Speiseröhrenentzündung - eine unterschätzte Erkrankung

Eine Speiseröhrenentzündung tritt meist bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auf. Die Hauptursachen sind Herpes-simplex-Viren, das Zytomegalie-Virus und eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans. Die Erkrankung wird oft unterschätzt und zu spät behandelt.
Auch bei Betroffenen der Refluxerkrankung kann sich die Speiseröhre entzünden.

Untersuchung der Speiseröhre mittels Fiberoptikendoskop

Die Speiseröhre besitzt drei Abwehrmechanismen die sie gegen Infektionen schützt. Zum einen ist es der Speichel, der antibakteriell wirkt und so einen gewissen Schutz aufbaut, dann sind die Zellen des Immunsystems natürlich auch in der Speiseröhre an der Arbeit und schließlich ist es die normale Bewegung der Speiseröhre (Motilität).

Menschen mit einer gestörten oder geschwächten Abwehr sind also besonders gefährdet. Das betrifft Menschen mit einem transplantierten Organ, Diabetiker, Alkoholkranke, Krebskranke, Menschen, die an Mangelernährung leiden, HIV-Infizierte und Menschen, die an Tuberkulose erkrankt sind aber auch Menschen hohen Alters, deren Speichelbildung nicht mehr richtig funktioniert.

Symptome

Das typische Symptom sind Schmerzen beim Schlucken und bei einigen Betroffenen macht auch das Herunterbringen der Nahrung Schwierigkeiten. Solche Infektionen verursachen auch Geschwüre, wunde Stellen, Schwellungen und Reizungen in der Speiseröhre. Es können auch Fieber und Husten auftreten. Das wieder hervorwürgen von Nahrung tritt in seltenen Fällen auf, wenn durch die Infektion Fisteln entstanden sind.

Zeichen der Infektion der Speiseröhre mit Pilzen ( Candida albicans ) kann der Arzt manchmal schon im Mund erkennen. Es finden sich weißliche Beläge im Rachen.

Diagnose

Die Diagnose einer Speiseröhrenentzündung erfolgt immer durch eine endoskopische Untersuchung des Hohlorgans. Dabei werden in aller Regel auch Gewebeproben entnommen (Biopsie). Diese untersucht ein Arzt unter dem Mikroskop.

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Speichel, in ausreichendem Maße produziert, schützt die Speiseröhre vor Infektionen. Bei zu geringer Speichelbildung: Ausreichend trinken, Öl ziehen, Kaugummi kauen, Eiswürfel lutschen und in schwereren Fällen Speichel ersetzen (künstlicher Speichel als Gel oder Spray)

Behandlung

Menschen mit einer Pilzinfektion erhalten ein Antipilzmittel wie zum Beispiel Fluconazol oder Ketoconazol. Je nach Zustand der Patienten wird das Mittel als Tablette verabreicht , als Flüssigkeit zugeführt oder in seltenen Fällen als Injektion in die Vene gespritzt.

Betroffene, die mit dem Herpes simplex Virus infiziert sind oder solche die das Zytomegalievirus haben, behandelt der Arzt mit Virostatika wie Aciclovir , Ganciclovir oder Foscarnet zur Einnahme in Tablettenform oder als Injektion über die Vene.

Sonderformen der Speiseröhrenentzündung

Speiseröhrenentzündung: Mann mit Schmerzen und Krämpfen

1. eosinophile Speiseröhrenentzündung

Die eosinophile Speiseröhrenentzündung ist eine Sonderform der Speiseröhrenentzündung. Bei dieser Erkrankung, die ebenfalls eine Entzündung darstellt, sammeln sich in der Wand der Speiseröhre sehr viele sog. Eosinophilen, eine Art weißer Blutkörperchen. Diese Blutkörperchen spielen eine große Rolle bei allergischen Reaktionen und Erkrankungen, insbesondere bei Asthma und bei Infektionen mit Parasiten. Eine eosinophile Speiseröhrenentzündung wird bei Menschen mit genetischen Risikofaktoren durch eine allergische Reaktion auf bestimmte Lebensmittel ausgelöst . Die allergische Reaktion führt zu einer Entzündung, die die Speiseröhre reizt.

Die Erkrankung kann durch Allergien auf Nahrungsmittel ausgelöst werden.
Sie kann zu jedem Zeitpunkt auftreten, betrifft aber meistens Kinder und junge Erwachsenen.
Sie tritt häufiger bei Jungen und Männern auf, wird aber gelegentlich auch bei älteren Erwachsenen beobachtet.

Symptome der eosinophilen Speiseröhrenentzündung

Die Symptome können denen der gastroösophagealen Refluxkrankheit ähneln, besonders Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein.
Kinder und Säuglinge verweigern das Essen und / oder erbrechen sich und haben Bauchschmerzen.
Betroffene mit einer Verengung der Speiseröhre, welche durch eine länger anhaltende eosinophile Speiseröhrenentzündung entsteht, haben oft eine Schluckstörung (Dysphagie). Dabei bleibt Nahrung in der Speiseröhre hängen.

Diagnose dieser Sonderform

Auch bei dieser Art der Speiseröhrenentzündung wird immer eine Endoskopie durchgeführt und dabei werden Proben für eine Biopsie entnommen.
Bei Verdacht auf Verengungen der Speiseröhre kann es notwendig werden, deren Ausmaß besser einschätzen zu können. Deshalb wird manchmal der sog. Bariumschluck angewandt. Dabei trinkt der Patient eine Flüssigkeit mit Barium unter Röntgenkontrolle.
Außerdem sollten bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergien auch Haut- und Bluttests durchgeführt werden um das Allergen zu identifizieren.

Behandlung der eosinophilen Speiseröhrenentzündung

Es wird mit Kortikosteroiden behandelt. Solche Präparate werden geschluckt, um die Schleimhaut der Speiseröhre zu überziehen und dort die Entzündung zu reduzieren. Oft arbeitet der Arzt mit dem Präparat Fluticason über einen Inhalator oder mit Budesonid, welches mit Verdickungsmittel gemischt geschluckt wird. Dabei ist es besonders wichtig, den Mund im Anschluss an die Behandlung aus zuspülen, damit keine Pilzinfektion eintritt.

Bei Betroffenen mit Speiseröhrenverengung kann der Arzt bei einer endoskopischen Untersuchung einen Ballonkatheter in die Speiseröhre einführen und mit ihm dort Engstellen aufdehnen.

Zusätzlich sollte bei Identifizierung eines auslösenden Allergens eine Ernährungsumstellung erfolgen, um das Allergen künftig zu meiden. Sollte es nicht möglich sein, ein Allergen zu identifizieren, können die Patienten eine Diät ohne Milchprodukte, Nüsse, Eier, Soja und Meeresfrüchte versuchen. Auch Weizenprodukte sind hierbei zu  meiden. Es handelt sich um eine sog. Ausschlussdiät. Dabei werden hochallergene Nahrungsmittel zunächst komplett aus dem Speiseplan gestrichen und dann langsam, Schritt für Schritt wieder hinzu gefügt zu werden, bis der allergieauslösende Stoff gefunden ist.

2. Medikamentenbedingte Speiseröhrenentzündung - Pillenösophagitis

Hierbei handelt es sich um einen lokalen Schleimhautschaden in der Speiseröhre. Er entsteht gewöhnlich durch längeres Anhaften oder Verbleiben von Medikamenten bestimmter Stoffgruppen in der Speiseröhre. Die Arzneimittel können mehrere Stunden in der Speiseröhre, bevorzugt im Bereich physiologischer Engen verbleiben. Die Schäden können zu Durchbrüchen und Verengungen führen.

Bei Präparaten über 2 cm Durchmesser kann es zu einer verlängerten Speiseröhrenpassage kommen.
Bestimmte Antibiotika (Tetracycline, Doxycyclin, Clindamycin) sind sehr sauer (pH < 2-3) können zu Verätzungen führen. Mehr als 90% der Schäden entstehen durch Antibiotika, Mittel gegen Viren, Kaliumchlorid, Chinidin, Eisenpräparate, Bisphosphonate und nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAID), Steroide, Alendronat aber auch Vitamin C – Präparate.

Leitsymptom ist ein starker Schmerz hinter dem Brustbein mehrere Stunden nach der Medikamenteneinnahme, Schluckschmerzen und Schluckschwierigkeiten bei Schwellungen und Verengungen.  

Bei leichteren Fällen genügt die Gabe von Antazida, Sucralfat und Tepilta und eventuell Lokalanästhetika. Außerdem sollte eine sachgemäße Einnahme der Medikamente thematisiert werden oder ein Umsetzen auf ein anderes Präparat in Betracht gezogen werden.

Wichtig: Medikamente sollten immer aufrecht sitzend oder stehend eingenommen werden. Trinkt bitte immer mindestens ein Glas Wasser dazu! Bitte niemals Medikamente im Liegen einnehmen!

3. Speiseröhrenentzündung durch chronische Alkoholsucht

Diese Art der Speiseröhrenentzündung wird auch sekundäre Speiseröhrenentzündung genannt. Sie entwickelt sich nach jahrelangem Alkoholmißbrauch vorwiegend im oberen Drittel der Speiseröhre. Die Entzündung ist hier durch den ständigen Kontakt mit Alkohol entstanden und die angegriffene Speiseröhrenschleimhaut wird oft sekundär mit Pilzen besiedelt.
Als Therapie gilt hier die Alkoholabstinenz, die Bougierung von Stenosen, symptomatische Therapie mit Protonenpunpenhemmern, eventuell muss auch eine Therapie gegen Pilze erfolgen.

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