
Kurz gefasst
Es gibt zwei völlig verschiedene Arten von Aufstoßen. Beim gastralen Aufstoßen entweicht Luft aus dem Magen – ein normaler Reflex, den jeder Mensch bis zu dreißig Mal am Tag hat. Beim supragastralen Aufstoßen erreicht die Luft den Magen nie: Sie wird in die Speiseröhre gezogen und sofort wieder ausgestoßen. Das kann hunderte Male am Tag passieren – mehr, als der Magen an Luft überhaupt hergeben könnte. Es ist eine automatisierte Bewegungsfolge, die der Körper sich angewöhnt hat – niemand macht das absichtlich, und die meisten Betroffenen merken es nicht. Erkennbar ist es unter anderem daran, dass es im Schlaf vollständig aufhört und beim Sprechen oder bei Ablenkung nachlässt. Behandelt wird es nicht mit Säureblockern, sondern logopädisch.
Einführung
Manche Menschen stoßen ständig auf. Nicht gelegentlich nach dem Essen, sondern immer wieder, oft im Abstand von wenigen Sekunden, über Stunden. Sie haben meist schon einiges hinter sich: Säureblocker, Ernährungsumstellungen, Untersuchungen ohne klaren Befund. Und die Auskunft, das komme eben vom Reflux.
Bei einem Teil dieser Menschen stimmt das nicht. Die Luft, die da hochkommt, war nie im Magen.
Das klingt zunächst unglaubwürdig – vor allem für die Betroffenen selbst. Dieser Artikel erklärt, was dahintersteckt, woran man es erkennen kann und warum es eine gute Nachricht ist.
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Mehr InformationenGibt es zwei Arten von Aufstoßen?
Ja, und sie haben nichts miteinander zu tun.
gastrales Aufstoßen vs. supragastrales Aufstoßen |
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Das gastrale Aufstoßen ist der bekannte Vorgang: Im Magen sammelt sich Gas, der Verschluss zur Speiseröhre öffnet sich reflexhaft, die Luft entweicht. Ein völlig normaler Entlüftungsmechanismus. Bis zu dreißig Mal am Tag gilt als unauffällig.
Das supragastrale Aufstoßen funktioniert anders. Die Luft kommt nicht aus dem Magen, sondern aus dem Rachen – und sie geht auch nie weiter als bis in die Speiseröhre.
Evidenz: belegt
Was passiert beim supragastralen Aufstoßen genau?
Der Ablauf dauert weniger als eine Sekunde und besteht aus zwei Bewegungen.
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Unterschiede von supragastralem und gastralem Aufstoßen |
Zuerst zieht sich das Zwerchfell zusammen. Dadurch entsteht in der Speiseröhre ein Unterdruck, ähnlich wie bei einem tiefen Einatmen. Der obere Speiseröhrenschließmuskel entspannt sich, und Luft wird aus dem Rachen in die Speiseröhre gesogen.
Unmittelbar danach wird sie durch Anspannen der Bauchmuskulatur wieder nach oben herausgedrückt – als hörbares Aufstoßen.
Entscheidend: Der untere Schließmuskel bleibt dabei geschlossen. Die Luft erreicht den Magen gar nicht. Sie macht nur eine kurze Schleife in die Speiseröhre und wieder heraus.
Manche Betroffene ziehen die Luft nicht ein, sondern pressen sie mit der Zunge hinein. Beide Wege führen zum selben Ergebnis.
Evidenz: belegt
Wie viel Luft kann der Magen überhaupt ablassen?
Weniger, als die meisten vermuten – und das ist ein brauchbarer Prüfstein.
Die Luft im Magen stammt fast vollständig aus einer einzigen Quelle: verschluckter Luft. Bei jedem Schluck gelangen ein paar Milliliter mit hinunter, beim Essen, beim Trinken, beim Schlucken von Speichel. Dazu kommen kohlensäurehaltige Getränke und eine kleine Menge Gas, die entsteht, wenn Magensäure auf bestimmte Nahrungsbestandteile trifft.
Das ist eine begrenzte Menge. Deshalb gilt gastrales Aufstoßen bis etwa dreißig Mal am Tag als normal – nicht pro Stunde.
Und hier wird es aufschlussreich. Wer von dreißig Aufstößen pro Stunde berichtet, kommt über einen wachen Tag auf mehrere hundert. Das ist ein Vielfaches dessen, was der Magen in einem ganzen Tag an Luft überhaupt bereitstellen kann. Der Magen kann so viel gar nicht liefern.
Beim supragastralen Aufstoßen gibt es diese Grenze nicht. Die Luft kommt aus dem Rachen und geht dorthin zurück – es ist eine Schleife, kein Verbrauch. Deshalb sind Fälle mit mehreren hundert Episoden täglich beschrieben.
Eine sehr hohe Häufigkeit spricht also schon für sich. Sie ist kein Beweis, aber ein starker Hinweis.
Hinweis: Selbst geschätzte Häufigkeiten sind selten genau. Aber auch bei großzügiger Korrektur nach unten bleibt die Größenordnung aussagekräftig.
Evidenz: belegt für die Herkunft der Magenluft und die Normwerte. Die Ableitung aus der Häufigkeit: plausibel.
Kommen die Gase aus dem Darm über die Speiseröhre heraus?
Nein – und diese Vorstellung führt viele in die Irre.
Es klingt naheliegend: Im Darm entstehen bei der Verdauung große Mengen Gas, also muss davon doch etwas nach oben. Tatsächlich funktioniert der Verdauungstrakt in dieser Hinsicht als Einbahnstraße.
Die Muskelbewegungen des Darms transportieren den Inhalt in eine Richtung: nach unten. Gas, das im Dickdarm durch Bakterien entsteht, nimmt denselben Weg und verlässt den Körper am anderen Ende. Es wandert nicht rückwärts durch mehrere Meter Dünndarm und den Magenpförtner zurück in den Magen.
Was du beim Aufstoßen los wirst, ist also nicht die Gärung von gestern. Es ist im Wesentlichen Luft, die du selbst geschluckt hast.
Wo es doch eine Verbindung gibt
Zwei Einschränkungen, damit das Bild vollständig ist:
Der obere Dünndarm. Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung entsteht Gas dort, wo es nicht hingehört – deutlich weiter oben, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Magen. Hier ist ein Übertritt in den Magen denkbar. Mehr dazu: Stiller Reflux und SIBO
Der Weg über das Zwerchfell. Viel Gas im Darm verändert die Platzverhältnisse im Bauchraum und wirkt auf das Zwerchfell ein. Das kann Beschwerden verursachen, die sich wie Herz- oder Speiseröhrenprobleme anfühlen – bekannt als Roemheld-Syndrom. Auch hier steigt das Gas aber nicht durch die Speiseröhre auf; es wirkt über die Nachbarschaft.
Und ein dritter Punkt, der für Reflux zählt: Mehr Gas im Bauchraum bedeutet mehr Dehnung. Dehnung im oberen Magen ist der Reiz, der die reflexhafte Öffnung zwischen Magen und Speiseröhre auslöst. Darmgas kann Reflux also durchaus begünstigen – nur eben indirekt, über die Auslösung, nicht als aufsteigende Blase.
Evidenz: Transportrichtung im Verdauungstrakt belegt. Der Übertritt aus dem oberen Dünndarm und die Wirkung über das Zwerchfell: plausibel.
Warum merke ich nicht, dass ich das selbst mache?
Weil es automatisiert abläuft – so wie Zähneknirschen oder Blinzeln.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Menschen aussteigen. Wenn jemand sagt „diese Bewegung machen Sie selbst", klingt das nach einem Vorwurf. Nach Einbildung. Nach „reißen Sie sich zusammen".
So ist es nicht gemeint, und so ist es auch nicht.
Der Körper hat viele Bewegungsfolgen automatisiert, die anfangs bewusst waren. Fahrradfahren. Tippen ohne hinzusehen. Und eben auch weniger nützliche: Zähneknirschen im Schlaf, Nägelkauen beim Nachdenken, das Räuspern, das sich nach einer Erkältung eingeschliffen hat.
Beim supragastralen Aufstoßen ist es ähnlich. Am Anfang steht meist ein unangenehmes Gefühl im Bauch oder hinter dem Brustbein – Völlegefühl, Druck, Enge. Aufstoßen bringt kurz Erleichterung. Der Körper merkt sich das. Nach einiger Zeit läuft die Bewegung von selbst, immer öfter, und irgendwann auch ohne das ursprüngliche Gefühl.
Das ist der Grund, warum es Betroffenen als etwas erscheint, das ihnen passiert. Genau so erleben sie es auch. Diese Wahrnehmung ist nicht falsch – die Bewegung ist tatsächlich unwillkürlich geworden.
Und darin liegt die gute Nachricht: Was der Körper gelernt hat, kann er auch wieder verlernen. Das ist kein Trost, sondern der Behandlungsansatz.
Bemerkenswert ist übrigens, dass supragastrales Aufstoßen bei Kindern deutlich seltener vorkommt als gastrales. Die Angewöhnung findet offenbar erst im späteren Leben statt.
Evidenz: belegt
Woran kann ich supragastrales Aufstoßen erkennen?
Es gibt mehrere Hinweise, die zusammengenommen recht deutlich sind. Sicher feststellen lässt es sich nur mit einer Messung – aber diese Fragen helfen bei der Einschätzung.
Die drei aussagekräftigsten Fragen
1. Hört es im Schlaf auf? Supragastrales Aufstoßen kommt im Schlaf nicht vor – gar nicht. Wenn dein Partner sagt, dass nachts völlige Ruhe herrscht, während tagsüber ständig etwas hochkommt, ist das ein starker Hinweis.
2. Wird es besser, wenn du sprichst oder abgelenkt bist? Beim Erzählen, beim Vorlesen, bei konzentrierter Arbeit lässt es nach oder verschwindet. Gastrales Aufstoßen kümmert sich nicht darum, was du gerade tust.
3. Wird es schlimmer, wenn jemand darüber spricht? Ein Merkmal, das viele wiedererkennen: Sobald das Thema zur Sprache kommt – beim Arzt, im Gespräch mit Angehörigen –, häuft es sich auffällig.
Weitere Hinweise
- Es tritt unabhängig von den Mahlzeiten auf, nicht vorwiegend danach
- Es kommt in Serien, teils im Abstand von Sekunden über längere Zeit
- Die aufgestoßene Luft riecht und schmeckt nach nichts – sie war ja nie im Magen
- Säureblocker haben nicht geholfen, jedenfalls nicht gegen das Aufstoßen
- Vor dem Aufstoßen fällt manchmal eine Bewegung am Kehlkopf auf, ein Zusammenpressen der Lippen oder ein kurzes Innehalten der Atmung nach dem Einatmen
Was das nicht ersetzt
Diese Einschätzung ist ein Anhaltspunkt, keine Diagnose. Sicher unterscheiden lassen sich die beiden Formen nur über eine Impedanzmessung, bei der man sieht, in welche Richtung sich die Luft bewegt und wo sie herkommt.
Erkennst du dich in mehreren Punkten wieder, ist das ein guter Grund, das gezielt ansprechen zu lassen.
Evidenz: belegt für Schlaf, Ablenkung und Sprechen. Die äußerlich sichtbaren Zeichen: klinische Beobachtung.
Was hat das mit Reflux zu tun?
Mehr, als man denkt – und teilweise in umgekehrter Richtung.
Beide Formen des Aufstoßens treten bei Refluxbetroffenen gehäuft auf. In einer Untersuchung mit ambulanter Impedanzmessung zeigte etwa die Hälfte der GERD-Betroffenen supragastrale Aufstoß-Episoden.
Interessant wird es beim zeitlichen Zusammenhang. Bei einem Teil der Betroffenen folgt das Aufstoßen auf einen Refluxvorgang – hier wirken Säureblocker gut. Bei einem anderen Teil geht es dem Reflux voraus. Hier löst das Aufstoßen den Reflux offenbar mit aus, und Säureblocker helfen kaum.
Das erklärt eine Erfahrung, die viele machen: Die Medikamente wirken nicht, obwohl doch angeblich Reflux das Problem ist. Wenn das Aufstoßen den Reflux antreibt und nicht umgekehrt, ist Säurehemmung am falschen Ende angesetzt.
Die Verbindung zum Kloßgefühl
Supragastrales Aufstoßen tritt auffällig oft gemeinsam mit Globusgefühl auf – jenem Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben. Das passt zusammen: Beides spielt sich am oberen Speiseröhrenschließmuskel ab, und bei beidem findet sich dort erhöhte Anspannung.
Mehr dazu: Das Kloßgefühl und der Stille Reflux
Und bei Stillem Reflux?
Bei Menschen mit erhöhter Empfindlichkeit der Speiseröhre ist der Anteil besonders hoch. In einer Untersuchung an Betroffenen mit Refluxhypersensitivität hatte fast die Hälfte eine solche Bewegungskomponente, bei rund vierzig Prozent handelte es sich um ausgeprägtes supragastrales Aufstoßen.
Das ist genau die Gruppe, bei der die üblichen Behandlungen nicht greifen – und bei der sich ein anderer Weg lohnt.
Mehr dazu: Wenn die GERD eine NERD ist
Evidenz: belegt. Die Prozentangaben stammen aus einzelnen Untersuchungen an ausgewählten Gruppen und sind nicht auf alle Betroffenen übertragbar.
Wie wird es festgestellt?
Über eine kombinierte Impedanz-pH-Messung über 24 Stunden.
Dabei liegt eine dünne Sonde in der Speiseröhre, die über die elektrische Leitfähigkeit jede Bewegung erfasst – auch von Luft, und vor allem: in welche Richtung.
Der Unterschied ist im Messprotokoll eindeutig:
- Beim gastralen Aufstoßen zeigt sich die Luft zuerst unten, nahe am Magen, und wandert dann nach oben.
- Beim supragastralen Aufstoßen zeigt sie sich zuerst oben, wandert kurz nach unten und sofort wieder zurück.
Durchgeführt wird die Untersuchung in gastroenterologischen Praxen und Kliniken mit Funktionsdiagnostik. Nicht jede Praxis bietet sie an – es lohnt, gezielt danach zu fragen.
Ein erfahrener Untersucher kann den Verdacht auch schon im Gespräch stellen, allein anhand des Musters und der sichtbaren Bewegungen.
Was hilft?
Nicht Säureblocker. Sondern Logopädie.
Das überrascht viele. Es ergibt aber Sinn, sobald klar ist, worum es geht: um eine Bewegungsfolge im Bereich von Kehlkopf, Zwerchfell und Atmung. Genau dafür sind Logopädinnen und Logopäden ausgebildet.
Die Behandlung besteht im Kern aus drei Teilen:
Erklärung. Zu verstehen, was da mechanisch passiert, ist kein Vorgeplänkel, sondern bereits Behandlung. Solange der Vorgang als etwas Fremdes erlebt wird, gibt es nichts, woran man ansetzen könnte.
Wahrnehmung. Zu spüren, wie die Luft in die Speiseröhre gezogen wird – und wann. Das ist der schwierigste und wichtigste Schritt.
Übungen. Arbeit an Stimmlippenschluss, Mundschluss und Atmung, die die Bewegungsfolge unterbricht. Häufig kommt Zwerchfellatmung dazu.
In einer Auswertung von 73 behandelten Personen zeigte dieses Vorgehen deutliche Verbesserungen. Auch aus früheren kleineren Untersuchungen liegen entsprechende Ergebnisse vor.
Wohin in Deutschland?
- Diagnostik: gastroenterologische Praxis oder Klinik mit Funktionsdiagnostik (Impedanz-pH-Metrie)
- Behandlung: Logopädie oder Phoniatrie. Wichtig ist, gezielt nach Erfahrung mit supragastralem Aufstoßen zu fragen – es ist nicht in jeder Praxis bekannt
- Bei starker Belastung kann zusätzlich eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein, weil Anspannung die Häufigkeit deutlich beeinflusst
Evidenz: belegt, aber auf kleinen Fallzahlen. Randomisierte kontrollierte Studien fehlen bislang.
Sing mal wieder – was eine neue Studie zeigt
Im Sommer 2026 ist die erste Untersuchung erschienen, die strukturiertes Singen gegen Zwerchfellatmung antreten ließ. 72 Betroffene, zwei Zentren, zufällige Zuteilung.
Das Ergebnis war deutlich: Nach einer Woche sprachen 72 Prozent der singenden Gruppe an, gegenüber 39 Prozent bei der Atemgruppe. Nach einem Monat lagen die Werte bei 50 gegenüber 31 Prozent.
Warum ausgerechnet Singen? Dafür gibt es zwei Erklärungen, und beide sind interessant.
Die eine ist mechanisch: Singen trainiert genau den Stimmlippenschluss, über den die Luft beim supragastralen Aufstoßen eingezogen wird. Es arbeitet also unmittelbar an der beteiligten Muskulatur – während Zwerchfellatmung eine Ebene daneben ansetzt.
Die andere ist schlichter: Singen macht mehr Freude. Die Studienautoren geben ausdrücklich an, dass manche Betroffene Atemübungen als eintönig empfinden. Wer eine Übung gern macht, macht sie auch.
Was die Studie nicht zeigt: warum es wirkt. Sie hat Wirksamkeit verglichen, nicht Mechanismen untersucht. Und sie ist klein – eine Woche Behandlung, ein Monat Nachbeobachtung, gut dreißig Personen pro Gruppe. In beiden Gruppen ließ die Wirkung bis zum Monatsende nach. Menschen mit ausgeprägter Angst oder Depression waren ausgeschlossen.
Als Beleg für eine Behandlungsempfehlung reicht das noch nicht. Als Hinweis darauf, dass hier eine erlernte Bewegung im Spiel ist, die sich über eine andere Bewegung überschreiben lässt, ist es bemerkenswert.
Evidenz: belegt für das Studienergebnis. Die Deutung als motorisches Umlernen: plausibel.
Quelle: Shang H et al., Clin Gastroenterol Hepatol 2026, DOI 10.1016/j.cgh.2026.03.047
Was du selbst schon tun kannst
Das ersetzt keine Behandlung, kann aber die Richtung zeigen:
Beobachten statt bekämpfen. Führe ein paar Tage lang locker Buch: Wann tritt es auf, wann nicht? Was hast du in den ruhigen Phasen gerade gemacht? Das schärft die Wahrnehmung – und liefert der Logopädin gute Vorarbeit.
Auf den Moment davor achten. Gibt es ein Gefühl, das dem Aufstoßen vorausgeht? Druck, Enge, Völlegefühl? Oder kommt es aus dem Nichts?
Zwerchfellatmung üben. Ruhige Bauchatmung mit verlängerter Ausatmung arbeitet genau an der Muskulatur, die beim supragastralen Aufstoßen beteiligt ist. Mehr dazu: Zwerchfell und Reflux
Den Mund locker lassen. Manche Betroffene bemerken, dass sich vor dem Aufstoßen Lippen und Kiefer anspannen. Bewusst lockern kann die Kette unterbrechen.
Bitte beachte: Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Ständiges Aufstoßen kann auch andere Ursachen haben, und eine Einschätzung über einen Artikel ersetzt keine Untersuchung.
Fazit
Wenn du ständig aufstößt und nichts geholfen hat, lohnt die Frage, woher die Luft eigentlich kommt.
Kommt sie gar nicht aus dem Magen, ist Säurehemmung der falsche Hebel – und der richtige ist einer, an den du selbst herankommst. Nicht durch Willenskraft, sondern durch eine Behandlung, die genau darauf ausgelegt ist, automatisierte Bewegungen wieder aufzulösen.
Der Körper hat diese Bewegung gelernt. Er kann sie auch wieder verlernen.
Häufige Fragen
Wie oft ist Aufstoßen normal? Gastrales Aufstoßen bis zu etwa dreißig Mal täglich gilt als unauffällig. Als Störung wird es erst betrachtet, wenn es so häufig oder belastend wird, dass es den Alltag beeinträchtigt – nach internationalen Kriterien an mehr als drei Tagen pro Woche.
Ich stoße dutzende Male pro Stunde auf – kann das noch aus dem Magen kommen? Sehr wahrscheinlich nicht zum überwiegenden Teil. Die Luft im Magen stammt fast vollständig aus verschluckter Luft und ist damit mengenmäßig begrenzt. Mehrere hundert Aufstoß-Ereignisse am Tag übersteigen das deutlich. Beim supragastralen Aufstoßen gibt es diese Begrenzung nicht, weil dieselbe Luft nur zwischen Rachen und Speiseröhre hin- und herbewegt wird.
Kommen Darmgase über die Speiseröhre heraus? Nein. Der Verdauungstrakt transportiert seinen Inhalt in eine Richtung, und Gas aus dem Dickdarm verlässt den Körper am anderen Ende. Was du aufstößt, ist im Wesentlichen selbst geschluckte Luft. Viel Darmgas kann Reflux trotzdem begünstigen – aber indirekt, weil mehr Dehnung im Bauchraum die reflexhafte Öffnung häufiger auslöst.
Was ist supragastrales Aufstoßen? Eine Form des Aufstoßens, bei der Luft aus dem Rachen in die Speiseröhre gezogen und sofort wieder ausgestoßen wird, ohne den Magen zu erreichen. Es handelt sich um eine automatisierte Bewegungsfolge, nicht um einen Reflex.
Mache ich das absichtlich? Nein. Die Bewegung läuft unwillkürlich ab, vergleichbar mit Zähneknirschen. Die meisten Betroffenen bemerken nicht, dass sie selbst daran beteiligt sind – und diese Wahrnehmung ist zutreffend, weil der Vorgang automatisiert ist.
Woran erkenne ich, ob mein Aufstoßen supragastral ist? Die deutlichsten Hinweise: Es hört im Schlaf vollständig auf, es lässt beim Sprechen und bei Ablenkung nach, es tritt unabhängig von Mahlzeiten auf und kommt in schnellen Serien. Sicher unterscheiden lässt es sich nur mit einer Impedanzmessung.
Ich wache nachts auf und stoße dann in Serien auf – passt das trotzdem ins Muster?Ja. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Schlafen und Wachsein, nicht zwischen Tag und Nacht. Während des Schlafs tritt supragastrales Aufstoßen nicht auf. Wachst du auf und es beginnt dann, bist du in diesem Moment wach – das ist kein Widerspruch. Viele Betroffene deuten es als Luft, die sich über Nacht angesammelt hat. Dafür spricht allerdings wenig, denn im Schlaf schluckst du kaum, und der Magen bekommt in dieser Zeit besonders wenig Luft.
Warum helfen Säureblocker nicht? Weil das Problem nicht die Säure ist. Bei einem Teil der Betroffenen löst das Aufstoßen den Reflux sogar mit aus – dann ist Säurehemmung am falschen Ende angesetzt.
Wer behandelt supragastrales Aufstoßen? Festgestellt wird es in der Gastroenterologie mit Funktionsdiagnostik, behandelt wird es logopädisch oder phoniatrisch. Frag gezielt nach Erfahrung mit diesem Beschwerdebild.
Geht das wieder weg? In den vorliegenden Untersuchungen zeigten sich deutliche Verbesserungen durch logopädische Behandlung. Die Fallzahlen sind klein, aussagekräftige große Studien fehlen bislang.
Hat das etwas mit Stillem Reflux zu tun? Beides kann gemeinsam auftreten. Besonders häufig findet sich supragastrales Aufstoßen bei Menschen mit erhöhter Empfindlichkeit der Speiseröhre und bei Kloßgefühl im Hals.
Quellen
- PMID 25001253 – Übersicht zu Entstehung, Diagnostik und Behandlung von übermäßigem Aufstoßen
- PMID 35562166 – Supragastrales Aufstoßen: Entstehung, diagnostische Fragen und Behandlung
- PMID 27206156 – Supragastrales Aufstoßen und seine Verbindung zu Globusgefühl und PPI-Versagen
- PMID 32272249 – Phänotypen der Refluxhypersensitivität, Anteil mit Verhaltenskomponente
- PMID 29574541 – Logopädische Behandlung bei supragastralem Aufstoßen, 73 Behandelte
- PMID 19650772 – Pilotstudie zur logopädischen Behandlung
- AGA Clinical Practice Update zu Aufstoßen, Blähungen und Distension, Gastroenterology 2023
Erklärmodell Version 1.0, Stand August 2026.

