Die Behandlung von Stillem Reflux

pH-Metrie

Das Wichtigste in Kürze

  • PPIs (Säureblocker) wirken bei Stillem Reflux in Studien oft kaum besser als ein Scheinmedikament – Säure ist eben nur ein Teil des Problems
  • Die Ernährungsumstellung ist in den meisten Fällen der wirksamste erste Schritt
  • Je nachdem welcher Arzt zuerst aufgesucht wird, fällt die Behandlung sehr unterschiedlich aus – ein interdisziplinärer Ansatz (Gastroenterologe, HNO, Pneumologe) ist ideal
  • Alginate und schleimhautschützende Mittel sind bei Stillem Reflux eine gute Alternative oder Ergänzung – in ersten Vergleichsstudien schnitten Alginate mindestens so gut ab wie Säureblocker
  • Stiller Reflux ist nachhaltig therapierbar – aber nicht mit dem gleichen Ansatz wie klassischer Reflux

2. Überarbeitung: 29.09.2026

Einleitung

Die Behandlung von Stillem Reflux ist noch immer ein wenig ein Glücksspiel.
Je nach dem, zu welchem Arzt die Betroffenen zuerst gehen, richtet sich oft die Behandlung, wenn sie denn überhaupt stattfindet.

Chronischer Husten ist jenes Krankheitsbild, dass die meisten zum Arzt führt. So haben sie also als Kassenpatient nicht die Wahl, sondern werden vom Hausarzt überwiesen an den Kollegen, den er oder sie für zuständig hält.

Es liegt dann ganz daran, wie intensiv der Arzt fragt oder wie detailliert die Betroffenen ihre Beschwerden schildern. Danach landen sie beim Hals-Nasen-Ohrenarzt oder beim Facharzt für Lungenkrankheiten, manche auch beim Allergologen.

Es werden eine Menge Untersuchungen und Tests durchgeführt. Wenn der Betroffene Glück hat, und der Arzt, der ihn nun behandelt, schon einmal etwas von LPR (Laryngopharyngealer Reflux) gehört hat, bekommt er eine halbwegs effiziente Behandlung. Wenn nicht, dann landet der Patient entweder in der Psycho-Ecke, oder er wird zu einem anderen Spezialisten abgeschoben.

Kompetenz-Gerangel in der Behandlung von Stillem Reflux

Der Gastroenterologe fühlt sich in diesem Zusammenhang zuständig für Magen und Speiseröhre. Der Pneumologe interessiert sich nur für die Lunge. Der HNO-Arzt ist spezialisiert auf Erkrankungen von Hals, Kehlkopf, Nase und deren Nebenhöhlen und der Ohren.

Ist durch den Stillen Reflux ein Post-Nasal-Drip-Syndrom oder das Burning-Mouth-Syndrom entstanden, so wird der HNO-Arzt zur Schlüsselfigur im Diagnosepuzzle. Der Allergologe interessiert sich hauptsächlich für die Nase und die Augen, aber auch für die Lunge und die Haut.

Wenige Allergologen suchen auch nach Unverträglichkeiten oder echten Allergien im Darm. Wer also ist nun zuständig bei den vielfältigen Symptomen des Stillen Refluxes? Und wie bekommt man all die Spezialisten unter einen Hut oder besser noch, in ein Refluxzentrum? Nun, erste Versuche in dieser Richtung wurden unternommen.

Dort fühlen sich die Betroffenen endlich ernstgenommen . Allerdings haben nicht alle Zentren überhaupt geeignete Geräte zum Nachweis von Stillem Reflux, und weil meist auch Chirurgen zum Team gehören, liegt der Gedanke an eine Operation dort oft nahe. Mögen die Ursachen des Stillen Refluxes schon vielfältig sein, seine Diagnose ist deutlich umstritten. Mehr dazu:
https://magenkompass.de/stiller-reflux-diagnose-goldstandard-vs-praxisrealitaet/

Mit welchen Untersuchungen kann man Stillen Reflux nachweisen

Will man Stillen Reflux wirklich nachweisen, reicht eine Messung in der Speiseröhre nicht aus. Es braucht eine Messung über 24 Stunden, die bis in den Rachen reicht und sauren wie nicht sauren Reflux erfasst. Ohne einen solchen Nachweis bleibt die Diagnose Stiller Reflux immer eine Verdachtsdiagnose. In der Praxis werden meist ein gereizter Kehlkopf und eine Besserung unter Säureblockern als Hinweis genommen. Beides ist aber ein schwacher Beleg: Rötungen im Kehlkopf finden sich auch bei vielen Gesunden, und selbst die deutsche Leitlinie hält fest, dass das Ansprechen auf einen Säureblocker die Diagnose einer Refluxkrankheit nicht sichert.

Standard-Verfahren

Es gibt eine Reihe von Standard-Verfahren, um die man auch bei der gesonderten Situation bei Stillem Reflux nicht herumkommt.

Magenspiegelung (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie)

Bei Stillem Reflux sind die meisten Betroffenen in der Magenspiegelung ohne Entzündungszeichen in der Speiseröhre. Dies ist ein typischer Befund.

Warum aber sollten wir diese Untersuchung dennoch machen lassen?

Es sollten Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden wie etwa eine Speiseröhrenentzündung, Engstellen in der Speiseröhre, ein Barrett-Ösophagus oder ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie), aber auch eine Pilzösophagitis oder eine eosinophile Ösophagitis oder ein Helicobacterbefall und auch eine Gastritis.

pH-Metrie

Bei der pH-Metrie wird wenig überraschend, der pH-Wert gemessen.
Sie ist ein Standardverfahren, um sauren Reflux in der Speiseröhre nachzuweisen. Um festzustellen, wie die Säurebelastung im Tagesverlauf ist, wird oft eine 24h-pH-Metrie durchgeführt. Dabei wird ein Messkatheter über die Nase eingeführt.

Und hier ist dann besonders wichtig, wo genau gemessen wird!

Bei der klassischen Säuremessung wird nämlich der pH-Wert etwa 5cm oberhalb des Übergangs vom Magen in die Speiseröhre gemessen.
Bei Stillem Reflux ist jedoch die Mehrpunkt-Messung geeigneter, um festzustellen, ob und wie weit der Stille Reflux in der Speiseröhre aufsteigt.

Doch wo liegt hier der Haken?

Ganz klar an der Stelle, wo es eben nur Messungen in der Speiseröhre gibt, egal ob oben oder unten. Um Stillen Reflux sicher zu erfassen, braucht es Messpunkte bis in den Rachen, und es sollte nicht nur saurer Reflux registriert werden, sondern auch nicht saurer.

Impedanz-pH-Metrie

Auch hier wird ein Messkatheter über die Nase in die Speiseröhre gelegt.
Und auch dieser Katheter verbleibt 24 Stunden an Ort und Stelle.
Doch diese Methode hat einen entscheidenden Vorteil: Sie kann sowohl sauren als auch nicht-sauren Reflux sowie die Reflux-Menge nachweisen.
Außerdem kann die Impedanz-pH-Metrie auch die Höhe des aufsteigenden Refluxes sehr gut nachweisen und bei guter Auswertung auch zeigen, ob tatsächlich Refluxepisoden vorliegen, die bis in die obere Speiseröhre und den Kehlkopf aufsteigen.

 Doch auch hier gibt es eine Einschränkung: Die Messung zeigt, dass etwas aufsteigt, wie hoch und wie sauer es ist – aber nicht, was genau darin steckt, etwa Galle oder Pepsin

Wird sie mit Messpunkten bis in den Rachen durchgeführt, gilt sie in der europäischen HNO-Leitlinie als das genaueste Verfahren für Stillen Reflux. Allerdings wird sie nur selten angeboten und noch seltener durchgeführt.

Restech-Messung

Mit dieser Methode soll Reflux im Rachen gemessen werden. Sie wird in Europa aber nur selten eingesetzt, weil die Messwerte als unsicher gelten und das Verfahren nicht zu den Standarduntersuchungen gehört.

 In den USA hingegen ist diese Methode längst etabliert.

Die Restech-Sonde misst den pH-Wert direkt hinter dem Gaumenzäpfchen, also dort, wo Stiller Reflux ankommt – auch in feinen Tröpfchen. Herkömmliche pH-Metrie-Geräte haben dort keine Messpunkte. Wie aussagekräftig die Werte für die Beschwerden sind, ist allerdings umstritten: Die deutsche Leitlinie sieht dafür keine eindeutigen Hinweise und rät davon ab, sich allein auf eine pH-Messung im Rachen zu stützen.

Um das Krankheitsbild zu beurteilen, ermittelt die RESTECH-Software den sogenannten Ryan-Score und bietet dem Arzt Informationen zur Säurebelastung im Rachen.

Die Platzierung einer Restech-Sonde ist viel einfacher als die Platzierung einer Sonde bei pH-Metrie oder Impedanz-Messung, denn die Sonde muss nur bis in den Rachen vorgeschoben werden.

Die Auswertung hingegen unterscheidet sich deutlich von der klassischer anderer Methoden und erfordert einiges an Erfahrung.

Und eben hier scheinen sich die Unsicherheiten (siehe oben) anzusiedeln.

Bei dieser Methode geht es um die Beachtung länger anhaltender Refluxepisoden mit weniger ausgeprägten pH-Spitzen. Auch ist es möglich, bei dieser Methode basischen Reflux zu ermitteln. Das wäre besonders bei einer Säureblocker-Überdosierung möglich und wichtig. Doch auch hier kann Pepsin nicht eindeutig nachgewiesen werden.


Bravo-pH-Metrie

Die Bravo-pH-Metrie ist eine Sonderform der pH-Metrie und wird nur sehr selten angewendet. Lediglich bei Menschen mit starkem Würgereiz, die den bei einer Standard-pH-Metrie liegenden Nasenkatheter nicht tolerieren, kann es sinnvoll sein, mit dieser Methode zu untersuchen. Dabei wird eine Messkapsel in die Speiseröhre implantiert, die kabellos die Messergebnisse an einen Recorder signalisiert, nach wenigen Tagen abfällt und mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Diese Methode ist sehr teuer und wird nur sehr selten eingesetzt.

Manometrie

Diese Druckuntersuchung in der Speiseröhre und an den Schließmuskeln
erfolgt mit einem Messkatheter, der durch die Nase in die Speiseröhre gelegt wird.
So können Kontraktionskraft, Verschlussdruck und Öffnungsfähigkeit der beiden Schließmuskel sowie die Eigenbewegung der Speiseröhre und die Koordination des Nahrungstransportes dort untersucht werden. Doch es ist eine Momentaufnahme. Funktionsstörungen, wie das zu häufige Öffnen
des unteren Speiseröhren-Schließmuskels, das häufig beim Stillen Reflux auftritt, können nicht erfasst werden.
Hinzu kommt, dass diese Untersuchung bei Stillem Reflux zumeist unauffällig ist.

Röntgendiagnostik

Das Röntgen-Breischluckverfahren beruht darauf, dass der Patient einen mit Kontrastmittel markierten Brei schluckt. Sollte es einen Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre geben, so kann dies auf diese Weise dargestellt werden. Auf Grund der Strahlenbelastung wird dieses Verfahren jedoch meist nur eingesetzt, wenn andere Verfahren nicht ausreichend sichere Ergebnisse liefern können.

Oft wird eine sogenannte Schluck-Kinematografie durchgeführt.
Bei diesem Verfahren wird mit hoher Auflösung der Ablauf des Schluckaktes in der Region des Kehlkopfes und des oberen Schließmuskels dargestellt. Dies ist angezeigt, wenn Koordinationsstörungen oder Funktionsstörungen des Schluckvorgangs vermutet werden. Es gibt aber auch einen gewissen Aufschluss darüber, ob Stiller Reflux vorhanden sein könnte.

Untersuchung zur Magenentleerungsgeschwindigkeit

In sehr seltenen Fällen ist es möglich, dass ein Stiller Reflux auch durch eine verzögerte Magenentleerung getriggert wird.

Sollte eine solche Magenentleerungsstörung als Ursache für Stillen Reflux vermutet werden, so kommen Untersuchungen wie eine Magenentleerungs-Szintigraphie, Atemtests zur Untersuchung der Magenentleerung für flüssige und feste Speisen oder eine Elektrogastrografie zum Einsatz.

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andere Möglichkeiten:

Pep-Test zum Nachweis von Pepsinen in den Schleimhäuten

Mageninhalt enthält Säuren, Basen, Schleim und Enzyme wie Pepsin. Findet man dieses Enzym im Nasen-Rachen-Raum, ist das ein Hinweis darauf, dass tatsächlich Mageninhalt bis dorthin aufsteigt. Um Pepsin im Speichel nachzuweisen, braucht es nur eine Speichelprobe.

Doch hier gibt es ein aber: Auch bei gesunden Personen ist Pepsin im Speichel nachweisbar. Und bei einer solchen Beprobung ist nicht ausgeschlossen, dass Pepsin zu einem anderen Zeitpunkt doch vorhanden sein könnte.
sinnvoll wäre also demnach nur eine 24-Stunden Pepsin in Speichel-Messung. Doch hierzu gibt es kein technisches Verfahren.

Aus diesem Grund hat sich der Pepsin-Test bisher nicht als Standard-Verfahren etabliert.

Zum Nachweis von Pepsin gibt es den sogenannten Pep-Test. Aus den genannten Gründen hat er sich in Europa nie wirklich durchgesetzt.

Wer mag, kann diesen Test im Internet bestellen. Ein einzelnes Ergebnis beweist allerdings weder das eine noch das andere, und was der behandelnde Arzt damit anfängt, ist ungewiss.

Auch eine hochauflösende Manometrie von Kehlkopf, oberem Speiseröhrenschließmuskel und der eigentlichen Speiseröhre kann wertvolle Hinweise liefern, ob es sich um Stillen Reflux handelt.

Funktions-Endoskopie mit dem Panendoskop nach Prof. Ingo F. Herrmann

Außerdem gibt es ein spezielles Endoskop, mit dem sich Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre und Mageneingang in einem Durchgang durch die Nase untersuchen lassen, eine sogenannte Funktionsendoskopie. So lassen sich Schleimhautschäden sichtbar machen, die zum Stillen Reflux passen. Leider ist diese Untersuchung keine Kassenleistung und wird nur in sehr wenigen Privatpraxen angeboten. Näheres erfahrt ihr in diesem Artikel:  Diagnose Stiller Reflux - Warum sie so schwierig ist
Leider praktiziert Prof. Herrmann nicht mehr.

Behandlungs-Möglichkeiten von Stillem Reflux aus schulmedizinischer Sicht

Auch heute noch wird in Deutschland Stiller Reflux genau wie klassischer Reflux mit PPI (Protonenpumpenhemmern) wie Omeprazol, Pantoprazol, Rabeprazol oder Lansoprazol behandelt. Das entspricht der deutschen Leitlinie zur Refluxkrankheit. In Studien haben Säureblocker bei Stillem Reflux allerdings im Schnitt kaum besser abgeschnitten als ein Scheinmedikament. In der bisher größten Studie dazu mit 346 Teilnehmenden gab es nach 16 Wochen keinen Unterschied.

Dahinter steht die Vorstellung, dass Stiller Reflux sich wie klassischer Reflux in der Speiseröhre abspielt und man nur die Säure abstellen muss. Diese Sichtweise wird dem Krankheitsbild nicht gerecht. Selbst die deutsche Leitlinie schreibt, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Reflux und solchen Beschwerden vermutlich viel seltener ist als bisher angenommen.

Der Probatorische Therapieversuch mit einem PPI

Viele Betroffene erfahren unter der Behandlung mit einem PPI nur ungenügende Besserung der Symptome oder auch gar keine. Hinzu kommt, dass die Refluxkrankheit in der Schulmedizin meist als chronisch gilt und vor allem symptomatisch behandelt wird.

An dieser Stelle wird dann oft ein Säureblocker auf Probe gegeben, um zu sehen, ob er hilft – obwohl er bei Stillem Reflux in Studien oft nicht besser wirkt als ein Scheinmedikament. Nach Meinung der Behandler ist diese Therapie oftmals nicht wirksam, weil die Patienten die Medikamente nicht ausreichend lange einnehmen.

Und diese Einnahmelänge bis zum vermuteten Wirkeintritt liegt bei Stillem Reflux sage und schreibe bei 12 Wochen!

Die ärztliche Theorie besagt hier, dass sie auf diese Weise den PPI-sensitiven Typ von Betroffenen vom PPI- unsensitiven Typ unterscheiden wollen und sich die weitere Behandlung nun danach richtet, wie die Reaktion des Patienten ausfällt. Und es wird in dieser Zeit, einem Vierteljahr, mit der doppelten Standard-Dosis gearbeitet!

Hier erfährst du, was die S2k-Leitlinie dazu sagt.

PPI-Test im Überblick:

Bei typischem Sodbrennen: PPI in Standarddosis. Bessert sich nach 8 Wochen zu wenig, sollte weiter untersucht werden.

Bei Verdacht auf Stillen Reflux: doppelte Standarddosis über 12 Wochen. Hilft das nicht und gibt es kein typisches Sodbrennen, soll der Säureblocker laut Leitlinie wieder abgesetzt werden.

Wichtig: Dass ein Säureblocker hilft, beweist noch keine Refluxkrankheit.

Hier gibt mehr zu den Ursachen von Stillem Reflux aus ganzheitlicher Sicht:

Ursachen von Stillem Reflux

Beim HNO-Arzt

Bei Beschwerden aus dem Bereich des Stillen Refluxes landen viele zuerst beim HNO-Arzt.
Dort kommt es zu einer Routineuntersuchung des Nasen-Rachen-Raumes und des Kehlkopfs mit einem Endoskop, dass durch die Nase eingeführt wird.

Ist dem Arzt bekannt, dass es die Möglichkeit gibt, dass Stiller Reflux die Beschwerden des Patienten hervorruft, so geht alles schnell. Der Stille Reflux wird vermutet und andere Beschwerdeursachen können ausgeschlossen werden. Nur in seltenen Fällen ist eine spezielle Kehlkopfspiegelung, eine Laryngoskopie erforderlich. Bei dieser Untersuchung kann, sofern erforderlich auch Gewebe entnommen und zur weiteren Untersuchung gegeben werden.

Untersuchung des Kehlkopfes

Bei der Laryngoskopie werden, Kehlkopf, Stimmritze und Rachen untersucht. Bei Stillem Reflux findet man dort Schleimhautrötungen, Schwellungen und Schleim.
Leider aber sind solche Veränderungen nicht spezifisch für Stillen Reflux und können auch durch Asthma, Allergien und COPD Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) hervorgerufen werden. Ob ein Kehlkopf unauffällig aussieht oder nicht zu beurteilen, erfordert große Erfahrung und Expertise.
Hinzu kommt, dass der Stille Reflux nun einmal von unten aufsteigt und auch die größten Schäden auf der Unterseite der anatomischen Strukturen hervorruft, die Instrumente des Arztes jedoch von oben und maximal von der Seite diese Strukturen beurteilen können. Das führt oft dazu, dass der Schweregrad der Schäden durch den Stillen Reflux unterschätzt wird.

Untersuchung der Nase

Gerade im Bereich der Nase und speziell der Nasenmuscheln kommt es nicht selten vor, dass Schwellungen und Entzündungen im hinteren Bereich dort unterschätzt und übersehen werden.

In Kehlkopf und Rachen ist die Schleimhaut weniger widerstandsfähig und sehr sensibel gegenüber schädigenden Einflüssen. Daher ist es möglich, dass schon geringe Mengen schädigender Substanzen wie Säuren oder Pepsine dort zu ausgeprägten Beschwerden führen können.

In verschiedenen Ländern außerhalb Europas hat man Reflux-Detektion-Scores (RDS) entwickelt, die den Schweregrad der klinischen Zeichen bestimmen und auf Grund der Gesamtpunktzahl die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Stillem Reflux zu ermitteln.


Der Lungenfacharzt (Pneumologe)

Beim Stillen Reflux stehen Kehlkopf-Beschwerden und andere Probleme im Halsbereich im Vordergrund. Damit sind Hausarzt, Gastroenterologe und HNO-Arzt meist die ersten Anlaufstellen der Patienten.
doch der Stille Reflux macht auch Atemwegsbeschwerden, vergleichbar zu Beschwerden einer Asthma-Erkrankung, ausgeprägten Husten und andere Atemwegsbeschwerden.

Beim Pneumologen nun kann die Lungenfunktion untersucht werden und eine Abgrenzung von Stillem Reflux zu einer Lungenerkrankung erfolgen.

Während bei einer Asthma-Erkrankung den Betroffenen das Ausatmen Probleme macht, ist es beim Stillen Reflux meist umgekehrt.


Der Allergologe

Symptome von Stillem Reflux werden manchmal auch durch Allergien hervorgerufen. Wenn also beim Betroffenen bereits Allergien bekannt sind, sollte abgeklärt werden, ob es sich bei den Symptomen nicht auch um allergische Reaktionen handelt.

Hier nun sind eine durchdachte und spezifische Diagnostik und keine planlos durchgeführten Allergietestungen gefragt.

Solch planloses Handeln schadet nur, wenn falschpositive Tests den Patienten zusätzlich frustrieren und einschränken, ohne zu therapeutischen Effekten zu führen.


Medikamente

Es wird nach wie vor mit PPI, Prokinetika, Alginaten und Magaldrat, manchmal auch mit Refluthin und Ziverell behandelt, also rein symptomatisch und ohne an den Ursachen anzusetzen.


PPI-Protonenpumpeninhibitoren


PPI sind die derzeitige Standard-Therapie. Das liegt daran, dass noch immer davon ausgegangen wird, dass sich Stiller Reflux genau wie klassischer Reflux in der Speiseröhre abspielt. Säureblocker wie Omeprazol (2 x 20 mg), Esomeprazol (2 x 40 mg), Lansoprazol (2 x 30 mg), Dexlansoprazol, Pantoprazol (2 x 40 mg) und Rabeprazol (2 x 20 mg) reduzieren die Säureproduktion im Magen und auch etwas die Menge des Magensaftes. Bei Verdacht auf Stillen Reflux sieht die deutsche Leitlinie 12 Wochen in doppelter Dosis vor.

Erst nach dieser Zeitspanne soll nun offenbar werden, ob eine solche Therapie wirksam ist und langfristig fortgesetzt werden sollte.

Ist die Therapie mit einem dieser Wirkstoffe nicht wirksam, so wird meist auf ein anderes Präparat gewechselt und die Prozedur beginnt von vorn.

Absetzen von PPI - der gefürchtete Rebound-Effekt

Der gefürchtete Rebound-Effekt macht das Absetzen eines PPI manchmal zur Hölle, und bei so hohen Dosierungen, wie sie bei Stillem Reflux verordnet werden, sind solche Probleme wahrscheinlicher.

Fällt der protonenpumpenblockierende Effekt der Medikamente plötzlich weg, kommt es zu einer vermehrten Nachbildung von säureproduzierenden Protonenpumpen, denn der Gastrin-Spiegel ist durch die Medikamenten Einnahme derart erhöht, dass nun alles durch die Decke schießt.

Das kann dazu führen, dass die Beschwerden über Wochen wieder auftreten. In einer Studie bekamen sogar gesunde Freiwillige, die nie Sodbrennen hatten, nach dem Absetzen säurebedingte Beschwerden.

Hier sollte ein langsames Ausschleichen der Medikamente und auch eine überlappende Therapie mit Antazida, Alginaten und hydrogencarbonat-reichem Trinkwasser zur Abmilderung der Symptome versucht werden.

Wer ihn noch nicht hat, der sollte sich den

PPI-Report

herunterladen.

Hier ist zu beachten, dass es durch die hohen Dosen von PPI bei Stillem Reflux zu verlängerten Ausschleichintervallen kommen kann.

H2-Rezptor-Antagonisten

Mit dem Histamin-2-Rezeptor wird über den Magen die Produktion von Säure stimuliert. H2-Rezeptorantagonisten können diesen Rezeptor blockieren. Nun wird weniger Magensäure produziert.Man nennt diese Arzneimittel auch H2-Blocker. Wirkstoffe sind: Famotidin und Cimetidin und andere.
H2-Blocker reduzieren die Magensäure Produktion weniger stark als PPI. Deshalb sind sie in den letzten Jahrzehnten in den Hintergrund gerückt.

Bei längerer Einnahme nimmt die Wirkung dieser Mittel ab.
Doch sie haben auch einen entscheidenden Vorteil, denn sie wirken innerhalb einer halben Stunde und nicht wie ein PPI nach frühestens 48 Stunden. Heute werden sie meist als zusätzliches Therapeutikum zur Nacht eingesetzt.

Bei Stillem Reflux sind diese Substanzen vermutlich besonders nützlich, denn der Gasreflux bringt wenig Volumen und etwas weniger Säure mit sich als die klassische Variante. Belastbare Studien dazu gibt es allerdings noch nicht.


Alginate

Diese Medikamente kommen bei Stillem Reflux durch ihren dualen Wirkmechanismus besonders gern zum Einsatz:

Zum einen haften diese Medikamente auf der Schleimhaut der Speiseröhre und bilden dort eine Schutzschicht, zum anderen reagieren Alginate im Magen, wenn sie auch einen Carbonat-anteil haben, zu einer Art Gallert-Schicht, die oben aufschwimmt.

In der Region des Magens, die den Übergang zur Speiseröhre bildet, also dort, wo sich die Acid-Pocket (gastrale Säuretasche) befindet, lagert sich nun dieser Pfropf an und verhindert, dass das Gemenge der gastralen Säuretasche in die Speisröhre aufsteigen kann.


Schleimhaut schützende Substanzen

Substanzen wie Hyaluronsäure (Ziverell) und Feigenkaktusextrakt (Refluthin)legen ebenfalls einen schützenden Film über die Schleimhäute.

Diese Substanzen sind besonders beim Stillen Reflux wirksam und auch wirksamer als beim klassischen Reflux, denn der Gasreflux ist mit wenig Volumen verbunden und bringt auch etwas weniger Säure ins Spiel als die klassische Variante.


Prokinetika

Diese Substanzen steigern die Kontraktionsfähigkeit und Weiterleitungsgeschwindigkeit in der Speiseröhre und dem Magen und erhöhen den Schließmuskeldruck.

Zu diesen Wirkstoffen gehören Metoclopramid, Domperidon, Prucaloprid, Erytromycin, Azithromycin und andere.

Diese Medikamente werden eingesetzt, wenn Säureblocker, Alginate und Antazida das Problem nicht in den Griff bekommen und werden ergänzend eingesetzt. Sie haben nur eine kurze Wirkdauer und müssen in hoher Dosierung eingenommen werden.

Leider haben diese Medikamente auch wenig Verbreitung, weil sie bedrohliche Nebenwirkungen haben, wie etwa Herzrhythmusstörungen. Da der Gebrauch dieser Medikamente aber off Label erfolgt, bei Stillem Reflux, wird die eigentliche Vorgabe, sie nicht länger als 8 Tage zu nehmen oft umgangen, was Gefahren in sich birgt.

Prucaloprid hat weniger Nebenwirkungen im Bezug auf Herzrhythmusstörungen und wird sporadisch eingesetzt bei verzögerter Magenentleerung und dann auch längerfristig gegeben.

Erythromycin und Azithromycin sind auch Antibiotika und sollten schon deshalb nur kurzfristig zum Einsatz kommen. Bei Stillem Reflux ist ihre Wirkung minimal.


Baclofen

Diese Substanz wirkt am GABA-Rezeptor indem sie effektiv die refluxauslösenden transienten Sphinkterrelaxationen minimiert. Hier werden 3x täglich 10 mg gegeben. Doch es gibt auch bei dieser Substanz zu ausgeprägten Nebenwirkungen.


Gabapentin und Pregabalin

Gabapentin ist ein Medikament, dass gegen Epilepsie entwickelt wurde. Und Pregabalin ist ebenfalls ein Neuromodulator, dass bei Nervenschmerzen verwendet wird.
Für den Stillen Reflux sind diese beiden Medikamente nicht zugelassen, scheinen aber in Einzelfällen off Label Wirkung gezeigt zu haben.

P-CAB, noch nicht zugelassen aber wirksamer als PPI?

Dies sind medikamentöse Neuentwicklungen, sogenannte kaliumkompetitive Säureblocker (P-CAB). Sie sind in Deutschland noch nicht zugelassen.

Wirkstoffe sind Vonoprazan und Linaprazan. Die Säureblockadewirkung ist bei diesen Medikamenten noch stärker als bei PPI.

Für Mediziner die sich mit Reflux beschäftigen sind die Ergebnisse der Behandlung mit diesen neuen Substanzen beeindruckend. Doch eine Wirkung bei Stillem Reflux ist noch nicht nachgewiesen.

Neben der stärkeren Wirkung dieser Medikamente wird auch ihr wesentlich schnellerer Wirkeintritt ins Feld geführt.

Es bleibt also abzuwarten, dass die Medikamente zugelassen werden und welche Therapieempfehlungen ausgesprochen werden.

Vonoprazan ist als Kombinationspräparat mit Amoxicillin und Clarythromycin seit Mai 2022 in den USA zugelassen. Die Zulassung gilt für makroskopisch nachweisebarer Speiseröhrenentzündung und als Kombipräparat bei Helicobacter-Infektionen.

Doch seit 2024 ist es nun auch für NERD-Formen der Refluxkrankheit zugelassen, also Formen ohne makroskopisch bemerkbare Schäden.


Endoskopische Therapien

Wenn man bei Stillem Reflux davon ausgeht, dass der untere Speiseröhrenschließmuskel nicht so funktioniert, wie er sollte, wird oft zu einem Eingriff geraten. Dahinter steht die Annahme, ein Schließmuskel, der einmal nicht richtig schließt, werde das für immer tun. Das stimmt so nicht: Der untere Schließmuskel lässt sich über seine Reflexe beeinflussen.

Achtung: Solche Verfahren sind bei einem Zwerchfellbruch nicht geeignet!

Rein theoretisch klingt das alles sehr plausibel: Man spritzt Gel ein, der Schließmuskel wird dadurch enger, der Reflux also verhindert und fertig. Doch leider ist es so einfach nicht. Man hat es mit dem Einbringen von flüssigen oder festen Fremdsubstanzen versucht bis hin zu Verödungsverfahren, die entweder durch Verbrennung und Vernarbung eine Verengung des unteren Speiseröhrenschließmuskels oder die Verödung der schmerzwahrnehmenden Nerven dort versuchen. Doch längst werden nur noch Reste davon in vereinzelten Zentren angeboten, und die einstige Aufbruchstimmung ist längst zur ernüchterten Klinikroutine geworden, in der für solche Verfahren heute kaum noch Platz ist.
Man hat es mit dem Einbringen von flüssigen oder festen Fremdsubstanzen versucht bis hin zu Verödungsverfahren, die entweder durch Verbrennung und Vernarbung eine Verengung des unteren Speiseröhrenschließmuskels oder der Verklumpung der schmerwahrnehmenden Nerven dort versucht. Doch längst sind nur noch rudimentäre Reste geblieben in vereinzelten Centren angeboten und die einstige Aufbruchstimmung ist längt zur ernüchterten Klinikroutine geworden, in der für solche Verfahren heute kaum noch Platz ist.

Noch wird das umstrittene Stretta-Verfahren vereinzelt angeboten, bei dem Schleimhaut und Nervenzellen thermisch verödet werden. Es soll also die vermutete Überempfindlichkeit der Nerven in der Schleimhaut behoben werden und nicht die Muskelkraft des unteren Speiseröhrenschließmuskels behandelt.

OP’s zur Wiederherstellung der Verschlussfähigkeit des unteren Speiseröhren Schließmuskels sind bei Stillem Reflux nur in Ausnahmefällen angedacht worden und so gut wie nie ausgeführt.


Behandlung von Stillem Reflux über die Ernährung

Um eine Umstellung der Ernährung kommt kein Reflux-Patient herum.
Und Betroffene von Stillem Reflux haben bei einer solchen Umstellung noch einiges mehr zu beachten. Als allererstes solltet ihr sämtliche Fertigprodukte aus eurem Speiseplan streichen.
In diesem Artikel findest du einen ganzheitlichen, praxistauglichen Plan, wie du deine Ernährung sinnvoll umbauen kannst:

https://magenkompass.de/ernaehrung-bei-stillem-reflux

Warum? Alles, was aus Büchsen oder Gläsern kommt, egal ob es sauer oder süß schmeckt, wird zur Haltbarmachung mit Säuren versetzt.

Banane ist frisch und unbehandelt ein sehr gut verträgliches Lebensmittel für Betroffene von Stillem Reflux. Doch wer auf die Idee kommt, sein Baby mit einem Gläschen Bananenbrei zu füttern, erlebt eine böse Überraschung, wenn er ein Stück Lackmuspapier hineinhält.

Der Brei hat einen pH-Wert von 2,3 -3,6, denn er ist zur Konservierung mit Säuren angereichert worden. Die Ausrede der Hersteller: Wenn Zitronensäure hinzugegeben wird, dann muss nicht mehr sterilisiert sondern nur noch pasteurisiert werden, dass erhält mehr Nährstoffe im Brei.

Außerdem meinen sie zu wissen, dass die Zugabe von Zitronensäure einen bessere Eisenaufnahme ermöglicht. Dass Babys davon oft Sodbrennen bekommen, erwähnen sie meist nicht.


Außenseiterin in der Behandlung von Stillem Reflux

Es gibt im Bereich der Behandlung von Stillem Reflux insbesondere Dr. Jamie Koufman. Diese Ärztin hat sich in den USA auf die Behandlung von Stillem Reflux in den oberen Atemwegen spezialisiert. Sie ist ausgebildete und noch immer praktizierende HNO-Ärztin und hat ein eigenes Programm zur Behandlung von Reflux und Stillem Reflux erarbeitet. Dr. Koufman vertritt die Meinung, dass das Auftreten von Stillem Reflux unter anderem durch eine postvirale Vagusneuropathie hervorgerufen werden kann. Das heißt, sie glaubt, dass der Vagusnerv der Betroffenen nicht nur durch Dauerstress geschädigt ist, sondern durch einen banalen Schnupfen oder eine ähnliche Erkrankung angegriffen wurde.

 Ihre Erfahrungen aus der Praxis sprechen für ihren Ansatz, auch wenn es von Seiten der Ärzteschaft reichlich Vorbehalte gibt. Wir haben uns diesbezüglich einmal eingelesen und feststellen müssen, dass in der Arbeit von Dr. Koufman einiges Potential steckt.

Wie behandelt Dr. Koufman

Sie plädiert seit vielen Jahren für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologie, Pneumologie, Allergologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, wenn es um die Behandlung von Stillem Reflux und die Suche nach den Ursachen geht.
Sie vertritt die These, dass insbesondere der hohe Verzehr von Softdrinks zu den epidemischen Ausmaßen von Reflux und Stillem Reflux beiträgt. Jeder, der unter Reflux leidet, kann bestätigen, dass Cola oder andere solche Getränke einen auf einen heftigen Sodbrennen-Trip schicken können. In der Regel behandelt Dr. Koufman mit einer Umstellung der Ernährung. In Fällen, wo es größere Probleme gibt, setzt sie H2-Blocker (Cimetidin und Famotidin) ein, sowie Domperidon (beschleunigt die Magenentleerung) und Gabapentin (Off-Label-Gebrauch zur Stimulierung der Vagus-Funktion). PPI setzt sie nur sehr kurz und in seltenen Fällen ein

Sie empfiehlt eine 2wöchige Auswaschungsphase, in der spezielle Ernährungsregeln eingehalten werden müssen und nach Möglichkeit basisches Wasser getrunken werden sollte. So sollen die noch in den Schleimhäuten sitzenden Pepsine herausgewaschen werden oder funktionslos gemacht werden.


Wie geht Dr. Koufman vor?

Die Diät setzt sich aus 4 Phasen zusammen.
Es beginnt mit der Auswaschungsphase, gefolgt von der Übergangsphase, der Stabilisierungsphase und schließlich der Dauerphase.

Während die 2 bis 3 wöchigen Einführungsphase der Rückbildung von Entzündungen und der Entfernung der restlichen Pepsine dient, werden während der Übergangsphase und der Stabilisierungsphase Schritt für Schritt eigentlich Reflux fördernde Lebensmittel bis zu einem gewissen Grad wieder eingeführt. Dabei werden die Patienten in Reflux gerechter Ernährung unterrichtet.

Die Übergangsphase und die Stabilisierungsphase kann einige Monate dauern. Bei Patienten die PPI einnehmen, erfolgt in dieser Phase auch die PPI-Entwöhnung. Danach folgt die Dauerphase, in der die Patienten mit der Kontrolle über ihre Essgewohnheiten mit Arbeit und Entschlossenheit wieder ein ganz normales Leben führen können.

Ich verfolge in meinen Kursen einen ähnlichen Ansatz. Näheres dazu erfahrt ihr hier:
Ernährung bei Stillem Reflux

Resümee zur Behandlung von Stillem Reflux durch Dr. Koufman

Ich glaube, dass an der Behandlungsmethode von Dr. Koufman einiges dran ist. Sie gibt ihren Patienten klare Ernährungsempfehlungen für die einzelnen Phasen der Ernährungsumstellung. Sie versucht, den Auslöser oder besser die Auslöser für das Krankheitsgeschehen zu finden.

So eine postvirale Vagusneuropathie kann durch eine ganz banale Erkältung oder eine Halsentzündung hervorgerufen werden. Teile des Vagusnervs verlaufen sehr dicht unter der Schleimhaut im Rachen. Damit ist eine Schädigung des Nervs wahrscheinlich.

Sie macht für das geradezu epidemische Auftreten von Refluxkrankheit und Stillem Reflux übrigens die häufigere Verwendung von gesättigten Fettsäuren, den gestiegenen Verbrauch von Fructose und die erhöhte Menge an Säuren in unserer Ernährung, sowie die Verwendung von Zusatzstoffen, wie Aromen, Konservierungsmitteln, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern verantwortlich. Es sind also nicht nur die Softdrinks, die uns den Reflux bescheren.

Sie deckt auch die Mechanismen hinter dem Reflux-Geschehen auf. Reflux beeinträchtigt die Speiseröhrenfunktion und das wiederum, führt zu noch mehr Reflux. Gehen Entzündung und Reflux zurück, so bessert sich auch die Speiseröhrenfunktion und der untere Schließmuskel arbeitet wieder.


Was Dr. Koufman nicht auf dem Schirm hat:

Was bei Dr. Koufman zu kurz kommt, ist der Dauerstress. Unter anhaltender Anspannung fährt der Körper die Verdauung herunter, und dabei kann auch die Säurebildung im Magen sinken. Das ist gut nachvollziehbar – ob und wie oft es bei Stillem Reflux tatsächlich vorkommt, hat allerdings noch niemand gemessen.

Mehr dazu hier:
https://magenkompass.de/das-magensaeure-dilemma/

Was hier außerdem fehlt ist eine ganzheitliche Herangehensweise und welche anderen Ursachen Stiller Reflux noch haben kann, erfährst du hier:
https://magenkompass.de/stiller-reflux-die-ursachen/

Fazit

Die Behandlung von Stillem Reflux ist ebenso komplex wie das Krankheitsbild. Leider gibt es in Deutschland noch nicht sehr viele Ärzte, die sich aus dem Säure-Schubladendenken verabschiedet haben. Auch die Verschreibung von PPI scheint immer noch weit verbreitet.

 Doch es gibt Hoffnung. Sowohl in einigen Refluxzentren als auch in Einzelpraxen von HNO-Ärzten werden Patienten mit Stillem Reflux adäquat behandelt und auch beraten. Die Ernährung spielt nach meiner Erfahrung in den allermeisten Fällen eine deutliche Rolle. Nicht nur ich bin überzeugt, dass Reflux und auch Stiller Reflux nachhaltig therapierbar sind.

Und die Aussicht auf ein halbwegs normales Leben ohne Dauermedikation lässt uns denn auch einmal über die Möglichkeit nachdenken, wie wir unsere Ernährung wieder auf ein normales Level bringen können. Die deutsche Leitlinie zur Refluxkrankheit (S2k-Leitlinie der DGVS, 2023) empfiehlt Erwachsenen bei Verdacht auf Stillen Reflux zunächst einen Säureblocker in doppelter Standarddosis über 12 Wochen (Empfehlung 2.11). Im selben Kommentar hält sie fest, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Reflux und solchen Beschwerden „vermutlich viel seltener ist als bisher angenommen“.

Quellen


Sodbrennen und Refluxkrankheit (Gesundheitsinformation.de)

Weiß, Maria et al.: Säureblockade nützt nur bei symptomatischem Reflux (Medical Tribune)

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., Bonn

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Listen verträglicher Lebensmittel bei Stillem Reflux

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