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Schilddrüse und Sodbrennen

Schilddrüse und Sodbrennen

Einführung

Schilddrüse und Sodbrennen? Das klingt zunächst einmal weit hergeholt. Doch der Zusammenhang wird schnell offensichtlich.
Denn bei einer Unterfunktion der Schilddrüse kommt es zu Magensäuremangel, aus dem dann Sodbrennen entstehen kann. Wird das Sodbrennen nun symptomatisch behandelt, so verschlimmert dies die Situation. Und es gibt noch einen zweiten Weg, auf dem Sodbrennen durch fehlende Schilddrüsenhormone entstehen kann. Er führt über den Darm. Doch wie genau hängt das alles zusammen und was kann man tun?

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Die Schilddrüse - wie sie funktioniert

Bei einem gesunden Menschen ergibt sich vereinfacht gesagt, folgender Regelkreis:

Sind zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut, schüttet die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) das Hormon TSH aus. TSH bedeutet, ein die Schilddrüse stimulierendes Hormon. Dieses Hormon veranlasst die Schilddrüse nun, Hormone auszuschütten. Dabei handelt es sich um die Hormone T4 und T3.
Diese Hormone sind benannt nach der Anzahl der enthaltenen Jod-Atome. Zu beachten ist hier besonders, dass nur das Hormon T3 stoffwechselaktiv ist. Von diesem Hormon nun, werden aber nur etwa 7% in der Schilddrüse selbst hergestellt.
T3 wird durch enzymatische Umwandlung aus dem Hormon T4 hergestellt.
Und hier sollten Sodbrennen-Geplagte aufhorchen: Diese Umwandlung in das stoffwechselaktive T3 geschieht vor allem in der Leber, dem Darm und zu kleinen Teilen auch in Muskel- und Nervenzellen. Das heißt, dass 93% des in der Schilddrüse gebildeten T4 erst ihre Wirkung entfalten können, wenn sie in Leber und Darm umgewandelt werden! Was hat die Schilddrüse aber nun mit meinem Sodbrennen zu tun, wirst du jetzt vielleicht fragen. Du erfährst es gleich!

Welche Störungen kann eine unzureichende Bildung von Schilddrüsenhormonen auslösen?

Es können viele unterschiedliche Störungen auftreten. Diese Störungen können auch eine unzureichende Umwandlung synthetischer Schilddrüsenhormone nach sich ziehen. Wer also bereits die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion hat, sollte hier aufmerksam weiterlesen.

  • gestörte Funktion der Leber
  • träger Darm mit krankhaften Veränderungen des Darmbioms bis hin zu Leaky-Gut
  • Eisen – Selen – Zink – Magnesium – Mangel
  • hormonelle Störungen (Östrogendominanz und Testosteronüberschuss)
  • Sodbrennen und Magenprobleme durch Magensäuremangel


An der Schilddrüse selbst kann es zu Jodmangel kommen. Außerdem kann die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis entstehen.

 

Schilddrüsenunterfunktion

Eine Unterfunktion der Schilddrüse betrifft viele Menschen und viele von ihnen, wissen es gar nicht. Denn ihre Schilddrüsenwerte sind häufig >in Ordnung<. Doch meist werden nicht alle relevanten Werte gemessen und man gibt sich mit einem normalen TSH-Wert zufrieden.
Die Beschwerden werden rein symptomatisch behandelt. Im Falle von Sodbrennen wird mit PPI oder H2-Blockern oder Antazida gearbeitet. Das verschlimmert die Situation aber meist.

Bei einer Unterfunktion wird der Stoffwechsel gedrosselt. Es kommt zu Beschwerden wie gesteigerter Müdigkeit, juckender Haut, Haarausfall, Schwellungen im Gesicht, Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Ödeme, Darmstörungen und erhöhtes Schlafbedürfnis sowie Erschöpfung.

Doch es gibt auch andere Symptome, die durch eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst werden können:

  • Sodbrennen
  • Gallensteine
  • Verstopfung
  • hoher Cholesterinspiegel
  •  Eisenmangel-Anämie
  • starke Menstruation
  • Hitzewallungen


Bei solchen Symptomen wird eher selten an die Schilddrüse gedacht. Und auch der Zusammenhang zwischen Sodbrennen und Reizdarm wird oft noch nicht erkannt. Doch auch ein Reizdarmsyndrom kann zu Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

 

Schilddrüse und Sodbrennen - wie passt das zusammen?

Funktioniert die Schilddrüse nicht richtig, so ist weniger Schilddrüsenhormon T3 im Blut unterwegs. Deshalb wird weniger von dem Hormon Gastrin gebildet. Ohne ausreichende Mengen an Gastrin, kann nicht genügend Magensäure gebildet werden. Hier ist der Zusammenhang zwischen Schilddrüse und Sodbrennen relativ offensichtlich.
Die gesamte Verdauung läuft suboptimal ab. Die Nahrung verbleibt länger im Magen, es kommt zu Gasbildung. Blähungen können die Folge sein. Aber auch Entzündungen im Darm, Störungen des Darmbioms und ein Mangel an Vitamin B12, der zu einer bestimmten Art von Blutarmut führen kann, entstehen bei zu wenig Magensäure.
Außerdem kommt es zu weiteren Vitamin- und Mineralstoffmängeln. Welche genau das sind und was man dagegen tun kann, erfahrt ihr in diesem Artikel:

Zu wenig Magensäure ist (k)ein Problem?

 

Ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus Mangel an Hormonen der Schilddrüse und Sodbrennen

  • Die Schilddrüsenunterfunktion lässt einen Magensäuremangel entstehen.
  • Daraus entsteht ein Mangel an Vitamin B12, denn um dieses Vitamin zu bilden, benötigt der Körper ausreichende Mengen an Magensäure.
  • Dieser Vitaminmangel kann eine bestimmte Art von Blutarmut, die pernitiöse Anämie auslösen. 
  • Außerdem bewirkt der Mangel an Magensäure, dass generell weniger Eisen aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Auch dies führt zu Eisenmangel. 
  • Die Schilddrüsenunterfunktion führt bei Frauen auch zu Progesteronmangel. Dadurch kommt es zu starken Monatsblutungen mit hohen Blutverlusten. Das wiederum führt ebenfalls zu Eisenmangel, wenn solche Regelblutungen zur Normalität werden.
  • Und schließlich fördern Schilddrüsenhormone die Blutbildung. Erythropoetin wird gebildet, wenn die Schilddrüse Hormone ausschüttet. Dieses nun regt die Bildung von roten Blutkörperchen an. Sind also weniger Schilddrüsenhormone vorhanden, gibt es auch weniger Erythropoetin und damit weniger rote Blutkörperchen. hier ist der Zusammenhang zwischen Schilddrüse und Sodbrennen schon recht offensichtlich.

 

Doch auch der nun entstandene Eisenmangel befeuert die Schilddrüsenunterfunktion! Denn Eisen wird direkt für die Bildung der Schilddrüsenhormone gebraucht!

 

 

Schilddrüsenunterfunktion und Eisenmangel

Darmprobleme - Schilddrüse und Sodbrennen

Eine chronische Verstopfung quält viele Menschen.
Doch kaum ein Arzt hat in diesem Zusammenhang die Schilddrüse auf dem Schirm.
Verstopfung resultiert aus einem trägen Darm.

Doch was macht den Darm träge?
Nicht immer sind es unsere Ess- und Lebensgewohnheiten, die unserem Darm die Lust an der Bewegung nehmen.
Die Schilddrüsenunterfunktion führt zu einer verlangsamten Eigenbewegung des Darmes.

Folgen eines zu langsamen Darmes

Ist der Darm in seinen Bewegungen verlangsamt, bleibt der Stuhl lange im Darm.
Dies führt dazu, dass sich dort schädliche Bakterien und Pilze übermäßig vermehren können.
Das Darmbiom (Die Gesamtheit der dort lebenden Bakterien, Pilze und anderen Mikroorganismen) wird geschädigt. Dadurch wird die Darmschleimhaut angegriffen.
Es entsteht das, was man ein >Leaky Gut – Syndrom< nennt. Die Darmwand wird durchlässig.

Daraus entstehen:

Außerdem kann eine massive Verstopfung auch Sodbrennen auslösen, denn der übermäßig gefüllte Darm drückt den Magen nach oben.

Im Darm wird etwa 20% des inaktiven Schilddrüsenhormons T4 in die aktive Form des Hormons T3 umgewandelt. Doch dies funktioniert nur, wenn das Darmbiom gesund ist!

Bei gestörtem Darmbiom entstehen Symptome einer Unterfunktion der Schilddrüse, obwohl das Organ ganz normal funktioniert!

Somit kann also eine gestörtes Darmbiom über die verringerte Schilddrüsenhormonproduktion einen Magensäuremangel auslösen, der schließlich zu Sodbrennen führt.

gestörtes darmbiom und Sodbrennen

Leber - Schilddrüse - Gallensteine - Sodbrennen

Ein weiteres Opfer des Mangels an Schilddrüsenhormonen bei einer Unterfunktion ist die Leber.
Ein verlangsamter Stoffwechsel führt zu einem Anstieg des TSH-Spiegels (ein von der Hirnanhangdrüse produziertes Hormon, dass die Tätigkeit der Schilddrüse anregt).
Das führt zu einer Ansammlung von Fett im Körper und kann das Krankheitsbild einer Fettleber hervorrufen.
Die Schilddrüsenunterfunktion lässt unsere Leber nur träge arbeiten.
Das Gleichgewicht zwischen gutem und schlechtem Cholesterin gerät durcheinander. Eine hohe TSH-Konzentration ( erhöht die Menge der Triglyzeride in der Leber. Auch die Entstehung einer Insulinresistenz ist möglich.
Die Gallenblase vergrößert sich und die Gallenflüssigkeit gerät ins stocken.
Es kommt zu Steinbildung.
In der Leber wird T4 in seine aktive Form T3 umgewandelt.
Zu wenig Magensäure im Speisebrei lässt im Zwölffingerdarm kaum Gallenflüssigkeit und Bauchspeicheldrüsensekret zur weiteren Verdauung der Nahrung austreten. Dies befeuert die Darmprobleme.
Auch hier also ein sich selbst verstärkender Kreislauf:
Die Schilddrüsenunterfunktion schwächt die Leber und die geschwächte Leber verstärkt die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion.

Schilddrüsenunterfunktion und Sodbrennen
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Hashimoto -Thyreoiditis

Die Schilddrüsenentzündung vom Typ Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei richten sich körpereigene T-Lymphozyten gegen das Gewebe der Schilddrüse und zerstören es nach und nach. Diese Erkrankung ist also nicht primär eine Erkrankung der Schilddrüse sondern des Immunsystems.
Hashimoto ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion.

In der Anfangsphase der Erkrankung kommt es oft zu einer zeitweiligen Überfunktion der Schilddrüse mit Schlafstörungen, Hitzewallungen und innerer Unruhe. Doch allmählich entstehen die oben beschriebenen Symptome einer Unterfunktion.
Bei Hashimoto kann auch ein Wechsel von entgegengesetzten Symptomen auftreten. Es wechseln sich dabei extreme Müdigkeit mit Unruhe, Herzrasen und Schlaflosigkeit ab. Das macht die Diagnose oft schwierig.
Wer jedoch eine solche Diagnose hat, der sollte bei Problemen mit Sodbrennen oder Darmproblemen ebenso genau hinschauen, wie an der Stelle, an der Medikamente (synthetische Schilddrüsenhormone) nicht mehr richtig wirken.

Lebensmittel für eine gute Versorgung der Schilddrüse

Bei Problemen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse solltet ihr darauf achten, in eurem Haushalt jodiertes Speisesalz zu verwenden. Auch Milch in Maßen, Sojabohnen, Naturreis, Thymian Petersilie und Spinat können sich positiv auswirken.

Bei Problemen mit dem Eisenspiegel kann es helfen, Weizenkleie ins tägliche Müsli zu integrieren. Und da Weizenkleie nicht nur viel Eisen enthält sondern auch einen hohen Ballaststoffanteil hat, könnte dieser die Verdauung ankurbeln.

Zwei Mal in der Woche Seefisch zu essen, hilft ebenfalls die Jodversorgung zu unterstützen.
Schellfisch enthält die höchsten Mengen an Jod (415 μg pro 100 g). Wer den nicht mag, kann auch jeden anderen Seefisch essen, soweit der nicht zu fett ist, denn dann gibt es Probleme mit dem Sodbrennen.

Aber auch Veganer kommen bei Jod und Selen auf ihre Kosten. 
Brokkoli, gedämpft und nicht zu lange gekocht ist ein hervorragender Jod- und Selenlieferant. Aber auch Paranüsse, Cashewkerne und Mandeln enthalten viel Selen, Magnesium, Kupfer und Zink.

Nicht zu unterschätzen sind auch Pilze. Steinpilze enthalten 180 μg Zink pro 100g. Champignon und Austernpilze enthalten ebenfalls viel Zink.
Bei Problemen mit der Schilddrüse und daraus resultierendem Sodbrennen ist es zu empfehlen, solche Lebensmittel regelmäßig in seinen Speiseplan aufzunehmen.

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Fazit

Wer unter schwer behandelbarem Sodbrennen oder gar der Refluxkrankheit leidet, der sollte einmal seine Schilddrüsenwerte überprüfen lassen.
Die alleinige Testung des TSH-Wertes ist dabei viel zu wenig aussagekräftig.
Wie massiv sich eine unzureichende Menge an stoffwechselaktivem Schilddrüsenhormon im Körper bemerkbar macht und vor allem die sich selbst verstärkenden Effekte eines T3-Mangels sollten jene zum Nachdenken und Nachhaken bringen, die mit schlecht oder gar nicht behandelbarem Sodbrennen kämpfen, oder gar an Darmbiom-Störungen leiden.
Auch wenn viele es noch nicht wahrhaben wollen, Leaky Gut führt auch zu Sodbrennen, nur eben über den Umweg über die Schilddrüse.
Ohne mich allzu sehr in ärztliche Belange einmischen zu wollen, würde ich doch meinen, dass es da eine größere Baustelle gibt!
Und nicht zuletzt auch jene, die schon lange mit chronischen Entzündungen im Darm kämpfen, sollten über solche Zusammenhänge zumindest einmal mit ihrem Arzt sprechen.

Über die Autorin
Bild autorin

Andrea Barbara Kuhl arbeitet als Medizinjournalistin und Autorin. Sie ist die Gründerin und Chefredakteurin von Magenkompass. Nach Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums mit Diplom begann sie sich für Medizinjournalismus zu interessieren und machte ihn zu ihrem Beruf. Als Betroffene von Magen-Darm-Erkrankungen weiß sie, worüber sie schreibt.

Quellen

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  • Baenkler, H.-W. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2015
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag/De Gruyter, 2021
  • Daher R et al., Consequences of dysthyroidism on the digestive tract and viscera, World Journal of Gastroentereoogy, Juni 2009
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, Stand: Juni 2016, derzeit in Überarbeitung, unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 22.03.2021)
  • Piper, W.: Innere Medizin, Springer Verlag, 2. Auflage, 2013
  • Rinninger, F. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2010
  • Schäffler, A. et al.: Medizin für Heilpraktiker, Georg Thieme Verlag, 2012
  • Rizos CV et al., Effekts of Thyroid Dysfunction on Lipid Profile, 2/2o12
  • Ma Y et al., Thyroid hormone induces erythropoetin gene expression through augmented accumulation of hypoxia-inducible factor-1, 9/2004, American Journal of Physiology
  • Benedict M, et al. Non-alcoholic fatty liver disease: An expanded review, 2017

  • Yan F, et al. Thyrotropin increases hepatic triglyceride content through upregulation of SREBP-1c activity, 2014

  • https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/faq-haeufige-fragen/
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