Wenn Galle und Pepsin gemeinsam angreifen
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Mehr InformationenDu hast alle klassischen Maßnahmen gegen Stillen Reflux ausprobiert – Ernährungsumstellung, PPI, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper. Und trotzdem: Kloßgefühl, Räusperzwang, Heiserkeit bleiben. Dazu vielleicht Übelkeit nach dem Essen, ein Völlegefühl als ob die Mahlzeit wie ein Stein im Magen liegt – manchmal auch Übelkeit, die erst Stunden später kommt. Was dann? Dann könnte Gallereflux das fehlende Puzzleteil sein.
Gallereflux ist keine Seltenheit bei Menschen mit Stillem Reflux – aber er wird selten diagnostiziert, weil er unter dem Radar läuft. Die subklinische Form macht keine dramatischen Symptome wie bei klassischem Galleerbrechen. Sie schleicht sich ein, verstärkt vorhandene LPR-Symptome und macht die Behandlung schwieriger – solange man nicht weiß, dass sie da ist.
Was ist Gallereflux – und was unterscheidet ihn von saurem Reflux?
Beim klassischen sauren Reflux und beim Stillen Reflux steigt Mageninhalt – Säure und Pepsin – in die Speiseröhre, den Kehlkopf und den Rachen auf. Beim Gallereflux kommt ein weiterer Akteur hinzu: Gallenflüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm steigt in den Magen – und von dort weiter nach oben.
Gallenflüssigkeit enthält Gallensäuren, Bilirubin und Trypsin. Diese Substanzen sind für den Darm konzipiert – nicht für Magenschleimhaut, Speiseröhre oder Kehlkopf. Dort richten sie Schäden an, die sich von denen durch Pepsin und Säure unterscheiden – und die mit herkömmlichen Säureblockern nicht behandelt werden können.
Gallensäuren schädigen Schleimhäute auf einem anderen Weg als Pepsin und Säure. PPI helfen bei reinem Gallereflux nicht – und können das Problem sogar verschleiern, weil die pH-Messung dann unauffällig ist, während die Gallensäuren weiter Schaden anrichten.
Gallereflux und Stiller Reflux – eine unterschätzte Kombination
Neue Studien zeigen: Gallensäuren sind bei LPR-Betroffenen messbar erhöht. Eine prospektive Studie (Oridate et al., 2015, PMID: 25516364) fand, dass Gallensäuren im Speichel von LPR-Patienten dreimal höher waren als bei gesunden Kontrollpersonen – ähnlich wie Pepsin. Und beide zusammen sind gefährlicher als jeder für sich allein.
Ein aktuellerer Review (Li et al., Eur Arch Otorhinolaryngol, 2022, PMID: 34859290) bestätigte: Gallensäuren und Pepsin verstärken sich gegenseitig bei der Schädigung der Kehlkopfschleimhaut – besonders unter nicht-sauren Bedingungen. Das bedeutet: Wer einen normalen pH-Wert im Speichel hat, aber trotzdem LPR-Symptome, könnte unter biliary LPR leiden – Stiller Reflux mit Gallenbeteiligung.
Bis zu 40 % der LPR-Betroffenen sprechen nicht ausreichend auf PPI an. Gallensäuren als zweite Komponente neben Pepsin könnten erklären, warum – denn PPI senken Säure, aber nicht Gallensäuren.
Wie entsteht Gallereflux – und warum tritt er bei LPR-Betroffenen auf?
Der Magenpförtner (Pylorus) ist die Trennwand zwischen Magen und Zwölffingerdarm. Er lässt Nahrung in den Darm durch, aber Gallenflüssigkeit soll nicht zurückfließen. Wenn der Pylorus nicht richtig schließt – durch Dysmotilität, Vagusnerv-Dysregulation oder erhöhten Druck im Dünndarm – fließt Galle zurück in den Magen.
Von dort kann sie, bei geschwächtem unterem Speiseröhrenschließmuskel, weiter nach oben steigen – in die Speiseröhre und bei Stillem Reflux bis in Kehlkopf und Rachen.
Warum LPR-Betroffene besonders anfällig sind
LPR-Betroffene haben häufig mehrere Faktoren, die Gallereflux begünstigen:
→ Vagusnerv-Dysregulation: Der Vagusnerv steuert sowohl die Magenentleerung als auch den Pylorus-Tonus. Ein schwacher Vagus führt zu Dysmotilität an beiden Stellen gleichzeitig.
→ Verzögerte Magenentleerung (subklinische Gastroparese): Wenn der Magen sich zu langsam entleert, steigt der Druck – und Galle hat mehr Gelegenheit, zurückzufließen.
→ Gestörte Darmperistaltik: SIBO und Darmdysbiose erhöhen den Druck im Dünndarm und fördern den Rückfluss von Gallenflüssigkeit.
→ Chronischer Stress: Stresshormone hemmen die Verdauungsmotorik – Magenentleerung und Pylorus-Funktion leiden gleichzeitig.

Die subklinische Form – wie sie sich anfühlt
Das Tückische am subklinischen Gallereflux: Er zeigt nicht das klassische Bild mit gallenbitterem Erbrechen und dramatischen Beschwerden. Stattdessen sind es Symptome, die du vielleicht längst kennst – aber bisher nicht mit Galle in Verbindung gebracht hast:
→ Übelkeit, die etwa 1–2 Stunden nach dem Essen einsetzt – nicht sofort
→ Vorzeitige Sättigung – das Essen liegt wie ein Stein im Magen, egal was gegessen wird
→ Nach fetthaltigen Mahlzeiten: Übelkeit bis zum Erbrechen, manchmal erst 4–6 Stunden später
→ Bitterer Geschmack im Mund, besonders morgens
→ LPR-Symptome, die sich trotz konsequenter Ernährungsumstellung kaum bessern
→ Symptomverschlechterung nach Mahlzeiten, die normalerweise bei LPR gut verträglich wären
Wenn Symptome nach fettreichen Mahlzeiten deutlich stärker sind und mit Übelkeit einhergehen – auch wenn der Rest der Ernährung LPR-konform ist – sollte Gallereflux als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Was macht Gallensäuren so gefährlich für Kehlkopf und Rachen?
Gallensäuren sind bei neutralem oder leicht saurem pH am aggressivsten – genau in dem Bereich, in dem der Kehlkopf liegt. Im Unterschied zu Pepsin, das bei hohem pH inaktiv wird, bleiben Gallensäuren auch bei normalen pH-Werten aktiv.
Eine Pilotstudie (Krause et al., Diseases of the Esophagus, 2024) zeigte: Speichelgallensäuren könnten als Biomarker für Stillen Reflux dienen – und könnten besonders bei therapieresistentem LPR diagnostisch wegweisend sein. Die Kombination aus erhöhten Pepsin- und erhöhten Gallensäurewerten im Speichel ist mit stärkeren LPR-Symptomen assoziiert.
Für die Praxis bedeutet das: Wer trotz PPI und Diät keine ausreichende Besserung erfährt, sollte fragen, ob Gallensäuren mitgemessen wurden. Leider ist das in der Routinediagnostik noch nicht Standard.
Wie wird Gallereflux diagnostiziert?
Der Goldstandard ist die 24-Stunden-Bilitec-Messung: Eine Sonde misst den Gallengehalt im Speiseröhreninhalt über 24 Stunden. Sie ist aufwändig und in Deutschland nicht überall verfügbar.
Alternativ gibt es die kombinierte Impedanz-pH-Messung, die auch nicht-saure Refluxepisoden erfasst – und damit Gallereflux-Episoden sichtbar machen kann, auch wenn der pH normal ist.
Speichelgallensäuren als nicht-invasiver Biomarker sind vielversprechend, aber noch nicht in der Routinediagnostik angekommen. Eine Magenspiegelung kann Hinweise geben – Gallenflüssigkeit im Magen und eine gerötete Magenschleimhaut ohne Helicobacter-Nachweis sind klassische Zeichen.
Was kannst du konkret tun?
Fettarme Ernährung konsequent umsetzen
Fett stimuliert die Gallenproduktion und -ausschüttung am stärksten. Fettreiche Mahlzeiten – besonders abends – erhöhen die Gallenmenge im Zwölffingerdarm und damit das Rückflussrisiko. Bei Verdacht auf Gallereflux ist fettarme Ernährung nicht nur eine Empfehlung, sondern ein diagnostischer Test: Wenn die Symptome bei konsequent fettarmer Kost deutlich abnehmen, ist das ein starkes Indiz.
Mahlzeitenrhythmus anpassen
Kleine, häufige Mahlzeiten entlasten den Pylorus und reduzieren den Druck im Magen. Große Mahlzeiten – besonders abends – erhöhen das Rückflussrisiko. Mindestens 3 Stunden vor dem Hinlegen nichts mehr essen.
Den Vagusnerv stärken
Weil der Vagusnerv Magenentleerung und Pylorus-Funktion gleichzeitig steuert, ist Vagusnerv-Aktivierung auch bei Gallereflux ein direkter Hebel. Tiefes Atmen, Summen, Gurgeln – diese Maßnahmen helfen nicht nur bei Stillem Reflux, sondern auch bei der Motilitätskomponente des Gallerefluxes.
Cholestyramin – bei ärztlicher Begleitung
Cholestyramin ist ein Gallensäurebinder, der die Gallensäuren im Magen binden kann, bevor sie aufsteigen. Er ist in Deutschland rezeptpflichtig und hat Nebenwirkungen, wird aber bei nachgewiesenem Gallereflux eingesetzt. Das ist keine Selbstmedikation – aber es ist wichtig zu wissen, dass es eine spezifische Behandlung gibt.
Ursodeoxycholsäure (UDCA) – eine alternative Gallensäure
UDCA ist eine natürlich vorkommende Gallensäure, die weniger aggressiv gegenüber Schleimhäuten ist als andere Gallensäuren. In einigen Studien wurde sie zur Behandlung von Gallereflux eingesetzt. Auch hier: rezeptpflichtig, ärztliche Begleitung erforderlich.
Gallereflux ist medikamentös anders zu behandeln als saurer Reflux. Wer therapieresistenten Stillen Reflux hat und die oben beschriebenen Symptome kennt, sollte Gallereflux aktiv ansprechen – nicht darauf warten, dass der Arzt von selbst darauf kommt.
Weiterführende Artikel
→ Stiller Reflux – die Ursachen
→ Refluxkrankheit vs. Stiller Reflux
→ Vagusnerv, Stiller Reflux und zu wenig Magensäure
→ Gastroparese und Stiller Reflux
→ Stiller Reflux – die Symptome
Quellen:
Oridate N et al.: Pepsin and bile acids in saliva in patients with laryngopharyngeal reflux – a prospective comparative study. Clin Otolaryngol. 2015;40(5):457-63. PMID: 25516364
Li Y et al.: Effects of acids, pepsin, bile acids, and trypsin on laryngopharyngeal reflux diseases. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2022;279(9):4243-4253. PMID: 34859290. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34859290/
Krause AJ et al.: Pilot study evaluating salivary bile acids as a diagnostic biomarker of laryngopharyngeal reflux. Dis Esophagus. 2024 Jul;37(7):doae021. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38520711/
Campagnolo AM et al.: An Update on Current Treatment Strategies for Laryngopharyngeal Reflux Symptoms. PMC 2022. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9012673/
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Was bedeutet Gallereflux?
Im Zwölffingerdarm wird dem dort angelangten Speisebrei nach der Neutralisation durch die Sekrete der Magenpförtnerdrüsen nun Gallensaft aus der Gallenblase und Pankreassaft aus der Bauchspeicheldrüse zugesetzt.
Schließt nun der Magenpförtner nicht, wie es von Natur aus vorgesehen ist vollständig, wenn eine bestimmte Menge Nahrungsbrei aus dem Magen in den Dünndarm befördert worden ist oder öffnet er sich wieder, so kann es zum Rückfluss von mit Gallensaft und Bauchspeicheldrüsensekret angereichertem Inhalt des Zwölffingerdarmes in den Magen kommen.
Funktioniert hier dann auch der untere Speiseröhrenschließmuskel (Kardia) nicht einwandfrei, liegt also eine GERD (gastroösophageale Refluxkrankheit) vor, so kann dieses basische Gemisch nun sogar bis in die Speiseröhre vordringen. In nicht seltenen Fällen ist das aufsteigende Gemisch nun nicht sauer.
Wenn die GERD eine NERD ist, dann sollte immer auch an Gallereflux gedacht werden. Die nichterosive Form der Refluxkrankheit (NERD), ist dennoch ebenso behandlungsbedürftig, wie die Refluxösophagitis (refluxbedingte Speiseröhrenentzündung). Langjährig unbehandelter Reflux, auch Gallereflux kann immer auch zu einer Barrett-Speiseröhre führen.
Was ist Galle?
Galle oder genauer Gallensaft wird in der Leber gebildet, in der Gallenblase zwischengespeichert und wenn wir fetthaltige Speisen zu uns nehmen, wird dieser Gallensaft in den Zwölffingerdarm, der direkt an den Magen anschließt, abgegeben.
Zusammensetzung von Gallenflüssigkeit
Gallenflüssigkeit besteht zu großen Teilen aus Wasser. Darin sind Elektrolyte zu ähnlichen Anteilen gelöst, wie in Blut. Der Fettanteil des Gemisches besteht aus Gallensäuren, Phospholipiden und Cholesterin. Die Gallenfarbstoffe, das gelbe Bilirubin und das grüne Biliverdin geben der Gallenflüssigkeit ihre typische Farbe.
Diese beiden Substanzen sind Abbauprodukte des Blutfarbstoffes Hämoglobin. Außerdem enthält die Gallenflüssigkeit eine ganze Reihe von Eiweißen, meist Enzyme wie etwa alkalische Phosphatase oder Gamma-GT, Immunglobuline und Glykoproteine (Muzine) sowie natürlich auch Reste von Hormonen und Medikamenten.
Aufgaben der Gallensäuren
Gallensäuren wirken als Löslichkeitsvermittler (Emulgatoren) zwischen Fetten und der wässrigen Phase. In der Galle machen sie Cholesterin löslich und ermöglichen dessen Abtransport.
Im Zwölffinger- und Dünndarm emulgieren Gallensäuren also zunächst einmal Nahrungsfette und vergrößern die Angriffsfläche für fettspaltende Enzyme.
Mit deren fettlöslichem Kern, bilden sich die Mizellen aus. Sie sind für die Aufnahme der meisten Fette in der Nahrung unabdingbar.
Gallensäure hat einen großen Einfluss auf die Eigenbewegung des Darmes. Ein Mangel an Gallensäure führt zu Verstopfung, ein Überfluss an Gallensäure erzeugt Durchfall. Hier sei auf den Zusammenhang von Sodbrennen und Reizdarm verwiesen.
Gallensäuren im Magen bei Gallereflux
Schließt nun der Magenpförtner unzureichend, so kann Gallenflüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm in den Magen aufsteigen. Zum Beispiel bei Betroffenen, denen man wegen eines Steines die Gallenblase entfernt hat tritt dies häufig auf, denn ohne das Sammelorgan Gallenblase wird quasi kontinuierlich Gallenflüssigkeit von der Leber in den Darm abgegeben.
Gallensäuren wirken fast wie ein Spülmittel und bringen die Nahrungsfette in Lösung. Und das tun sie nun im Magen auch. Aber auch einige Zellarten der Magenschleimhaut enthalten Fette. Und hier liegt das erste Problem von Gallereflux. Er kann, wenn er über längere Zeit stattfindet eine Magenschleimhautentzündung hervorrufen. Außerdem bringt der basische Gallereflux den pH-Wert im Magen durcheinander, denn hier herrscht normalerweise ein stark saures Milieu.
Gallereflux in der Speiseröhre
Bei Menschen mit der Refluxkrankheit, bei denen der untere Speiseröhrenschließmuskel nicht so schließt wie er es soll, kann es sein, das der Gallereflux aus dem Zwölffingerdarm nun vom Magen aus auch in die Speiseröhre vordringt. Bleibt der Gallereflux nun länger unbehandelt, kann es zu Entzündungen der Speiseröhre oder sogar zu einem sogenannten Barrettösophagus kommen.
In diesem Artikel sind Gallereflux, GERD und Stiller Reflux direkt nebeneinander gestellt.
Gallereflux und Stiller Reflux treten häufig gemeinsam auf – und werden trotzdem oft verwechselt oder getrennt behandelt. Wer unter Heiserkeit, Räusperzwang oder Kloßgefühl leidet und gleichzeitig einen Gallereflux hat, sollte beides zusammen betrachten: → Refluxkrankheit vs. Stiller Reflux und → Stiller Reflux – die Symptome
Beim Barrett-Ösophagus handelt es sich um eine Veränderung der Zellen der Speiseröhre, die gefährlich werden kann. In seltenen Fällen entsteht hieraus Speiseröhrenkrebs. Hier aber liegt eine weitere Gefahr. Mit Entstehen der Barrettspeiseröhre verschwinden in vielen Fällen die Refluxsymptome, namentlich das Sodbrennen.
Und eine überdurchschnittlich große Zahl von untersuchten Betroffenen hatte einen alkalischen Reflux, das heißt also, das Gallensäure bis in die Speiseröhre gelangt ist.
Was sind die Symptome bei Gallereflux?
Die Symptomatik bei Gallereflux entspricht der einer chronischen Gastritis Typ C. Diese Art der Magenschleimhautentzündung verläuft bei vielen Betroffenen symptomlos oder es treten diffuse Oberbauchbeschwerden auf, die sich mit symptomlosen Intervallen abwechseln.
Oft haben Betroffene keinerlei Beschwerden und fallen erst nach vielen Jahren der Krankheit mit einer Magenblutung auf.
Mögliche Beschwerden bei Gallereflux sind:
- Übelkeit
- Völlegefühl
- Aufstoßen
- schnelle Sättigung beim Essen
- selten Oberbauchschmerzen
- wenig Appetit bei starkem Hungergefühl
- Schmerzen bei leerem Magen
- Schmerzen nach dem Essen
Achtung:
Kommt es zum Erbrechen von schwarz-braun gefärbtem Mageninhalt (Kaffeesatzerbrechen) oder zu schwarzem Stuhlgang könnte dies ein starker Hinweis auf eine Magenblutung sein! Geht bitte zeitnah zum Arzt!
Ursachen und Behandlung von Gallereflux
Es gibt drei hauptsächliche Ursachen für Gallereflux. An erster Stelle stehen hier Magenoperationen.
Aber auch Magengeschwüre oder Zwölffingerdarmgeschwüre sowie die Entfernung der Gallenblase können zu Gallereflux führen. Mir hinein spielt auch der Stille Reflux im Bezug auf die Funktion des unteren Speiseröhrenschließmuskels und Störungen des Vagusnervs.
1.Ursache: Magen-OP
Nach einer Magen-OP kann es zu sehr ausgeprägten klassischen Refluxsyptomen kommen. Oft ist dieser Reflux aber nicht nur sauer, also aus einem Magensäure-Pepsingemisch bestehend, sondern enthält auch Gallensäuren.
Bei Operationen mit Entfernung von Teilen des Magens kann ein sogenanntes Dumpingsyndrom entstehen. Dabei entleert sich der Magen abrupt in den Zwölffingerdarm. Dadurch kommt es zu Schwindel, Übelkeit und Durchfällen.
Die Diagnose wird meist mittels eines Ultraschalles des Oberbauches, einer Magenspiegelung und einer 24h-pH-Metrie gestellt.
2.Ursache: Magengeschwür
Liegen Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre in der Nähe des Magenpförtners, so können sie selbst oder die bei ihrem Abheilen entstehenden Vernarbungen die Schließfähigkeit des Magenpförtners beeinträchtigen. So kann es zu Gallereflux kommen.
Je nach Lokalisation eines solchen Geschwürs kommt es zu Nüchternschmerz oder auch zu Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme, auch Übelkeit oder Erbrechen sind möglich. Aber es ist auch möglich, dass gar keine Symptome entstehen und es erst durch Komplikationen wie Magenblutungen zur Entdeckung kommt.
Hier wird eine Magenspiegelung mit Probeentnahme und oft auch eine 24h-pH-Metrie durchgeführt um die Diagnose zu sichern. Ein neueres Verfahren zum Nachweis von Gallereflux in der Speiseröhre und im Magen ist das Bilitec 2000 -Verfahren. Dabei wird mit einer Sonde die 24 Stunden getragen wird nachgewiesen ob sich Bilirubin, also Gallenflüssigkeit im Magen oder der Speiseröhre befinden.
3.Ursache: Entfernung der Gallenblase
Die Diagnose wird mittels eines Ultraschalls der Bauchorgane und manchmal auch durch eine endoskopisch retrograde Cholangiopankreatiko-graphie (ERCP)gestellt. Hierbei arbeitet der Arzt mit einem Endoskop mit einer Seitenblickoptik, die er durch den Mund und die Speiseröhre, den Magen und schließlich den Zwölffingerdarm bis in den Gallengang führt. Dort kann er nun Verengungen oder Steine sehen und auch direkt behandeln oder entfernen.
Die hier entstehenden Beschwerden ähneln meist denen, vor Entfernung der Gallenblase. Mediziner nennen diesen Zustand Postcholezystektomie-Syndrom. Es bilden sich Steine, die Koliken verursachen und es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch können Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen oder Verstopfungen, auftreten.
Behandlung von Gallereflux
Bei Gallereflux wird zunächst einmal versucht, die Behandlung ursächlich durchzuführen. Handelt es sich um einen Gallereflux nach Magen-OP wird genau wie bei einem Magen-oder Zwölffingerdarmgeschwür versucht, den Reflux zu beheben, indem die Ursache dafür behandelt wird. Das erfolgt auch beim Auftreten von Gallereflux nach Enfernung der Gallenblase.
Findet man aber keinen direkten Auslöser für den Gallereflux, so wird symptomatisch behandelt. Enthält das in die Speiseröhre aufsteigende Refluat noch saure Anteile aus der Magensäure, so wird eine Therapie mit Protonenpumpenhemmern versucht. Ermittelt der Arzt bei der pH-Metrie jedoch keinen sauren sondern einen ausschließlich basischen Reflux, so wird mit Cholestyramin, Ursodioxycholsäure und eventuell mit Metoclopramid behandelt.
Cholestyramin bindet im Darm Gallensäuren, Ursodioxycholsäure ist eine nicht toxische Gallensäure, die im Magen die Zellen der Schleimhaut schützt, statt sie zu schädigen und Metoclopramid beschleunigt die Magenentleerung und wirkt so auch gegen Brechreiz und Übelkeit. Auch moderne Antazida, die man Schichtgitterantazida nennt, können Gallereflux neutralisieren.
Fazit
Gallereflux gehört in die Hand eines erfahrenen Gastroenterologen. Nicht jeder Reflux ist sauer oder basisch, aber oft entstehen Mischrefluate, die nur geringe oder keine Beschwerden machen, aber der empfindlichen Schleimhaut der Speiseröhre schaden und uns zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung verhelfen.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Längst sollte immer dann, wenn eine PPI-Therapie nicht oder nicht ausreichend wirkt, auch an Gallereflux gedacht werden, denn er ist nicht so selten, wie noch vor ein paar Jahren angenommen. Jüngste Studien gehen von fast der Hälfte aller Betroffenen der Refluxkrankheit aus, die ebenfalls unter Gallereflux leiden.
Quellen
- German medical science: „Duodenogastraler Reflux als zusätzliche pathophysiologische Komponente bei der Refluxkrankheit“; http://www.egms.de/static/de/m… / 02.11.2015
- Chirurgie – Portal: „Magenkrebs, Magenkarzinom, Gastrektomie Operation“; http://www.chirurgie-portal.de… / 22.11.2015
- Stein, H.J., et al.: Bile acid as components of the duodenogastric refluxate: detention, relationship to bilirubin, mechanism of injury and clinical relevance. Hepatogastroenterology (Greece) 1999, 46, 66, pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10228767/
- Fuchs, K.-H., et al.: Säure und Galle: Die Bedeutung von Reflux und Stase beim operierten Magen. Z. Gastroenterol. 1998, Suppl. 2.
- Vaezi, M.F., et al.: Double reflux: double trouble (comment). Gut 1999, 44, 590.
- Stein, H.J., et al.: Bile acids as components of the duodenogastric refluxate: detection, relationship to bilirubin, mechanism of injury and clinical relevance. Hepatogastroenterology (Greece) 1999, 46, 66.
- Paniagua, M., et al.: Accion de Ia celulosa microcristalina en la gastritis alcalina por reflujo biliar. Acta Gastroenterol. Latinoam. (Argentina) 1995
- Dixon M F, Neville P M, Mapstone N P et al.: Bile reflux gastritis and Barret’s oesophagus: further evidence of a role for duodenogastro-oesophageal reflux? Gut 2001; 49: 359–363.
- Anke Eschmann: Duodeno-gastro-ösophagealer Reflux bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin der Ruhr-Universität Bochum

