung schnell und dem anderen kaum. Es geht nicht darum, Stress abzuschaffen, sondern um mehr Stressresilienz: dass dein Körper Belastungen wieder besser verträgt und schneller in die Ruhe zurückfindet. Wie unterschiedlich Stiller Reflux aussehen kann, zeigt Stiller Reflux ist kein einheitliches Krankheitsbild.

Wenn du erst einmal einen Überblick brauchst, was Stiller Reflux überhaupt ist: Was ist Stiller Reflux?

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Fazit

Sie ist nicht einfach, die Suche nach den Ursachen des Stillen Refluxes. Doch es lohnt sich. Fast nie liegt nur eine Ursache dem Geschehen zugrunde. Haben wir uns seit Jahren an ein gehöriges Quantum Stress gewöhnt, wird dieser Zustand zur Normalität und kommt uns als Allerletztes in den Sinn, wenn wir nach Ursachen suchen.

In meiner Erfahrung lässt sich Stiller Reflux in den meisten Fällen wieder loswerden – wenn man versteht, was die Regulation im eigenen Körper blockiert, und das korrigiert. Atemarbeit, Bewegung, Entspannung der Muskulatur und ein Nervensystem, das wieder zur Ruhe findet, gibt es eben nicht auf Rezept.

Quellen

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